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In Bannewitz soll Gewerbegebiet entstehen

Baustart ist frühestens im Sommer 2022. Doch schon bei den Planungen scheiden sich die Geister.

Hinter diesem Zaun an der Horkenstraße in Bannewitz soll ein neues Gewerbegebiet entstehen.
Hinter diesem Zaun an der Horkenstraße in Bannewitz soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. © Egbert Kamprath

Die alten Stallanlagen an der Horkenstraße in Bannewitz werden einem Gewerbegebiet weichen. So ist der Plan. Auf insgesamt 53.000 Quadratmetern soll ein Mischgebiet entstehen, mit Wohnungen und Gewerbe. Dabei hätten nicht nur bestehende Wohnhäuser Bestandsschutz, es könnten auch neue Wohnungen entstehen, die nicht mit dem Gewerbegebiet kollidieren.

Das Vorhaben hat Knut Haase kürzlich bei einer Bürgerversammlung vorgestellt. Er ist im Auftrag des Eigentümers, der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG, mit den Planungen beauftragt. Seit einem Jahr würden dafür Gespräche laufen. Nicht jedem gefällt das. Vor allem diejenigen, die in der Nähe wohnen, befürchten starke Belastungen.

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Knut Haase versicherte aber, dass lärm- und geruchsintensive Unternehmen wie Vergnügungsstätten, Tankstellen oder auch große Einkaufszentren und Logistikunternehmen nicht vorgesehen sind.

Dafür wären beispielsweise Forschungslabore, die 24 Stunden arbeiten, nicht ausgeschlossen. Bei den Immissionen halte man sich zudem an gesetzliche Vorgaben. Auch durch eine Einbahnstraßenregelung mit Einfahrt in östliche- und Ausfahrt in westliche Richtung von der Horkenstraße aus würden Belästigungen minimiert.

Gesamtes Gelände geht an einen Investor

Ingolf Schulze, Vorstandsvorsitzender der Vorgebirgs Agrar AG, geht von ganz unterschiedlichen Gewerken aus, die auf das Gebiet ziehen könnten, beispielsweise Landwirtschaft, Metallerzeugung, Maschinenbau, Kraftfahrzeugteile, Einzelhandel, aber auch Verwaltungen und Lagerhäuser. Für den Bannewitzer Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) zählt in erster Linie, dass alle Unternehmen, die sich dort ansiedeln, auch Steuern an die Gemeinde zahlen.

Ursprünglich, so Schulze, hatte die Vorgebirgs Agrar AG genau dort an der Horkenstraße eine Biogasanlage geplant. Das aber wäre am Genehmigungsverfahren gescheitert. Nun will die Aktiengesellschaft das gesamte Gelände an einen Investor verkaufen. Zum Verkaufsvertrag sei es aber noch nicht gekommen.

Pferdehalterin möchte gern bleiben

Der Investor soll die Fläche in Eigenregie vermarkten und Parzellen in einer Größe zwischen 2.000 und 5.000 Quadratmetern an klein- und mittelständische Unternehmen veräußern.

Zu groß für Ilona Prößdorf, die zwei der alten Stallgebäude auf dem Gelände für Pferdehaltung nutzt. "Ich habe hier elf eigene Ponys und 13 Pensionspferde von privaten Haltern", sagt sie. Einen entsprechenden befristeten Nutzungsvertrag hatte sie vergangenen Herbst mit der Vorgebirgs Agrar AG abgeschlossen. "Der kann jederzeit verlängert werden", sagt Vorstandschef Schulze.

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Gern würde Ilona Prößdorf, die vor ihrem Umzug nach Bannewitz ein Gangpferdezentrum in Oelsa aufgebaut hatte, am neuen Ort länger bleiben. "Ich möchte perspektivisch Reittouristik oder einen Ponyhof für Kinder aufbauen und dafür in die beiden von mir genutzten Ställe investieren", sagt sie. Das sei auch sehr gut mit dem Lebensraum seltener Tiere auf dem Gelände vereinbar.

Ihre finanziellen Möglichkeiten seien allerdings begrenzt. "Sie können sich bewerben", hatte Haase während der Bürgerversammlung zu ihr gesagt. Trotzdem sei die Hoffnung für sie sehr gering, sagt Prößdorf. Denn selbst 2.000 Quadratmeter könne sie sich nicht leisten. Trotzdem will sie dranbleiben und sich erkundigen, welche Möglichkeiten sie hat.

Fachgutachten zum Artenschutz

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Weder Haase noch Schulze werden ihr beim gegenwärtigen Stand der Planungen irgendwelche Zusagen machen. Größtes Problem für die weitere Projektentwicklung sei derzeit der Naturschutz, sagte Haase. "Im Rahmen des Bebauungs-Plan-Verfahrens wird dafür in einem Untersuchungszeitraum von zwölf Monaten, der im Oktober dieses Jahres endet, ein Fachgutachten erstellt", erklärte er in der Bürgerversammlung. Eine Fläche von 8.000 Quadratmetern, die nicht bebaut werden darf, ist für Ausgleichspflanzungen vorgesehen. "Im Sommer 2022 sollen das Bebauungs-Plan-Verfahren und die Änderung des Flächennutzungsplanes abgeschlossen sein", kündigt Haase an. Liegen alle Genehmigungen vor, könnte nächstes Jahr Baustart sein.

Noch hat Ilona Prößdorf also Zeit, für ihre Idee eines Reiterhofes ein Konzept zu erarbeiten. Vielleicht hat sie dann doch noch eine Chance, am Platz mit den nahe gelegenen Wiesen als Auslauffläche für die Pferde bleiben zu können.

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