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Künstlerin belebt Freitaler Fußgängerzone

Eva Bröer-Kuczera aus Tharandt zeigt in der Brückenstraße 22 in Deuben Bilder und Objekte. In der im April eröffneten Galerie wurde einst Obst und Gemüse verkauft.

Die Tharandter Künstlerin Eva Bröer-Kuczera mit einer ihrer „Amöben“ in der Galerie Brücke 22 in Freital-Deuben. Im Hintergrund zwei Reliefs aus Wachs.
Die Tharandter Künstlerin Eva Bröer-Kuczera mit einer ihrer „Amöben“ in der Galerie Brücke 22 in Freital-Deuben. Im Hintergrund zwei Reliefs aus Wachs. © Thomas Morgenroth

Im Eckgeschäft mit der Hausnummer 22 in der Brückenstraße in Deuben leben in diesen Tagen mehrere Amöben. Sie sind ungefähr einen halben Meter breit und sonnen sich mit ihren Tentakeln im Schaufenster. Es könnte sich dabei aber auch um Flöten handeln, jedenfalls sind genügend Löcher in den Körpern, die wiederum Schiffen ähneln. Eva Bröer-Kuczera hat sich für „Amöben“ entschieden, so heißen die keramischen Plastiken der Bildhauerin nun.

An solchen Formen arbeitet sich die Künstlerin aus Tharandt gerne ab. Sie baut Galeeren oder Ruderboote aus Schamotte, gelegentlich mit Holz ergänzt. „Mich interessiert die Bewegung“, sagt die 46-Jährige, die aus Nürnberg stammt und vor sechs Jahren über Dresden und Herzogswalde in die Forststadt kam. In Freital gibt sie in der vom Verein Soziokultur betriebenen Galerie einen Überblick über ihr Schaffen.

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Zur Vernissage war der Andrang groß, wegen der staatlichen Restriktionen feierten die Gäste vorwiegend draußen. Der Tharandter Küchenchor, in der Eva Bröer-Kuczera Mitglied ist, sang zur Freude der Anwohner in der ansonsten weitgehend toten einzigen Freitaler Fußgängerzone.

Dort kommt kaum einer vorbei, der nicht auf dem Weg von oder zu seiner Wohnung ist oder zum Verein Muskelkater will. Feste Öffnungszeiten gibt es deshalb nicht. Die Präsentation findet vorwiegend in den Glasfronten des einstigen Obst- und Gemüsegeschäftes statt, das lange Zeit leer stand und vermietet werden soll. Bis dahin gibt es dort Kunst. Den Anfang machten im April und Mai die Dresdner Malerin Karin Heyne und die Karsdorfer Bildhauerin Christa Donner, die nun Eva Bröer-Kuczera zu einer Ausstellung eingeladen hat.

Die Tharandterin studierte in Nürnberg freie Malerei und an der Hochschule für bildende Künste in Dresden Bildhauerei bei Martin Honert sowie bis 2004 Kunsttherapie bei Doris Titze. Seitdem arbeitet sie freischaffend. Seit 2018 ist sie zudem als Quereinsteigerin halbtags Grundschullehrerin in Hermsdorf im Erzgebirge – mit einem berufsbegleitenden Studium.

Das Lehramt, sagt Eva Bröer-Kuczera, die zwei Töchter im Alter von vier und zehn Jahren hat, sei ihre finanzielle Basis. „Da kann ich mich weitgehend frei meiner Kunst widmen“, sagt sie. Das Lehrerdasein sei aber keineswegs nur ein notwendiges Übel: „Ich habe daran meinen Spaß und lerne selbst noch von den Schülern.“

Etwas Spielerisches wohnt ihren Arbeiten tatsächlich inne, wenn sie zum Beispiel Türme aus Keramik baut. Sie stapelt spitze Hütchen übereinander, Zylinder oder Kugeln, die dann bis zu zwei Meter hoch in den Himmel ragen. Es sind architektonische Erkundungen, die mitunter in praktischen Gefäßen münden. Oder in der „Venusfalle“, einer Vase mit doppelsinnigem Boden. Eva Bröer-Kuczera baut außerdem Gewächse aus Ton und Holz oder formt wunderschöne Köpfe ihrer Kinder und der ihrer Nachbarin, die aus Kamerun stammt.

Eva Bröer-Kuczera arbeitet zudem mit Gips und oft und gern mit Wachs. Es entstehen durchscheinende Bilder, die sich derzeit in den Schaufenstern von beiden Seiten betrachten lassen, und Reliefs mit geschabten Spuren. Wer weiß, vielleicht stammen diese von ihren Amöben, wenn diese nachts Langeweile haben.

Bis 31.10., auf Anfrage,  Telefon 0162 4900358, 9. Oktober, 19 Uhr, Livemusik mit Filine Ulrich und Robin Redbreathed.

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