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Quartiersmanagerin soll Geschäfte in Freital beleben

Anja Fischer stammt aus der Stadt. Nun möchte sie der Dresdner Straße ein neues Gesicht geben. Es gibt nur ein Problem.

Von Annett Heyse
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Anja Fischer stellt sich diese Tage bei den Gewerbetreibenden an der Dresdner Straße vor.
Anja Fischer stellt sich diese Tage bei den Gewerbetreibenden an der Dresdner Straße vor. © Egbert Kamprath

Schilder mit der Aufschrift "Laden zu vermieten", blinde Schaufensterscheiben - die Dresdner Straße gibt ein teilweise desolates Erscheinungsbild ab. Dabei war das einst Freitals Einkaufsmeile. Kaufhäuser, Modegeschäfte, Spielwarenhändler reihten sich aneinander. Kaum noch etwas davon ist übrig. Der klassische Einzelhandel ist an der Dresdner Straße regelrecht weggebrochen.

Doch es gibt Hoffnung und diese ruht auch auf den Schultern einer 38-Jährigen. Anja Fischer ist Freitals erste Quartiersmanagerin. Ihr Aufgabe ist es, die Ladengeschäfte an der Dresdner Straße zu erhalten, zu reanimieren und neue Angebote zu schaffen.

Experten für Stadtentwicklung

Wie das gelingen soll, beschreibt Fischer so: "Das Ziel ist es, Händler, soziale Akteure und Bürger zu vernetzen." Sie wolle Ansprechpartner sein und die Anlieger an der Dresdner Straße zusammenbringen. Helfen könnte ihr, dass sie selbst aus Freital stammt, hier zur Schule ging und immer noch in der Stadt lebt. Es gehe nun darum, neue Ideen umzusetzen und Initiativen zu unterstützen.

Klingt gut, aber es gibt ein Problem: Anja Fischer ist nicht für die gesamte Länge der Dresdner Straße zuständig, sondern nur für Deuben/Hainsberg. Der so am Boden liegende Stadtteil Potschappel wird nicht von der neuen Quartiersmanagerin profitieren.

Das hat einen Grund: Die Marketingexpertin ist nicht bei der Stadt angestellt, sondern bei der Stadtentwicklung GmbH in Dresden (Steg). Die Gesellschaft berät Freital seit vielen Jahren in Sachen Stadtumbau und Stadtentwicklung. So auch für das Förderprogramm "Lebendige Zentren", in das der Bereich etwa ab Freitaler Neumarkt bis zu den Ballsälen Coßmannsdorf aufgenommen wurde.

Viele Läden jetzt neu vermietet

Es ist ein Bereich, in dem in jüngster Zeit einige Gewerbetreibende aufgaben. Es verschwanden das Möbelhaus Friede, das Bekleidungshaus Deuben, der Suppenladen, die Videothek, ein Computerhandel samt Werkstatt. Ein Backwarenladen existierte nur kurzzeitig.

Viel Niedergang auf den wenigen Hundert Metern zwischen Poisentalstraße und Krönertstraße. Doch so trostlos sei das alles gar nicht, sagt Anja Fischer. "Wir haben an der Straße nach einem Ladengeschäft für unser neues Büro gesucht und nichts gefunden." Einige Geschäfte, die jetzt noch leer aussehen, würden in Kürze bezogen und eröffnet. Fischer: "Da passiert gerade richtig viel."

Fischer selbst hat sich nun auf der Dresdner Straße 283 eingerichtet, in der ehemaligen Kinderbücherei an der Ecke Krönertstraße.

Für sie ist nicht nur die Arbeitsstelle neu, sondern auch die Aufgabe. Anja Fischer ist Betriebswirtin und hat viele Jahre bei Sachsenmilch in der Marketingabteilung gearbeitet. Dort war sie unter anderem für den Veranstaltungsbereich zuständig. "Ich weiß also, wie man Menschen zusammenbringt."

Dresdner Straße im Umbruch

Genau darum geht es nun auch in Deuben. Denn zu befürchten ist: Den klassischen Einzelhandel mit Fachgeschäften wird es an der Dresdner Straße nie wieder geben, der ist längst weg. Die Corona-Pandemie hat die Lage verschärft und Kaufgewohnheiten noch schneller verändert.

Es existieren nur noch einige Händler, die aber richtig Gas geben, auch weil sie Lücken besetzen. Die Papeterie Knaur mit ihrem Schulranzenladen zum Beispiel.

Die vielen leergeräumten Geschäfte wurden dafür von anderen Branchen entdeckt. So gibt es an der Dresdner Straße in Deuben inzwischen mehr Versicherungsmakler, Parteibüros, Agenturen und Imbisse als Fachgeschäfte. Jüngst dazu gekommen ist der Anlaufpunkt eines neuen Vereins, der Kreativköpfe.

Anja Fischers erste Arbeitstage bestehen nun darin, sich bei allen vorzustellen sowie Probleme, Wünsche und Ideen zu sammeln. Daraus wird sie ein Konzept entwickeln, Veranstaltungen planen, gemeinsame Aktionen auf die Beine stellen. Es geht darum, die alte Geschäftsstraße neu zu denken und wieder mehr zum Anlaufpunkt zu machen.

Das Stadteilbüro befindet sich in der Dresdner Straße 283. Geöffnet ist dienstags von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr.