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Helios-Kliniken: Wechsel in der Chefetage

Mit Hans-Joachim Florek geht ein deutschlandweit anerkannter Experte in den Ruhestand. Nachfolger Walid Ibrahim ist bereits in Freital - und begeistert.

Von Annett Heyse
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Zwei absolute Spezialisten unter sich: Hans-Joachim Florek (li.) geht in den Ruhestand, sein Nachfolger ist Walid Ibrahim.
Zwei absolute Spezialisten unter sich: Hans-Joachim Florek (li.) geht in den Ruhestand, sein Nachfolger ist Walid Ibrahim. © Egbert Kamprath

Wenn Platz an den Bürowänden wäre, könnte Hans-Joachim Florek sie mit zahlreichen Auszeichnungen, Zertifikaten und Top-Platzierungen in Ärzterankings tapezieren. Doch die Regale füllen den kleinen Raum so weit aus, dass es nur noch für einen Oldtimer-Kalender reichte. Für sein Hobby, alte Autos, hat der Chefarzt der Gefäßchirurgie in den Helios Kliniken Freital, Dippoldiswalde und Pirna bald viel Zeit.

Am 1. November verabschiedet er sich mit einem großen Ausstand in den Ruhestand. 72 ist er jetzt, schon vor Jahren hätte er regulär in Rente gehen können. "Rente", sagt er und schüttelt den Kopf. "Hört sich bei mir komisch an." Er fühle sich noch fit, stehe voll im Stoff, kenne die neuesten Entwicklungen in seinem Fachgebiet. Erst vor wenigen Tagen war er auf einem internationalen Kongress. "Der letzte meines Berufslebens." Er klingt ein bisschen wehmütig.

Hans-Joachim Florek richtet sich im Schreibtischstuhl auf, rückt den blütenweißen Kittel zurecht und sagt: "Ach was, irgendwann muss ich ja mal aufhören. Das gebietet die Vernunft." Und außerdem freue er sich auch auf mehr Zeit für seine Frau, gemeinsame Rad- und Wandertouren sowie die vier Enkelkinder.

Patienten kommen aus ganz Deutschland

Mit Hans-Joachim Florek, der jetzt zwölf Jahre in den drei Helios-Kliniken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Gefäßchirurgie leitete, geht eine Koryphäe. Der Arzt, der zuvor 34 Jahre am städtischen Klinikum Friedrichstadt war, davon die letzten 15 Jahre als Chefarzt, gehört zu den führenden Gefäßmedizinern Deutschlands.

Sein Spezialgebiet ist die Behandlung der Hauptschlagadern. Drohen diese zu platzen, müssen in mehrstündigen Operationen filigrane Stents in die erkrankten Gefäße eingefädelt werden. Es ist eine aufwendige Behandlung, bei der kostenintensive Materialien zum Einsatz kommen.

Und diese werden nicht an jedem Krankenhaus durchgeführt. Deshalb kommen die Patienten auch aus anderen Teilen Deutschlands nach Freital, um solche Operationen von Florek und seinem Team ausführen zu lassen.

Klinik Freital hat OP-Saal der jüngsten Generation

Seit 2019 wird im sogenannten Hybrid-OP-Saal operiert. Darin steht die modernste Röntgentechnik, die es auf dem Markt gibt. Der Röntgenroboter umkreist dabei den Patienten, nimmt Bilder im 3-D-Format auf und animiert diese farblich auf einen Monitor. Anhand dieser Aufnahmen erfolgt dann die Operation - zeitsparender, exakter und strahlungsärmer als bisher.

Lange stand ein solcher Hybrid-OP auf Floreks Wunschliste. Mehrmals klopfte er bei der Klinik-Leitung an, um die Geschäftsführung von der Notwendigkeit der Millionen-Investition zu überzeugen.

Es sind also große Fußstapfen, in die Walid Ibrahim treten muss. Der 42-Jährige ist Floreks Nachfolger und wird seit Anfang Oktober in Freital, Dippoldiswalde und Pirna eingearbeitet.

Chefarzt-Nachfolger spricht von Ehre

Ibrahim hat zuletzt in der Helios-Klinik in Bad Saarow gearbeitet, davor in Berlin. Als er die Ausschreibung für die Chefarztstelle in Freital sah, habe er gedacht: Das ist es, erzählt er. Auch Bad Saarow hat ein sogenanntes Aortenzentrum, Walid Ibrahim war dort leitender Oberarzt.

"Ich habe das gesamte Spektrum der Gefäßchirurgie gelernt, habe in Bad Saarow ein Team mit geleitet, junge Ärzte ausgebildet. Es ist mir trotzdem eine Ehre, jetzt in Freital die Nachfolge von Herrn Dr. Florek antreten zu dürfen", sagt er.

Seine ersten Eindrücke vom neuen Arbeitsplatz sind geradezu fantastisch. "Hier arbeiten gut ausgebildete Ärzte und Pflegefachkräfte, die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend, was für den Erfolg einer solchen Abteilung enorm wichtig ist."

Begeistert ist er auch von der Region. Ibrahim, der verheiratet ist und zwei kleine Kinder hat, wohnt mit seiner Familie nun in Dresden.

"Mir gefällt es hier sehr gut, ich mag die Landschaft und die Berge", sagt er mit Blick aus dem Bürofenster auf den herbstlich bunten Windberg. Auf den kann Walid Ibrahim nun öfters schauen: Am 1. November übernimmt er von Hans-Joachim Florek den Staffelstab.

Der bescheinigt seinem Nachfolger eine hohe Kompetenz. "Dr. Ibrahim kann alles, was ich auch kann. Einen Hybrid-OP kennt er bereits aus Bad Saarow. Und falls das Team doch mal einen Rat braucht - meine Handynummer ist ja hier bekannt."