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Freitaler erreicht Blutspende-Rekord

Lars Tschirner hing zum 111. Mal an der Nadel. Das Rote Kreuz sucht vermehrt Spender, denn es gibt ein Altersproblem.

Von Annett Heyse
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Lars Tschirner spendet zum 111. Mal Blut. Seit 30 Jahren ist er Spender und hilft auch vor Ort im Freitaler Spendenlokal.
Lars Tschirner spendet zum 111. Mal Blut. Seit 30 Jahren ist er Spender und hilft auch vor Ort im Freitaler Spendenlokal. © Karl-Ludwig Oberthür

Ein kleiner Piks in die Armbeuge und sofort läuft es dunkelrot durch den Schlauch. Der Kunststoffbeutel, der auf einer Waage liegt, füllt sich. Nur wenige Minuten dauert es, dann piept das Gerät - ein halber Liter Blut ist zusammengekommen. Insgesamt 111-mal hat der Freitaler Lars Tschirner die Prozedur schon über sich ergehen lassen.

Eine seltene Zahl, denn nur wenige Blutspender sind so lange und regelmäßig dabei. "Das ist schon etwas Besonderes", bestätigt Heiko Horn vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes.

111 Spenden - dahinter stehen 30 Jahre als Spender und 55,5 Liter Blut. Tschirner war 18, als er erstmals eine Blutkonserve abgab. Das war im September 1990. "Schon mein Vater ging regelmäßig zur Blutspende" berichtet er. Ohnehin war er dem Deutschen Roten Kreuz als Mitglied bei der DRK-Wasserwacht verbunden. So sei es keine Frage gewesen, sich immer wieder als Spender anzubieten.

Eine Spende hilft bis zu drei Menschen

Männer können bis zu sechsmal und Frauen bis zu viermal jährlich zur Spende gehen. "Ich bin immer schön am Rhythmus drangeblieben", sagt Tschirner. So füllten sich die typisch gelben Blutspendepässe allmählich. Sieben Stück voller Stempel hat er gesammelt, bevor das DRK auf das heutige System mit den Plastikkärtchen umstellte. Nach der 100. Spende bekam Tschirner eine Goldene Karte zugeschickt.

Doch es geht ihm nicht um die Belohnung. Ihm ist es ein Bedürfnis zu helfen. Jede Spende - abgenommen wird jeweils ein halber Liter - wird in seine Bestandteile zerlegt und zu drei verschiedenen Präparaten aufgearbeitet.

Die roten Blutkörperchen werden als Blutkonserven zum Beispiel bei Operationen eingesetzt. Das Plasma und die Blutblättchen werden beispielsweise bei der Therapie von Krebspatienten benötigt. "Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden", erklärt Kerstin Schweiger, Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes.

Für Lars Tschirner ist das ein motivierender Gedanke. "111 Spenden - damit habe ich mehr als 300 Menschen geholfen, gesund zu werden, oder ihnen sogar das Leben gerettet. Das ist doch toll!"

Blutkonserven nur wenige Tage haltbar

Auch seitens des DRK ist die Freude über Spender wie den Freitaler Tschirner groß. Denn Blutkonserven sind nur bedingt haltbar, manche Präparate müssen innerhalb von fünf Tagen verbraucht sein. Zudem brauchen die Kliniken ständig Nachschub. "Allein in Sachsen werden wöchentlich 650 Spenden benötigt, um die Krankenhäuser gleichmäßig versorgen zu können", rechnet Kerstin Schweiger vor.

Das DRK hat deshalb ein dichtes Netz an Spendenaktionen über den Freistaat ausgebreitet. Im Landkreis gibt es im Schnitt wöchentlich zwei bis drei Termine, so am Donnerstag, den 15. April am Gymnasium in Dippoldiswalde und am 29. April im Grumbacher Rathaus. An einem Spendennachmittag wie in Freital am vergangenen Montag kommen zwischen 14 und 19 Uhr etwa 45 bis 50 Spenden zusammen.

Erstaunlicherweise hat die Corona-Pandemie der Spenderbereitschaft keinen großen Abbruch getan. "Teilweise war der Andrang sogar größer, weil viele Leute zu Hause saßen und nichts zu tun hatten", berichtet DRK-Mann Horn.

Jüngere Spender gesucht

Das Problem sei eher gewesen, sagt auch Pressesprecherin Schweiger, dass man beim DRK aufgrund des Lockdowns vor viele neue Herausforderungen gestellt wurde. So mussten teils neue Spendenlokale gesucht werden und es gab schärfere Anforderungen an Hygieneregeln. All das war mit viel Aufwand für die oft ehrenamtlichen Helfer verbunden, der nur mithilfe der DRK-Ortsverbände gestemmt werden konnte.

Auch stellte das DRK um und verteilt nun Spendentermine. Übers Internet kann man sich vorher anmelden. Dennoch waren etliche Spender verunsichert, wie es überhaupt weitergeht. Schweiger: "Die Spendentermine finden wie gewohnt statt, da wir systemrelevant sind." Man habe alle Vorgänge an die Corona-Schutzvorschriften angepasst.

Unabhängig von der Pandemie gibt es ein weiteres Problem, dass sich in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Deutschland wird älter. Das bedeutet, die Nachfrage nach Blutkonserven steigt. Gleichzeitig fallen viele Spender aus wegen der Altersbegrenzung. Spenden darf man zwischen 18 und 73, dann ist Schluss.

In Sachsen liegt das Durchschnittsalter der Spender bei knapp 47 Jahren, die Erstspender sind im Schnitt 33 Jahre alt. Schweiger: "Wir freuen uns über jeden jungen Spender."

Wenige Minuten für einen guten Zweck

Der Aufwand ist vergleichsweise gering. Man sollte eine Stunde Zeit einplanen und in den Stunden davor ausreichend gegessen und getrunken haben. Zunächst bekommt jeder Spender einen Bogen mit Fragen zu Infektionskrankheiten, Suchtmittelkonsum und regelmäßiger Medikamenteneinnahme. Dann erfolgt die Registrierung zur Spende, bei der auch Körpertemperatur und Hämoglobinwert gemessen werden. Im Anschluss findet ein kurzes Arztgespräch statt, bevor es zur Spende geht. Die dauert nur wenige Minuten.

Ist der Blutbeutel voll und die Nadel aus dem Arm gezogen, empfiehlt es sich, noch ein bisschen auszuruhen und ausreichend zu trinken. Normalerweise bietet das DRK auch einen Imbiss vor Ort an, der nun aber wegen der Corona-Vorschriften ausfallen muss. Dafür gibt es als Dankeschön für jeden Spender ein kleines "Fresspaket" mit nach Hause.

Helfen kann also einfach sein, ist es aber offensichtlich nicht. Wie es beim DRK heißt, könnten 33 Prozent der Bevölkerung Blut spenden - sie seien gesundheitlich und vom Alter her dazu in der Lage. Tatsächlich aber ist die Zahl der Spender sehr gering: Nur drei Prozent der Deutschen spenden Blut.

Informationen rund ums Thema Blutspenden und alle Termine unter www.drk-blutspende.de

Die nächsten Spendentermine: 15. April Gymnasium Dipps, 29. April Rathaus Grumbach, 7. Mai Schule Bannewitz, 10. Mai Parksäle Dippoldiswalde, 11. Mai Kuppelhalle Tharandt - jeweils von 15 bis 19 Uhr, mit Terminreservierung

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