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Rotkopf Görg platzt aus allen Nähten

Das Denkmal auf Schloss Burgk in Freital erfährt eine Notsicherung. Das ist schwieriger als gedacht.

Dem Berggeist werden die Schuhe geputzt: Mirco Naumann von der Sandstrahltechnik Freital bereitet die Oberflächen für die Reparatur vor.
Dem Berggeist werden die Schuhe geputzt: Mirco Naumann von der Sandstrahltechnik Freital bereitet die Oberflächen für die Reparatur vor. © Thomas Morgenroth

Dem Berggeist werden die Schuhe geputzt. Die hatten es wohl auch nötig: Mirco Naumann jedenfalls, der in seinem Schutzanzug kaum zu erkennen ist, hält das Ende eines Druckluftschlauches auf die Füße des Zwerges und steht sofort in einer Wolke aus Staub. Der Freitaler legt mittels feinem Sand die Oberflächen frei, an Stellen, die zuvor mit gelbem Klebeband gekennzeichnet wurden. Es sind die Vorarbeiten für eine ungewöhnliche und dringend nötige Reparatur im Schlosspark Burgk.

Nicht nur der Berggeist, auch Rotkopf Görg platzt aus allen Nähten. Der sagenumwobene Geiger, der dem Hofe im Zauberschloss unter dem Windberg zum Tanz aufspielte, ist in die Jahre gekommen. Seit fast 160 Jahren hält er in Burgk einem Zwerg seinen Hut hin, um den Lohn für seine Fiedelei zu kassieren – dieser bedient ihn mit einer Schaufel voll glühender Kohlen.

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Diese Szene modellierte der Bildhauer Michael Arnold 1851 in Bad Kissingen. In der 1848 gegründeten Kunst- und Glockengießerei von Christoph Albert Bierling in Dresden wurde das Denkmal in Zink gegossen, die Einzelteile zusammengefügt, weiß getüncht und auf einer gusseisernen Platte befestigt. Diese wiederum steht auf einem Hügel aus Steinen als Symbol für das erzhaltige Innenleben des Windberges.

Einweihung zum 40. Hochzeitstag

Am 11. April 1862 weihte Baron Dathe von Burgk die Skulpturengruppe ein, wie Juliane Puls, Mitarbeiterin der Städtischen Sammlungen, herausgefunden hat. Anlass sind wohl zwei 40. Jahrestage gewesen: 1822 wird Carl Friedrich August Krebß von König Friedrich August I. in den sächsischen Adels- und Freiherrenstand erhoben und darf sich fortan Dathe von Burgk nennen. Im gleichen Jahr heiratet er zudem seine Marianne. Vielleicht war der „Görge“ tatsächlich ein Geschenk an seine Frau.

Seither jedenfalls erfreuen sich die sehr lebensnah wirkenden Figuren großer Beliebtheit bei den Besuchern des Schlosses. Hochzeitsgesellschaften lassen sich gern davor und dahinter ablichten. Kinder klettern darauf herum, hängen sich an die Arme, kriechen zwischen den Beinen durch. Das und der Zahn der Zeit haben deutliche Spuren hinterlassen. Überall reißen die Nahtstellen auf, mitunter sind die Schlitze bereits mehr als einen Zentimeter breit.

Eine Notsicherung sei schon lange fällig, sagt Direktor Rolf Günther, nur fehlte es bislang an einer geeigneten Firma, die sich für eine solche Reparatur Zeit nimmt. Die hat er jetzt in Niederhäslich auf der Poisentalstraße gefunden: Die Metallgestaltung E. Göhlert GmbH, im Volksmund „Kupferecke“ genannt, die mittlerweile mit dem internationalen Slogan „Metalworkers“ für sich wirbt. Die Aufgabe auf Schloss Burgk indes sei eher eine Art „Liebhaberei“, sagt Geschäftsführer Sascha Göhlert. Die sich als schwieriger herausstellen sollte, als anfangs gedacht.

Bein und Schuh mit Rissen: Bei Rotkopf Görg platzen die Nähte auf.
Bein und Schuh mit Rissen: Bei Rotkopf Görg platzen die Nähte auf. © Thomas Morgenroth
Auf der Geige stehen die Namen des Bildhauers und der Gießerei.
Auf der Geige stehen die Namen des Bildhauers und der Gießerei. © Thomas Morgenroth

Die zu flickenden Nähte wurden am Donnerstagvormittag von den Brüdern Mirco und Danny Naumann, die zusammen die Firma Sandstrahltechnik Freital sind, so vorbereitet, dass das blanke Metall zum Vorschein kam. Dachklempner Harald Kroker, seit 22 Jahren bei Göhlert angestellt und mit allen Wassern gewaschen, wollte die Spalten anschließend verlöten. An dieser Aufgabe ist er gescheitert.

„Wir haben drei Stunden an dreißig Zentimetern gehangen und festgestellt, dass es mit Löten nicht funktioniert“, sagt Sascha Göhlert. Wahrscheinlich sei das Material des Denkmals nicht dafür geeignet. Er will die Ritzen nun in der nächsten Woche mit einer Dichtmasse verschließen.

Ein Provisorium, das ist Günther klar. Der Direktor geht davon aus, dass nur eine zeitnahe denkmalgerechte Generalreparatur die Zinkskulptur retten kann. Aber das passiert mit Sicherheit nicht mehr in seiner Amtszeit. Rolf Günther geht Ende des Monats in den Ruhestand.

Wenigstens aber hat er dem Geiger Rotkopf Görg und dem Berggeist noch einmal gründlich die Schuhe putzen lassen.

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