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Erpressung mit Nacktfotos bei Facebook

Eine Frau forderte von ihrem Ex-Mann viel Geld. Ihr neuer Ehemann soll ihr dabei geholfen haben. Die Frau ist bereits verurteilt. Jetzt stand er vor Gericht.

© dpa

Von Anne Schicht

Der 27-jährige Angeklagte sitzt ohne anwaltliche Vertretung im Gerichtssaal in Dippoldiswalde. Er sei unschuldig, will aber zunächst nichts zu seiner Verteidigung sagen, sondern sich erst alles anhören, was die Zeugen wissen, so der Kosovare auf Nachfrage von Richterin Daniela Höllrich-Wirth, ob er sich äußern wolle.

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Seine deutsche Ehefrau hatte ihren Ex-Mann, ebenfalls Kosovo-Albaner, mit Nacktfotos erpresst. Im Frühjahr 2016 waren beide zwar schon geschieden, haben sich jedoch regelmäßig getroffen. „Am Wochenende war sie immer da. Sie hatte auch einen Schlüssel zu meiner Wohnung“, erinnert sich der Ex-Ehemann im Zeugenstand. 

39.000 Euro für Nacktfotos bei Facebook gefordert

Eines Tages habe sie ihn angerufen und zunächst 35.000, dann 39.000 Euro von ihm gefordert. Er solle ihr das Geld in wenigen Tagen geben - sonst würde sie seiner Familie Nacktfotos von ihm zuschicken und zudem veröffentlichen. Er habe das nicht ernstgenommen, denn erstens hätte er gar kein Geld gehabt und zweitens wusste er nichts von irgendwelchen Nacktfotos. 

Doch dann habe ihn sein Bruder irgendwann gefragt, seit wann er auf Facebook sei. Verwundert antwortete er, er habe weder einen PC zu Hause noch sei sein Handy internetfähig. Ein Facebookprofil habe er nie erstellt. Da hat ihm sein Bruder gezeigt, dass mit seinem Namen ein Konto existiert, auf dem tatsächlich Nacktaufnahmen von ihm zu sehen waren.

Familie reagiert entsetzt - Facebook-Profil gelöscht

Seine Geschwister und seine Mutter hätten ihn empört gefragt, was mit ihm los sei und warum er solche Fotos von sich posten würde. „Das war nicht schön. Überhaupt nicht schön! Niemandem würde das gefallen", sagt er als Zeuge vor Gericht. Deshalb sei er dann zur Polizei gegangen und mit Hilfe seines Bruders habe er das Profil löschen können. 

Doch nur kurze Zeit später war wieder ein Profil mit seinem Namen online, dieses Mal mit Fotos von leichtbekleideten jungen Mädchen. Und er bekam wieder Anrufe von seiner Ex-Frau, wieder forderte sie das Geld. Später meldete sie sich mit Telefonnachrichten, sprach dabei albanisch und gab eine Kontoverbindung im Kosovo an, auf die er das geforderte Geld einzahlen sollte.

Ex-Frau wegen Erpressung verurteilt

Nun nahm die Polizei die Angelegenheit ernst und wurde aktiv. Die Ex-Frau wurde vor Gericht angeklagt und gestand im April 2018 die Erpressung. Die Frau wurde rechtskräftig verurteilt. Damals sagte sie, sie sei sauer auf ihren Ex-Ehemann gewesen, der habe sie in der Ehe schlecht behandelt und geschlagen. 

Ihr neuer Freund wiederum wurde 2016 aus Deutschland abgeschoben. Sicherlich habe das ihr Ex-Mann forciert, unterstellt sie. Ihr neuer Freund habe sie dann zu der Erpressung angestachelt. Inzwischen ist sie mit dem Mann verheiratet, der damals nicht angeklagt werden konnte: Er befand sich nicht in Deutschland.

Geldstrafe für Erpressungsversuch

Jetzt lebt der Kosovo-Albaner aber wieder in Freital und stand nun selbst vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde wegen des Erpressungsversuchs. Seine Ehefrau sagte nicht aus - sie machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Damit dürfen auch ihre Aussagen von vor zwei Jahren nicht verwendet werden. 

Akribisch wurden die technischen Details der Erpressungsnachrichten ausgewertet. Ein Polizeibeamter erklärte, welche aus Deutschland und welche aus dem Kosovo gesendet worden sind. Aus beiden Ländern wurde sich ins Facebookprofil eingeloggt und Nachrichten an den Geschädigten geschickt. Die Dolmetscherin schätzt ein, dass einige Nachrichten ein Muttersprachler und einige ein Ausländer geschrieben haben könnte.

Der Angeklagte habe sich an dem Erpressungsversuch beteiligt, das steht damit für den Staatsanwalt fest. Er plädiert für eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 23 Euro. Richterin Daniela Höllrich-Wirth hält dem Angeklagten zugute, dass er nicht vorbestraft ist. Sie verurteilt ihn zu 50 Tagessätzen zu je 15 Euro. 

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