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Letzter Einkauf vor dem Lockdown

Am Sonnabend war die letzte Chance, um in den Freitaler und Dippoldiswalder Geschäften nach Weihnachtsgeschenken zu forschen. Wie wurde sie genutzt?

Der letzte Einkaufstag passte perfekt in die Weihnachtsplanung der Familie Haubold: "Der Großeinkauf eine Woche vor Weihnachten ist Tradition."
Der letzte Einkaufstag passte perfekt in die Weihnachtsplanung der Familie Haubold: "Der Großeinkauf eine Woche vor Weihnachten ist Tradition." © Karl-Ludwig Oberthür

Seit Sonnenaufgang ist der Himmel immer grauer geworden. Dünner Regen verbündet sich mit den Lockdown-Beschlüssen Sachsens: Auch wenn am Sonnabend noch eine Gnadenfrist lang der Einzelhandel handeln darf, verlockt das Wetter nicht dazu, die Wohnung zu verlassen.

Doch der Freitaler Wochenmarkt auf dem Neumarkt ist trotzdem gut besucht - gerade so, dass die Händler genug zu tun haben, sich aber niemand sorgen muss, dass die Menschen sich zu nahe kommen. Marktleiter Detlev Biering von der Deutschen Marktgilde ist ganz zufrieden: "Am Freitag war ich auf dem Lingnermarkt in Dresden, der war wie leergefegt. Die Leute hat's alle in die Geschäfte der Innenstadt gezogen."

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Ramona und Steffen Merboth aus Waldkirchen haben Glück: Ihre Seifen gelten als Drogeriewaren und zählen damit zum täglichen Bedarf.
Ramona und Steffen Merboth aus Waldkirchen haben Glück: Ihre Seifen gelten als Drogeriewaren und zählen damit zum täglichen Bedarf. © Karl-Ludwig Oberthür

Zwar fällt das Hauptangebot der Wochenmärke - Lebensmittel und Drogerieartikel - unter jene "Geschäfte des täglichen Bedarfs", die auch im Lockdown weiter geöffnet bleiben dürfen. Doch der Freitaler Wochenmarkt stellte am Sonnabend ganz regulär das letzte Mal für dieses Jahr seine Stände auf.

Wochen- statt Weihnachtsmarkt

"Normalerweise wären wir jetzt auf dem Weihnachtsmarkt in Aue", sagt Ramona Merboth aus Grünhainichen, die mit ihrem Mann Schafsmilch-Seifen, Kerzen, Räucherkerzen und Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge verkauft: "Die Wochenmärkte haben uns jetzt gerettet."

Ihr Mann erklärt derweil einer Kundin die vielen Seifensorten: "Bei Entzündungen hilft die mit Tonerde, die mit Schwarzkümmel wehrt Zecken ab, die Seifen aus Schafsmilch sind sehr fettig - da trocknet die Haut nicht so aus."

Genau, was die Kundin gesucht hat: "Ich bin derzeit nur am Stricken. Normalerweise mache ich dreimal die Woche Sport, aber alleine will ich nicht durch den Wald laufen." Den Markt besucht sie, weil sie viele Händler schon lange kennt und ein paar Worte mit ihnen wechseln kann.

Der Freitaler Wochenmarkt war zu seinem letzten regulären öffnungstag dieses Jahr gut besucht.
Der Freitaler Wochenmarkt war zu seinem letzten regulären öffnungstag dieses Jahr gut besucht. © Karl-Ludwig Oberthür

In einer Zeit ohne Weihnachtsmärke bekommt auch das Wochenmarkttreiben trotz Nieselregens langsam ein wenig festliches Flair: "Netterweise hat die Stadt eine Pyramide aufgestellt", sagt Gregor Herrmann von "Fannis Käseboutique". Zusammen mit den doch etwas geschmückten Ständen ergäbe das schon ein bisschen weihnachtliche Stimmung.

Ein Ehepaar ruft ihm schon von weitem Grüße zu. "Natürlich der Montaniolo", sagt die Frau, als sie näher ran sind: "und der Rotweinkäse muss auch sein." Sie seien Stammkunden, würden nur hier ihren Käse kaufen.

Ganz entspannt im Weißeritz Park

Am anderen Ende Freitals lässt der Parkplatz des Weißeritz Parks auf Gedränge im Einkaufscenter schließen. Doch auf den Gängen zwischen den Läden ist jede Menge Platz: "Wir sind eigentlich nur hier, weil ich dringend Bodys für den Kleinen brauchte", sagt Ulrike Wagner aus Freital. "Doch dann war es so entspannt hier, dass wir gleich noch zwei Geschenke gekauft haben." Geplant war das eigentlich nicht, aber jetzt sei sie froh, das alles erledigt ist.

