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Bekommt Freital die Kita-Krise in den Griff?

Noch vor einem Jahr fehlten mehr als 300 Plätze. Nun gibt der verantwortliche Bürgermeister Entwarnung. Ist damit alles gut?

Von Annett Heyse
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Freitals Kitas sind gut ausgelastet, aber so eng wie im vergangenen Sommer wird es dieses Jahr nicht.
Freitals Kitas sind gut ausgelastet, aber so eng wie im vergangenen Sommer wird es dieses Jahr nicht. © Andreas Weihs

Es gibt auch noch gute Nachrichten in diesen Zeiten. In dem Fall kommen sie aus dem Deubener Rathaus, wo Freital Sozialbürgermeister Peter Pfitzenreiter sein Büro hat. Das Amt, zuständig unter anderem für die Vergabe der Kita-Plätze, war vor einem Jahr ein Krisenbereich.

Damals fehlten in Freitals Krippen und Kindergärten Plätze. Im Sommer hatte sich die Zahl der Familien, die eine Betreuung für ihre Jungen und Mädchen suchten, auf mehr als 300 summiert. Viele Eltern waren nicht nur verzweifelt, sondern auch erbost.

Nun gibt Pfitzenreiter Entwarnung. "Es gibt nur sechs Kinder mit Rechtsanspruch auf eine Betreuung, denen wir derzeit noch keinen Platz angeboten haben. Insgesamt gesehen stehen derzeit ausreichend Plätze zur Verfügung." Einige Eltern - die Rede ist von etwa 30 Fällen - hätten einen angebotenen Kitaplatz abgelehnt. Warum, ist unklar.

Bedarf ist deutlich gestiegen

Kürzlich legte der Sozialbürgermeister im Stadtrat die sogenannte Kitaplatz-Bedarfsplanung vor. Klingt kompliziert und ist es auch. Vereinfacht gesagt, ist es ein Rechenmodell, dass zunächst die Geburtenzahlen, Zuzüge und Wegzüge prognostiziert und im zweiten Schritt dann mit den zur Verfügung stehenden Plätzen abgleicht. Im dritten Schritt wird ausgerechnet, wie viele Plätze fehlen oder überschüssig sind.

Das Wort Prognose deutet schon an, dass die Bedarfsplanung viele Unbekannte enthält. Wie viele Kinder tatsächlich angemeldet werden, kann man schlecht auf Jahre im Voraus genau ausrechnen. Genau darüber war die Verwaltung Ende 2019 gestolpert. Plötzlich stellte man fest, dass es mehr Zuzüge nach Freital gab als angenommen. Zudem verweigerten angrenzenden Kommunen wie Dresden mitunter auswärtigen Kindern die Aufnahme in Einrichtungen der Landeshauptstadt.

Dazu kam eine höhere Anmeldequote, also mehr Freitaler Familien als geschätzt wollten einen Kitaplatz. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 meldeten nur 55 Prozent der Eltern ihren Nachwuchs für einen Krippenplatz an, mittlerweile sind es 97 Prozent. Einen Kindergartenplatz wiederum beanspruchten vor zehn Jahren 79 Prozent aller Familien, heute liegt die Anmeldequote bei 98 Prozent. In all den Jahren sind auch die Geburtenzahlen gestiegen.

Viel mehr Kita-Plätze als vor zehn Jahren

Dabei hatte die Stadt all die Jahre immer wieder in den Ausbau der Kitas investiert. So gab es 2011 etwas über 400 Krippenplätze und rund 1.300 Plätze in Kindergärten. 2020 waren es dann schon fast 700 Krippen- und mehr als 1.400 Kindergartenplätze. Es reichte dennoch nicht.

Dabei waren nicht unbedingt nur die zur Verfügung stehenden Räume in den einzelnen Häusern das Problem. Vor allem auch gab es deutliche Engpässe beim Personal. Altersabgänge und Kündigungen auf der einen Seite, zu wenig Neueinstellungen auf der anderen Seite potenzierten sich zur Fehlplanung noch dazu.

