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Das verschwundene Geld einer Seniorin

Die Stieftochter einer 80-jährigen Bannewitzerin besteht darauf, die 39.000 Euro geschenkt bekommen zu haben. Der Richter zweifelt das an.

War das Geld aus dem Schließfach - hier auf einem Symbolbild - ein Geschenk? Darüber musste der Richter in Dippoldiswalde befinden.
War das Geld aus dem Schließfach - hier auf einem Symbolbild - ein Geschenk? Darüber musste der Richter in Dippoldiswalde befinden. © imago images

Ihr ganzes Geld, das waren 39.000 Euro. Die Seniorin, die am Montag vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde als Zeugin in einem Strafprozess erschien, bewahrte es ursprünglich in einem Bankschließfach der Sparkasse in Possendorf auf.

Im Oktober 2018 löste sie das Schließfach auf. Was danach mit dem Geld geschah, ist nun Gegenstand des Verfahrens: Verschwand es durch Betrug, Untreue - oder weil die Seniorin - 80 Jahre, verwitwet, in Bannewitz im betreuten Wohnen lebend - es verschenkte?

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Einzahlung aufs Konto der Angeklagten

Angeklagt ist die Stieftochter der Zeugin. Ihr habe die Seniorin das Geld anvertraut, damit sie es auf einem Konto der Postbank einzahle. Dieses Konto habe die Angeklagte für ihre Stiefmutter eröffnen sollen.

Gelandet sei das Geld aber auf dem Konto der Stieftochter. Zwar hätten sie das Geld gemeinsam bei der Postbank eingezahlt, aber die Seniorin sagt: "Als ich an den Tresen dazu kam, war alles schon erledigt." Später habe ihr die Stieftochter Kontoauszüge, EC-Karte und Pin geschickt.

"Ich fand zwar komisch, dass das Konto nun auf ihren Namen ging, aber sie sagte: 'Das geht schon alles seinen Gang'". Doch eines Tages sei das ganze Geld weg gewesen: "Ich habe einen Schock gekriegt."

Auf zivilrechtlicher Ebene gibt es einen Vergleich

Im Vorfeld gab es bereits einen zivilrechtlichen Vergleich am Landgericht Dresden, bei dem die Klägerin 19.738 Euro von der Angeklagten erhielt. "Damit sind jegliche weiteren Ansprüche erledigt", sagt Amtsrichter Christian Mansch: "In einem Strafverfahren geht es nicht darum, dass Sie mehr Geld wiederbekommen."

Deshalb macht er der Seniorin zu Beginn der Verhandlung ein Angebot: Sie würde von der Angeklagten noch 5.000 Euro erhalten, und er würde das Strafverfahren an dieser Stelle einstellen.

Mutter fordert Strafverfahren für Stieftochter

Doch die Frau hält nichts davon: "Wenn ich das ganze Geld kriegen würde, dann ja. Aber so will ich, dass sie die ganze Strafe kriegt", sagt sie.

"Sie", die angeklagte Stieftochter, hat eine andere Version der Ereignisse: "Meine Stiefmutter hat mir das Geld geschenkt", behauptet sie. Der Postbank-Mitarbeiter, der damals das Geld entgegennahm und auf das Konto einzahlte, gibt als Zeuge zu Protokoll, dass die Stiefmutter die ganze Zeit mit am Banktresen stand, nicht erst zum Schluss. Ob das Geld ein Geschenk sein sollte, dazu kann er allerdings nichts sagen.

Schwierige Familienverhältnisse

Unter den Befragungen des Richters und des Dresdner Rechtsanwalts Torsten Finze entsteht ein Bild schwieriger Familienverhältnisse. "Es gab immer Streit zwischen ihr und meinem Vater", erzählt die Stieftochter. Sie habe ihre Stiefmutter oft vor ihrem bösen Vater beschützen müssen.

Ein leiblicher Sohn habe sich von der Stiefmutter losgesagt, der zweite habe sich ihr nach einer Anwaltsverfügung nicht mehr nähern dürfen. Als Grund, warum die Stiefmutter ihr das Geld geschenkt haben soll, gibt die Stieftochter an: "Weil mein Vater damit drohte, es an ein Tierheim zu spenden."

Richter sieht Untreue als gegeben an

Ihre Schwester und ihre Schwägerin bestätigen ihre Version der Geschichte. "Ich bin der Meinung, dass ich nichts falsch gemacht habe und die Frau immer beschützt habe", sagt die Stieftochter.

Richter Mansch verurteilt die Angeklagte schließlich jedoch wegen Untreue: "Das Gericht geht nicht davon aus, dass es eine Schenkung war", sagt er: "Der strafrechtliche Moment entstand, als das Geld nicht mehr auf dem Konto war."

Sie hätte ihrer Stiefmutter einen Vermögensverlust größeren Ausmaßes zugefügt, allerdings die Hälfte durch den Vergleich zurückgezahlt. "Deshalb bleibe ich nahe am Mindeststrafmaß", sagt Mansch. Das ist eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt auf Bewährung. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

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