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Freital: Sachsens bester Wein kommt aus Pesterwitz

Bei der sächsischen Landesweinprämierung wurden drei Weine vom Gut Pesterwitz ausgezeichnet. Eine Jury-Entscheidung überrascht besonders.

Die Geschwister Daniel und Stefanie sowie Vater Lars Folde (v.l.n.r) betreiben gemeinsam das Gut Pesterwitz.
Die Geschwister Daniel und Stefanie sowie Vater Lars Folde (v.l.n.r) betreiben gemeinsam das Gut Pesterwitz. © Karl-Ludwig Oberthür

Dass seine Solaris Auslese aus dem Jahr 2020 den Ehrenpreis "bester Wein" bei der Landesweinprämierung gewinnt, damit hat Weinbauer Lars Folde eher weniger gerechnet. Denn eigentlich sind die Signatur-Sorten des Gut Pesterwitz der Müller-Thurgau und der Bacchus. "Diese beiden Sorten haben ähnliche Ansprüche und wachsen unter den Bedingungen, die auf unserem Weinberg herrschen, besonders gut", sagt Folde.

Dass sich Lars Folde dennoch dazu entschieden hat, seinen Solaris für die Prämierung einzureichen, liegt an den besonderen Wetterbedingungen des vergangenen Jahres. Er erklärt: "2020 hatten wir, wie auch schon im Vorjahr, einen sehr heißen Sommer mit wenig Regen. Das ist ideal für süßen Wein."

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Dass die Qualität des Weines sehr gut ist, wusste Folde zudem durch die Kontrolle, die alle Weinsorten aus Pesterwitz durchlaufen. Er sagt: "Sie werden sowohl von einem Labor als auch von einer Kommission überprüft und mit Punkten bewertet. Wenn die Ergebnisse entsprechend gut sind, reichen wir die Weine zur Prämierung ein."

"Wir sind mehr oder weniger Quereinsteiger"

Neben dem Solaris hatte Folde auch die 2020er-Jahrgänge seiner Signatur-Sorten Müller-Thurgau und Bacchus eingereicht. Beide Weine wurden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Insgesamt haben bei der Landesweinprämierung am Dienstagabend 83 Weine aus Sachsen eine Bronze-, Silber- oder Goldmedaillen erhalten.

Zwar gewinnen die Pesterwitzer Weine immer wieder Medaillen, aber drei solche Preise auf einmal, sind schon etwas Besonderes. "Uns ist bewusst, dass so etwas bei einem kleinen Betrieb wie unserem nur selten vorkommt. Dementsprechend stolz und glücklich sind wir."

Dass Lars Folde immer relativ junge Weine einreicht, hat damit zu tun, dass seine Sorten darauf ausgelegt sind, recht schnell getrunken zu werden. "Dass Wein mit jedem Jahr Lagerung besser wird, ist ein Irrglaube. Bei schweren Rotweinen ist es durchaus richtig, dass die erst mit den Jahren ihr ganzes Aroma entfalten. Unsere Weißweine schmecken aber am besten, wenn man sie rasch öffnet." Wer also jetzt einen 2020er Jahrgang vom Gut Pesterwitz kauft, der sollte ihn laut Folde in den nächsten zwei bis drei Jahren trinken.

Lars Folde und sein Sohn Daniel Folde sind beide keine gelernten Weinbauer. "Wir sind mehr oder weniger Quereinsteiger." Allerdings hat der Familienbetrieb mittlerweile schon einige Jahre Erfahrung. "Wir haben den Weinberg in Pesterwitz bereits 1998 übernommen. Außerdem bin ich froh, dass mein Sohn Daniel Obstbaumeister ist", sagt der Landwirt. Denn laut Lars Folde haben Wein- und Obstbau durchaus viele Gemeinsamkeiten.

Bei der Auswahl der angebauten Sorten spielt vor allem die Lage des Weinbergs eine Rolle. "Hier bei uns ist es etwas kühler, weil unser Weinberg der höchste in Sachsen ist. Allerdings hat wirklich jede Anbaulage ihre Herausforderungen", erklärt Lars Folde.

Wie gut ein Wein am Ende schmeckt, das hängt von vielen Faktoren ab. Einige können die Weinbauern, Kellermeister und Winzer beeinflussen, andere nicht. "Viel hängt einfach vom Wetter ab. Wenn es zur falschen Zeit Frost hat oder hagelt, ist mitunter die ganze Ernte auf einmal im Eimer", so der Weinbauer.

Schlechte Trauben bedeuten schlechten Wein

Auf andere Faktoren kann man Einfluss nehmen. "Dieses Jahr haben wir fast schon zu viel Behang." Laut Folde leidet die Qualität des Weines, wenn die Reben zu viele Früchte tragen. "Deshalb entfernen wir einige, damit die Pflanze mehr Energie in die einzelne Beere stecken kann."

Nach der Lese bringt Folde die Trauben zu Weinkellereien. Dort werden die Früchte dann vom Kellermeister zu Wein vergoren. "Wir selbst haben keinen Weinkeller, sondern arbeiten dafür mit lokalen Weingütern zusammen", sagt Lars Folde. Der preisgekrönten Solaris stammt aus einer Zusammenarbeit mit dem Weingut "Drei Herren" in Radebeul, Müller-Thurgau und Bacchus mit dem Weingut der Familie Schuh bei Meißen.

Für einen Wein braucht es also das Geschick einer Reihe von Menschen. "Wenn ich als Weinbauer schlechte Trauben liefere, dann kann daraus selbst der beste Kellermeister keinen guten Wein machen." Außerdem weist Lars Folde auf die vielen Erntehelfer hin, ohne die es nicht möglich wäre, die Weintrauben mit der Hand zu lesen. "Bei denen möchte ich mich auf jeden Fall auch bedanken."

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Für die Preisverleihung im Weingut Hoflößnitz hat die Familie Folde extra ihren Urlaub verschoben. "Die Veranstaltung ist einfach schön, weil man sich da auch mit den anderen Weinbauern und Winzern austauschen kann. Denn obwohl wir Konkurrenten sind, hilft man sich gegenseitig sowohl mit Fachwissen als auch mit Maschinen aus."

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