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"Gruppe Freital": Böller-Kauf beim Obsthändler

Ein Unterstützer der "Gruppe Freital" hat vor Gericht in Dresden einige Taten zugegeben. Den Hauptvorwurf, Beihilfe an einem versuchten Mord, bestreitet er aber.

Nichts für die Öffentlichkeit: Beschlagnahmte Böller in der Tatmittelsammlung des LKA Sachsen.
Nichts für die Öffentlichkeit: Beschlagnahmte Böller in der Tatmittelsammlung des LKA Sachsen. © Robert Michael

Dresden. Der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der rechtsterroristischen „Gruppe Freital“ ist am Montag am Oberlandesgericht Dresden mit der Vernehmung des letzten Angeklagten fortgesetzt worden. Dem 27-jährigen Sebastian S. wird neben der Mitgliedschaft in der Terrorgruppe der schwerste Vorwurf gemacht: Beihilfe zum versuchten Mord.

Der kräftige Mann mit kurzen blonden Haaren soll illegale Böller in Tschechien gekauft haben, die von den bereits verurteilten Haupttätern für ihren Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in der Wilsdruffer Straße in Freital in der Nacht zum 1. November 2015 eingesetzt worden waren. S. gab zu, bei einem Sprengstoffanschlag auf das Linken-Parteibüro im September 2015 „die Lunte angezündet“ und zuvor beim Sprengstoffanschlag auf den VW des Stadtrats Michael Richter (Linke) die Seitenscheibe eingeschlagen zu haben, ehe andere die Sprengsätze hineinwarfen.

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S. erklärte jedoch, er habe den anderen gesagt, nicht bei Taten mitzuwirken, bei denen Menschenleben gefährdet würden. Die Pyrotechnik für den Anschlag auf die Wohnung habe er am 31. Oktober 2015, als er mit anderen Mitgliedern der Gruppe Freital in Tschechien war, nicht besorgt. Sie seien mit drei Autos in Tschechien gewesen. Er habe Zigaretten und zwei Päckchen mit, in Deutschland auch verbotenen, LaBomba-Böller gekauft, so S. „für Silvester“. Was die anderen kauften, wisse er nicht: „Ich konnte ja nicht sehen, was in den Tüten ist“, sagte er. Über die Einkäufe sei auch nicht gesprochen worden.

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In seiner Polizeivernehmung 2016 habe S. laut Gericht jedoch detailliert die explosiven Inhalte der Beutel beschrieben – Cobra 6 und 12, DumBum und ähnliches. Zu der Beschaffungsfahrt sei zudem in einem Chat der Täter aufgerufen worden: „Treff 17 Uhr beim Obsthändler“. „Obst“ war das Codewort der Gruppe für illegale Böller.

Drei weiteren Angeklagten, zwei Männer (31, 53) und eine Frau (31) haben sich bereits vergangene Woche geäußert. Der Prozess wird am Freitag mit den ersten Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

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