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Das Fass auf dem Windberg

Der Edelbrand zum 100-jährigen Stadtgeburtstag reist durch Freital. Jetzt war er auf dem Höhepunkt. Angezapft wird er aber erst später.

Die "Windburgker" bringen das Fass mit dem Jubiläumsbrand "100 Jahre Freital" von Holger Stein (rechts) gemeinsam mit OB Uwe Rumberg (2.v.l.) auf den Windberg.
Die "Windburgker" bringen das Fass mit dem Jubiläumsbrand "100 Jahre Freital" von Holger Stein (rechts) gemeinsam mit OB Uwe Rumberg (2.v.l.) auf den Windberg. © Egbert Kamprath

Es ist nass. Nach mehreren Tagen Regen hängt die Feuchtigkeit schwer in der Luft, die Wolken fliegen tief. Doch als die kleine Gruppe der „Windburgker“ am Sonnabendvormittag das Fass zum hundertjährigen Stadtgeburtstag auf Freitals Hausberg bringt, gibt der Himmel den Blick frei auf die Stadt im Tal.

Der Oberbürgermeister hat sich auf den Weg gemacht, genauso wie Holger Stein. Der Fotograf aus Freital-Birkigt betreibt nebenbei auf seinem Hof eine kleine Brennerei - ganz legal, versteht sich. Zudem beschäftigt er sich seit Jahren mit alten Obstsorten und ist in und um Freital auf so mancher Wiese fündig geworden.

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So entstand die Idee, Obst aus allen Stadtteilen Freitals zu sammeln, zu destillieren und ein Cuvée herzustellen für den 100. Geburtstag der Stadt. Dieses ist nun fertig in zwei jeweils 50 Liter Fässern abgefüllt. Nun reisen diese Fässer 100 Tage lang durch Freital, auch im Büro von OB Uwe Rumberg standen sie schon, unangetastet. Jetzt machte eins der Fässer Station auf dem Windberg, mit 353 Metern über dem Meeresspiegel die offiziell höchste Erhebung der Stadt. Dorthin hatten es die „Windburgker“ gebracht, eine Akteursrunde von Bürgern aus Freital-Burgk.

„Eigentlich wollten wir gern eine öffentliche Wanderung mit dem Fass machen“, sagt Daniel Gliemann, einer der Initiatoren der Gruppe. „Doch die Corona-Beschränkungen ließen das nicht so richtig zu.“ Deshalb habe man sich entschieden in kleiner Runde, aber dennoch öffentlichkeitswirksam das Fass zu präsentieren.

„Eins müssen wir aber zugeben“, gesteht Gliemann. „Das Fass ist mit einer Sondergenehmigung mit dem Auto hierher gekommen.“ Es sei aufgrund des Wetters und der Schwere des Fasses zu gefährlich gewesen, die kostbare Ware zu schultern. „Wenn da einer ausrutscht, das können wir nicht verantworten.“ 

Edler Brand im schicken Fass: Im Glas ist eine Kostprobe von Holger Steins Obstbränden, aber noch nicht aus dem ganz besonderen Fass zum Hundertjährigen.
Edler Brand im schicken Fass: Im Glas ist eine Kostprobe von Holger Steins Obstbränden, aber noch nicht aus dem ganz besonderen Fass zum Hundertjährigen. © Egbert Kamprath

Kostbar ist die Ware in der Tat. Und schwer. 50 Liter Obstbrand im Eichenfass, noch dazu das Tragegestell. „Das kann man zu viert schon heben, aber nicht über lange Strecken und nicht über diesen matschigen Boden“, sagt Gliemann. Die Wanderung vom Windberg zum Schloss Burgk unternahmen die Herren trotzdem. Das Fass durfte fahren. Am Ziel wurden alle gemeinsam vom Bergbauverein Freital zünftig nach alter Tradition begrüßt. Der edle Brand in seinem schicken Fass kann nun im Eingangsbereich vom Schlosscafé Buddenhagen bewundert werden.

Aber auch dort gilt immer noch - es bleibt ungeöffnet. Die Zeit ist noch nicht reif. Gerade erst Anfang Oktober hat Freital seinen 99. Geburtstag gefeiert. Es dauert also noch ein bisschen bis zum Hundertjährigen. Die Wartezeit darauf haben sich die „Windburgker“ etwas verkürzt mit einer Besichtigung der alten Grubenlok „Dorothea“. Die Männer vom Bergbauverein hatten jede Menge dazu zu erzählen.

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Ein kleines bisschen seiner Zeit voraus war auch Holger Stein. Denn es gehörte schon etwas Weitblick dazu, die Aktion von der Frucht am Baum bis zum Schnaps im Fass rechtzeitig zu starten.

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