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Neuer Funkmast: Erst Proteste, dann Desinteresse

Nahe der Wurgwitzer Salbeifelder in Freital wird eine neue Mobilfunkanlage für 5G gebaut. Nach einer Unterschriftsammlung verpufft plötzlich der Widerstand.

Kühe, Streuobstwiese und mittendrin ein 35 Meter hoher Stahlgittermast: Mobilfunkanbieter O2 investiert in sein Netz.
Kühe, Streuobstwiese und mittendrin ein 35 Meter hoher Stahlgittermast: Mobilfunkanbieter O2 investiert in sein Netz. © Karl-Ludwig Oberthür

Schon von Weitem ist der Metallmast zu erkennen. Nähert man sich, landet man schnell in Freitals ländlicher Idylle: Kühe grasen auf den Weiden, am Wegesrand stehen alte Streuobstbäume, weiter bergauf beginnen die Salbeifelder von Bombastus. Und mittendrin der Mast. 35 Meter hoch, sollen dort demnächst Antennen für den Mobilfunk der nächsten Generation installiert werden. 5G heißt die Technik und für manche klingt das wohl so ähnlich wie das derzeit viel zitierte 3G. Nur ohne Corona, aber trotzdem irgendwie gefährlich.

Und so war es nicht überraschend, dass erst Halbwissen und wenig später eine Unterschriftensammlung in Wurgwitz kursierte, als Ende März im Freitaler Amtsblatt eine amtliche Bekanntmachung erfolgte. "Baugenehmigung für das Vorhaben Errichtung Stahlgittermast für Mobilfunk" stand in der Betreffzeile.

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Häuser stehen weiter weg

Ortsvorsteherin Jutta Ebert erfuhr Wochen später von der Unruhe, die bezüglich des Funkmastes insbesondere in der Gemarkung Niederhermsdorf herrschte. Bis heute hat sie die Unterschriftenliste nicht persönlich zu Gesicht bekommen. "Ich kann nicht mal genau sagen, wie viele Menschen unterzeichnet haben." Mehr als 100 sollen es wohl auf jeden Fall gewesen sein, die gegen die Baugenehmigung protestierten.

Über die Initiatoren des Protestes ist auch wenig bekannt. Anwohner sollen es gewesen sein. Anwohner? Der Mast steht auf dem Gartengrundstück eines älteren Ehepaares, das auch in dem nahe gelegenen einzigen Hof in dem Gebiet wohnt. Zwischen dem Mast und dem Gehöft liegen noch ein Fahrweg, Lagerhallen und Hühnerställe.

Dahinter erstreckt sich ein etwa 80 Meter breiter Baumgürtel in Richtung Niederhermsdorf, bevor das erste Nachbarwohnhaus beginnt. Die Bebauung an der Oberstraße liegt noch viel weiter weg.

Nur wenig Interesse an Infoveranstaltung

Die Ortsvorsteherin und die Stadtverwaltung Freital luden am Dienstagabend dennoch zu einer Informationsveranstaltung ein. Experten vom Bundesamt für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie waren vor Ort. Per Live-Stream zugeschaltet antworteten zudem Wissenschaftler vom Bundesamt für Strahlenschutz. Wer nicht da war: die Wurgwitzer. Nur etwa ein Dutzend Interessierte fanden den Weg ins Alfred-Damm-Heim.

Und wer da war, wollte sich nicht gegenüber der Presse äußern, schon gar nicht namentlich. Warum gibt es Bedenken? Keine Antwort. "Hat doch eh keinen Sinn. Es ist entschieden, dass das Ding gebaut wird", sagt dann einer, der in Niederhermsdorf lebt und nahe dem Funkmast Grünland bewirtschaftet.

Bau für Netz von O2

Gebaut wird tatsächlich schon. Der Mast wird für Telefonica errichtet. Das Unternehmen agiert in Deutschland unter dem Markennamen O2 und hat nach eigenen Angaben in der Bundesrepublik mehr als 45 Millionen Mobilfunkanschlüsse.

Dafür wird derzeit das Funknetz auf die neueste Generation umgerüstet. 5G ist schneller als die Vorgänger 2G und 4G, die Übertragung bietet mehr Kapazitäten, es können somit größere Datenmengen übertragen werden. Die Technik ist effizienter und verbraucht weniger Energie.

Aber ist sie auch unbedenklich? Genau daran haben einige Anrainer Zweifel. Oder sie sorgen sich zumindest. Bombastus zum Beispiel.

Anrainer fürchten Risiko

Der Hersteller von Naturheilmitteln baut in unmittelbarer Nähe Salbei an. "Das Problem ist, dass niemand genau sagen kann, welche Auswirkung solche Anlagen haben, wir aber am Ende das Risiko tragen müssen", sagt Bombastus-Vorstand Ulrich Brodkorb.

Die Experten ziehen sich auf unverfängliche Formulierungen zurück. "Einen schädlichen Einfluss elektromagnetischer Felder des Mobilfunks auf Tiere und Pflanzen konnte die Forschung bisher nicht nachweisen", informiert das Bundesverkehrsministerium in einer Broschüre. Wissenschaftliche Belege, dass die Strahlung zum Beispiel Insekten schädige, gebe es nicht.

Auch auf Pflanzen konnte bisher kein Einfluss beobachtet werden. "Wassermangel und Klimaerwärmung, jedoch nicht die Funkmasten, stressen unsere Wälder."

Zweiter Umzug für den Funkmast

Einen Funkmast gab es in Wurgwitz auch schon vorher. Erst befand er sich auf dem Dach der Grundschule "Am Albertschacht". Als die Schule vor fünf Jahren saniert wurde, zog die Anlage in ein Firmengelände unterhalb der Schule und damit dicht an die Wohnbebauung heran.

Dieser Standort sei damals nur provisorisch gewählt wurden, erklärt Thomas Lichtenberger von Telefonica. "Der Mast sollte dort nur so lange stehen, bis ein besserer Platz gefunden ist." Das sei nun der Fall.

Bisher steht der Mast in einem Firmengelände nahe der Wurgwitzer Grundschule. Der Standort liegt deutlich dichter an der Wohnbebauung.
Bisher steht der Mast in einem Firmengelände nahe der Wurgwitzer Grundschule. Der Standort liegt deutlich dichter an der Wohnbebauung. © Karl-Ludwig Oberthür

Weil der neue Mast viel höher steht und die Antennen auf dem Mast in 32 Meter Höhe installiert werden, deckt er bisherige Funklöcher besser ab. "Der Empfang zum Beispiel in Saalhausen ist derzeit nicht so gut, dies wird sich mit den neuen Antennen bessern", verspricht Lichtenberger. Noch vor Jahresende soll die Anlage in Betrieb gehen.

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Telefonica betreibt im Umkreis weitere Sendeanlagen für den Mobilfunk, so in Zauckerode und Pesterwitz sowie zwischen Kesselsdorf und Braunsdorf. Diese Anlagen scheinen allesamt unumstritten zu sein - wie wohl auch der neue Mast in Wurgwitz. "Wenn ich mir anschaue, wie viele Leute zur Informationsveranstaltung gekommen sind, dann scheint das Thema doch nicht so viele Anwohner zu bewegen", kommentiert Ortsvorsteherin Ebert.

Mehr Informationen im Internet unter www.deutschland-spricht-ueber-5g.de

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