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Friedhof in Freital soll Parkanlage werden

Hohe Bäume, viel Grün, ruhig gelegen: Die alte Grabstätte in Freital-Pesterwitz hat alles, was Spaziergänger sich wünschen. Nur eines fehlte bisher.

Drei Männer, ein Plan: Ortsvorsteher Wolfgang Schneider (Mitte), sein Vize Jürgen Schaufuß, und Freitals Bürgermeister Uwe Rumberg.
Drei Männer, ein Plan: Ortsvorsteher Wolfgang Schneider (Mitte), sein Vize Jürgen Schaufuß, und Freitals Bürgermeister Uwe Rumberg. © Karl-Ludwig Oberthür

Das alte Tor sieht stark mitgenommen aus, aber es quietscht nicht, als Wolfgang Schneider es öffnet. "Herzlich willkommen", sagt der Pesterwitzer Ortsvorsteher und geht gleich mal voran. Weit kommt er nicht. Schon nach wenigen Metern breitet sich vor ihm eine Wildnis aus Brombeerbüschen, Efeu und Bäumen aller Art aus. Der Neue Friedhof in Pesterwitz ist unübersehbar völlig vernachlässigt. Doch das soll sich ändern.

Kürzlich hat Ortsvorsteher Schneider, der auch im Freitaler Stadtrat sitzt, dort einen Antrag eingebracht. Der Neue Friedhof von Pesterwitz, von der Kirche schon vor Langem aufgegeben, solle eine Parkanlage werden. "Die Idee gibt es mindestens seit 2015. Nun soll es werden", freut sich Wolfgang Schneider.

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Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg, der neben ihm steht, nickt dazu und deutet an, dass in den vergangenen Wochen etliche Gespräche geführt wurden. Kurz vor dem Haushaltsbeschluss des Stadtrats schaffte es das Projekt noch in den Investitionsplan 2021/22. "Die Stadt möchte das Grundstück kaufen und als Parkanlage erschließen", verspricht Rumberg.

Grundschüler pflegen Beger-Grab

Der Friedhof am Ende des heutigen Parkwegs wurde angelegt, als es auf dem Gottesacker der Pesterwitzer Kirchgemeinde zu eng wurde. 1897 wurde er als "Neuer Friedhof" geweiht. "Dölzschener Gutsbesitzer waren mit die ersten, deren Angehörige dort die letzte Ruhe fanden", schrieb Ortschronist Eberhard Kammer in einem SZ-Artikel 2003.

Auch Mitglieder der Familie Beger, bekannt für ihre über dem Plauenschen Grund thronenden Begerburg, wurden hier beigesetzt. Ihre Grabstätte ist eine der wenigen, welche recht gut erhalten blieb. Sie befindet sich nahe dem Eingang und wird von Grundschülern aus Pesterwitz gepflegt. Im Rahmen des Projektes "Pegasus - Schulen adoptieren Denkmale" haben die Mädchen und Jungen das eingezäunte Geviert aufgeräumt, Wildwuchs beseitigt und die Grabstätte bepflanzt.

Schüler der Grundschule Pesterwitz pflegen gemeinsam mit Direktorin (Mitte) das Beger-Grab auf dem ehemaligen Friedhof.
Schüler der Grundschule Pesterwitz pflegen gemeinsam mit Direktorin (Mitte) das Beger-Grab auf dem ehemaligen Friedhof. © Karl-Ludwig Oberthür

Dabei half auch die Freitaler Projektentwicklung FPE. Dem städtischen Unternehmen gehört der Friedhof derzeit. Ins Eigentum der FPE kam das etwa 6.000 Quadratmeter große Gelände in den Neunzigerjahren. Das damals noch als Pesterwitzer Projektentwicklung firmierende Unternehmen erwarb den Friedhof im Zuge eines Grundstückstausches von der Kirchgemeinde. Da war der Gottesacker längst aufgelassen, also stillgelegt.

Riesiger Rhododendron soll bleiben

Die Stadt wird das Gelände nun übernehmen. Grobe Pläne, wie der Park zukünftig aussehen soll, gibt es schon. Im nächsten Schritt, sagt Rumberg, werde man ein Büro beauftragen, die Pläne in Absprache mit dem Ortschaftsrat zu verfeinern.

Die großen Bäume - alte Linden, Kastanien, Buchen aber auch die friedhofstypischen Lebensbäume - sollen weitestgehend stehen bleiben, erläutern Wolfgang Schneider und sein Vize Jürgen Schaufuß. "Die alten Wege wollen wir freilegen und die Achsen wieder herstellen", sagt Schneider. Neben dem Tor am Parkweg sollen weitere Zugänge aus Richtung Sportplatz und aus Richtung Kita-Spielplatz angelegt werden. Grabsteine und Grabeinfassungen, soweit noch vorhanden, sollen in die Gestaltung des Parks einbezogen werden.

Ganz wichtig ist den Pesterwitzern, einen riesigen Rhododendron, der wohl inzwischen einen Durchmesser von fast zehn Meter erreicht hat, zu schützen. Schaufuß: "Der blüht in jedem Frühling violett, es ist eine wahre Pracht."

Die alten Grabeinfassungen und Platten sollen in die Neugestaltung des Friedhofparks integriert werden.
Die alten Grabeinfassungen und Platten sollen in die Neugestaltung des Friedhofparks integriert werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Kita-Neubau kommt später

Pesterwitz kann jedes Grün dringend gebrauchen. Obwohl locker bebaut, fehlt direkt im Ort eine grüne Oase. Viele Straßen haben keine Bäume und wenn doch, sind sie oft nicht allzu groß. Gerade in den vergangenen Hitzesommern machte sich das Fehlen von schattigen Plätzen bemerkbar.

Der Park auf dem ehemaligen Friedhof könnte all das bieten. Weshalb das Projekt trotzdem so lange in der Schublade lag, hat einen simplen Grund: Es fehlte das Geld. Beinahe hätte die Anlage noch länger im Dornröschenschlaf geschlummert. Denn erst in den letzten Verhandlungsrunden zum Haushalt gelang es, doch noch eine Finanzierung zu finden.

Die vier Millionen Euro, die eigentlich in den Pesterwitzer Kita-Neubau fließen sollten, werden erst einmal nicht gebraucht. "Wir stellen den Neubau zurück, bauen erst einmal eine günstigere Containerlösung hin und schaffen so kurzfristig viele neue Plätze", erläutert der Oberbürgermeister. Anschließend wolle man die Entwicklung der Geburtenzahlen beobachten. Gehen sie weiter nach oben, werde man nach 2024 das Neubauprojekt umsetzen. Das jetzt frei werdende Geld fließe unter anderem in den Friedhofspark.

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