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Freital: Formreich sprechende Steinfiguren

Träumende, versonnene und lebenspralle Skulpturen vom Altmeister Dresdner Bildhauerkunst, Johannes Peschel, zeigt eine Ausstellung im Einnehmerhaus Freital.

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Johannes Peschel seit Längerem mal wieder eine Einzelausstellung und das im Freitaler Einnehmerhaus. Die Resonanz ist groß.
Johannes Peschel seit Längerem mal wieder eine Einzelausstellung und das im Freitaler Einnehmerhaus. Die Resonanz ist groß. © Egbert Kamprath

Von Lilli Vostry

Eine Dame aus Stein nimmt ein Sonnenbad am Fenster. Die Umrisse der aufblühenden Zweige scheinen durch die Jalousien herein. In den lichtdurchfluteten Räumen wirken auch die anderen Figuren noch heller, strahlender, passend zum Frühlingsbeginn. Ihre Formen und Gesichter sprechen ausdrucksreich mit dem Betrachter. Mal heiter, versonnen, offen, mal in sich versunken, allein und zu zweit, umhüllend, unverhüllt, prall, grazil und kantig.

Jede der „Skulpturen“ von Johannes Peschel erzählt eine besondere Geschichte, in Stein gemeißelt. Begegnen und lauschen können ihnen die Besucher in der am vergangenen Sonnabend mit viel Resonanz eröffneten Ausstellung des Künstlers und gut gefülltem Spendentopf für die Arbeit des Kunstvereins Freital im Einnehmerhaus auf der Dresdner Straße 2.

Retter der Steine

Die Arbeiten des „Altmeisters Dresdner Bildhauerkunst“, Johannes Peschel, Jahrgang 1931, so die Kunstwissenschaftlerin Karin Weber in ihrer Laudatio, sind an vielen öffentlichen Plätzen in Sachsen und auch in Brandenburg zu bestaunen. Inzwischen 92-jährig strahlt er immer noch eine unbändige Lebensfreude aus und sein Schaffensdrang ist ungebrochen.

Das "Liebespaar"
von Johannes Peschel.
Das "Liebespaar" von Johannes Peschel. © Egbert Kamprath
"Torso"
hat der Künstler diese Skulptur genannt.
"Torso" hat der Künstler diese Skulptur genannt. © Egbert Kamprath
"Der Maler Waldo Köhler"
ist auch in Freital zu sehen.
"Der Maler Waldo Köhler" ist auch in Freital zu sehen. © Egbert Kamprath

Johannes Peschel lebt mit seiner Frau Eva, die ebenfalls als Bildhauerin tätig ist, seit den 1980er-Jahren auf dem liebevoll ausgebauten Jungmichelhof in Omsewitz, wo auch zahlreiche seiner Figuren stehen. In seiner ersten Einzelausstellung seit Längerem zeigt Johannes Peschel Arbeiten aus vier Schaffensjahrzehnten, kleinere und größere Figuren, sitzende, stehende und liegende und Reliefs aus Sandstein und anderem Material, die neben- und miteinander wirken und mit dem Betrachter kommunizieren.

Mit zauberhaften, zarten und kraftvollen Violinenklängen brachte der Musiker Steffen Gaitzsch zur Ausstellungseröffnung die Steine „zum Klingen“. „Johannes Peschel liebt historische, behauene Steine mit eigener Geschichte, die nach Restaurierungsarbeiten einfach entsorgt werden sollten. Einige solcher Steine hat er mühsam gerettet, etwa Fensterrippen und genutzt für eigene skulpturale Erfindungen, wie in der Skulptur ,Aufsteigender'“, sagte Karin Weber zum Werk des Künstlers. Er sei auch ein herausragender Zeichner. Bis heute fertigt er Ideenskizzen an, nach denen die tönernen Modelle entstehen. Dann wird ein passender Stein gesucht.

Die Kunst Peschels erzähle von einer „tiefen Sehnsucht nach Harmonie, Poesie, als Vision, die Entzauberung der Welt aufzuheben, sinnlich, verinnerlicht als Metapher für ein Menschsein, das Himmel und Hölle einzuschließen vermag.“ Sein Interesse gelte den Archetypen des Lebens. Seine Werke entführen in Welten des Dazwischen, in denen Erlebtes, Erahntes, Erfühltes und Ertragenes spürbar wird, so Karin Weber.

Gesenkte Waffen in Freital

Johannes Peschel stammt aus Kamenz und lernte in der Steinmetzfirma seines Vaters. Danach war er als Bildhauerlehrling in der Werkstatt bei Werner Hempel in Dresden, der sein Förderer war. Von 1953 bis 1958 studierte Peschel an der Dresdner Kunsthochschule, Abteilung Plastik bei Prof. Walter Arnold. Außerdem arbeitete er bis 1958 an vielen denkmalpflegerischen Projekten mit. So brachte Peschel in einer wagemutigen Aktion die Krabben auf einem der Türme der Str. Afra-Kirche auf dem Burgberg in Meißen an, war gemeinsam mit Vinzenz Wanitschke und Egmar Ponndorf mit der Restaurierung am Altar der Frauenkirche und des Dresdner Schloss befasst.

Ende der 1980er-Jahre wurde ein Denkmal für die Helden der Sowjetarmee auf dem Platz der Jugend in Freital eingeweiht, das Peschel jedoch ohne heroisches Pathos schuf, das als Antikriegsdenkmal vielmehr Tod und Trauer zeigt und damit zeitlos berührend bis heute Bestand hat und mit gesenkten Waffen menschliche Friedfertigkeit anmahnt.

  • Midissage mit Zimmerkonzert am 29. April, 17 Uhr: Annette und Ulrich Thiem & Freunde sind mit „Bach & Blues“ zu Gast.
  • Finissage mit Künstlergespräch mit Johannes Peschel am 20. Mai, 15 Uhr, im Einnehmerhaus.
  • Geöffnet: Di. und Fr. 16 bis 18 Uhr, Do. und Sa. 10 bis 17 Uhr und So. 14 bis 17 Uhr;


www.kunstvereinfreital.de