Außerdem war der Arbeitsmarkt leergefegt. Monatelang stand manche Stellenausschreibung der Stadt für Erzieher im Internet - ohne dass die Stellen tatsächlich besetzt werden konnten, weil es an geeigneten Bewerbern mangelte.

Defizit nur auf dem Papier

Inzwischen hat sich die Situation in Freital entspannt. Neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wurden eingestellt. Und es wurden weitere Plätze geschaffen. Zum Beispiel in Kleinnaundorf, wo in der alten Schule Kita-Gruppen untergebracht sind, was 40 zusätzliche Plätze brachte. Außerdem wurden in weiteren Kindergärten neue Gruppen eröffnet, nachdem dafür Personal gefunden wurde.

Dennoch steht in der Bedarfsplanung für dieses Jahr eine Zahl von 139 fehlenden Plätzen. Was bedeutet das? Nichts, heißt es aus dem Deubener Rathaus. "Das ist eine Prognose, die so nicht eintreffen wird", erklärt Pfitzenreiter. Im Gegenteil.

Man rechne zum Sommer hin kaum mit einem Defizit und habe mit dem Schuljahreswechsel dann wieder 80 Plätze in Kindergärten und 40 im Krippenbereich frei. Und das betreffe nur die städtischen Einrichtungen. Weitere freie Kapazitäten gibt es spätestens ab Anfang September bei den freien Trägern. "Wir haben an vielen Lösungen gearbeitet. Das sorgt für Entspannung."

Zwei Kita-Bauprojekte geplant

Noch mehr Entlastung sollen neue Kindergärten bringen. So haben an der Albert-Schweitzer-Straße, wo die Kita Storchenbrunnen steht, Bauarbeiten für ein zweites Haus begonnen. 101 Plätze entstehen hier, Eröffnung ist Mitte 2022.

Und die Stadt hat ein weiteres Projekt in der Schublade liegen. In Pesterwitz soll die Kita Märchenland um einen zusätzlichen Containerbau erweitert werden. Die Platzanzahl steht noch nicht fest, ist also noch flexibel und "werde dem Bedarf angepasst", wie Pfitzenreiter erläuterte. Insgesamt sind 5,1 Millionen Euro in beide Bauprojekte eingeplant.

In Hinterhand hat die Stadt zudem die Kita Willi in Potschappel. Das Gebäude an der Wilsdruffer Straße war bisher eine Kombination aus Kindergarten und Hort der Lessing-Grundschule. Das Schulhaus soll nun einen Anbau bekommen, auch um mehr Platz für die Hortkinder zu schaffen. Dann wiederum ständen im Willi mehr Räume für Kindergartengruppen zur Verfügung. "Ein konkretes Konzept gibt es da noch nicht, aber wir haben das im Blick", sagt Freitals Sozialbürgermeister dazu.

Kita-Auschuss schaut genau hin

Dem Frieden trauen können jedoch nicht alle. Lars Tschirner sitzt für die Bürger für Freital im Stadtrat und ärgert sich immer noch über die Kitaplatz-Krise vom vergangenen Sommer. "Das darf nicht noch mal passieren", sagt er. Auf seine Initiative hin wurde ein Kita-Ausschuss gegründet, in dem die Stadträte nun genauer auf jede kleinste Veränderung schauen wollen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass wir abermals solche Probleme bekommen."

Und das kann schnell gehen. Ab 2024 könnten die Kapazitäten nämlich schon wieder sinken. So ist damit zu rechnen, dass es aus Altersgründen dann weniger Tagesmütter gibt. Außerdem sind manche Kitas so verschlissen, dass sie schlicht vom Netz müssen. Das Märchenland Pesterwitz ist so ein Fall. Der jetzt stehende Containerbau ist in die Jahre gekommen, ein Abriss unumgänglich.

Es bleibt also Bewegung drin in Freitals Kita-Landschaft.

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