Ulrike Wagner mit Tochter (6) und Sohn (1) konnte gleich alle Weihnachtseinkäufe erledigen.
Ulrike Wagner mit Tochter (6) und Sohn (1) konnte gleich alle Weihnachtseinkäufe erledigen. © Karl-Ludwig Oberthür

Planvoll ging es hingegen bei Mutter und Tochter Haubold zu: "Der Großeinkauf eine Woche vor Weihnachten ist Tradition", sagt Tochter Jette. "Ich arbeite in einer Bäckerei, da komme ich in den nächsten Tagen nicht raus aus der Backstube."

"Wir werden zu fünft feiern", sagt ihre Mutter Claudia. "Da wollte ich vor der Ladenschließung schauen, was ich alles noch brauche." Sie breitet die Arme aus und fängt an zu lachen: "Dann habe ich schnell gemerkt: Ich brauche alles!"

Inzwischen ist noch Ursula Hartmann, eine Freundin, mit einem zweiten randvollen Einkaufswagen dazugekommen. "Ich habe auch noch für meine Mutter mit eingekauft. Die kommt mit ihren 81 Jahren nicht mehr raus", sagt sie. Das nächste Ziel der drei wird nun der Weihnachtsbaum-Verkaufsstand.

Die Weihnachtseinkäufe hatte Familie Werner schon erledigt. Doch dann ging der Wasserkocher kaputt.
Die Weihnachtseinkäufe hatte Familie Werner schon erledigt. Doch dann ging der Wasserkocher kaputt. © Karl-Ludwig Oberthuer

Marko Walter wiederum hat dieses Jahr schon einen Baum gekauft. "Normalerweise holen wir den Weihnachtsbaum erst am 23. Dezember", sagt er. "Aber unsere Jüngste ist in Quarantäne, weil ein Kind aus ihrem Hort positiv getestet wurde." Um sie zu beschäftigen und den langweiligen Alltag ein bisschen aufzupeppen, habe die Familie schon vor zwei Wochen den Baum aufgestellt und geschmückt.

"Um die Geschenke hat sich meine Frau gekümmert." Mit Sohn Mauricio ist er nur deshalb am Sonnabend noch einmal im Weißeritz Park, weil der Wasserkocher kaputt ging: "Weihnachten ohne Tee wollten wir uns nicht vorstellen."

Wie damals: Schlangen vor den Läden in Dipps

In Dippoldiswalde öffneten die Händler rund um den Markt am Sonnabend extra noch einmal bis 18 Uhr. Weil die Läden so klein sind, dürfen oft nur zwei bis drei Kunden auf einmal in den Laden. Draußen entsteht derweil ein Bild, das an alte Zeiten erinnert: Schlange stehen. Allerdings mit luftigen Abständen.

"Man will ja rücksichtsvoll sein und kauft im Laden ziemlich zielgenau, damit es schnell geht", sagt ein Mann in der Schlange vor Antje Bobes Buchladen "Bücherfreund" auf der Herrengasse. "Aber eigentlich ist es ja gerade schön, wenn man sich in so einem Laden verlieren kann und dieses und jenes entdeckt."

In Antje Bobes Buchhandlung "Bücherfreund" auf der Herrengasse in Dippoldiswalde durften sich maximal drei Kunden aufhalten. Draußen bildeten sich derweil Schlangen.
In Antje Bobes Buchhandlung "Bücherfreund" auf der Herrengasse in Dippoldiswalde durften sich maximal drei Kunden aufhalten. Draußen bildeten sich derweil Schlangen. © Karl-Ludwig Oberthür

Bestellungen und Absprachen sind weiterhin möglich

Auch die anderen Kunden wollen vor allem ihre Bestellungen abholen. "Das wird auch weiterhin möglich sein", sagt Antje Bobe. "Seit dem letzten Lockdown habe ich meinen Onlineshop auf Vordermann gebracht." Die Bestellungen kommen dann per Post. Auch für die, die mit Onlinebestellungen nichts anfangen können, würde sich in den nächsten Tagen noch eine Lösung finden lassen: "Immer anrufen! Ich kann ja auch mal was ausfahren."

Auch Bärbel Mayhoff vom Mode und Jeans-Geschäft auf dem Dippoldiswalder Markt wird ihre Türen nicht ganz schließen. "Unsere Telefonnummer steht im Schaufenster. Wenn jemand noch etwas im Hinterkopf hat, können wir das noch vorbeibringen. Auch Gutscheine können noch gekauft werden", sagt sie.

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Insgesamt, sagt auch Antje Bobe, wäre an den letzten drei Einkaufstagen so viel losgewesen wie in anderen Jahren am 22. und 23. Dezember. Die Händler seien den Dippoldiswaldern dankbar, dass sie bereit waren, den Einkaufsstress vorzuverlegen.

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