merken
PLUS Pirna

Senioren in der Betrugsfalle

Kriminelle haben im Freistaat 2019 über eine halbe Million Euro ergaunert. Auch in der Elbsandsteinregion wurden Frauen und Männer zu Opfern. So gehen die Täter vor.

Immer öfter werden Senioren Opfer von Telefon- und Trickbetrügern.
Immer öfter werden Senioren Opfer von Telefon- und Trickbetrügern. © dpa/Karl-Josef Hildenbrand (Symbolbild)

"Rate mal, wer hier spricht!" Mit Worten wie diesen melden sich Betrüger häufig bei ahnungslosen Senioren, um sie um ihr Erspartes zu bringen. Sachsenweit steigt die Zahl der Betrugsversuche, bei denen die Opfer in den meisten Fällen über 60 Jahre alt sind, laut Landeskriminalamt Sachsen seit mehreren Jahren kontinuierlich an - auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. 

Vor wenigen Tagen erhielt eine 94-Jährige in Pirna einen ominösen Anruf. Der Frau wurde per Telefon ein Gewinn von 39.000 Euro in Aussicht gestellt. Der Anrufer forderte sie jedoch auf, Internetgutscheine im Wert von 900 Euro zu kaufen. Diese wären eine Gebühr für die Auszahlung des Gewinns. Die Seniorin glaubte der Geschichte und begab sich daraufhin in einen Einkaufsmarkt, um die Gutscheine zu holen. Eine aufmerksame  Verkäuferin warnte die Seniorin jedoch vor der Betrugsmasche und verständigte die Polizei. An Geld kamen die Betrüger in diesem Fall nicht. Doch diese Geschichten gehen längst nicht immer so glimpflich aus.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Allein der sogenannte "Enkeltrick", bei dem sich die Täter zumeist per Telefon als Verwandte oder Angehörige ausgeben, führte in Sachsen in der ersten Hälfte des Jahres 2019 zu einem Schaden von über 250.000 Euro. Darüber informiert Kay Meier, Sprecher beim sächsischen Landeskriminalamt. Während 2015 noch rund 300 "Enkeltricks" im Freistaat registriert wurden, waren es im ersten Halbjahr 2019 bereits knapp 400 Fälle. 

Zahl der polizeilich bekannten "Enkeltricks" in Sachsen: jährlich mehr Vorfälle, jährlich mehr Beute.
Zahl der polizeilich bekannten "Enkeltricks" in Sachsen: jährlich mehr Vorfälle, jährlich mehr Beute. © Landeskriminalamt Sachsen

Warum Senioren willkommene Opfer sind

Die Täter machen sich die häufig mit steigendem Alter zunehmenden Schwächen der Menschen zunutze: Altersdemenz, Seh- und Hörschwäche oder Gehbehinderung. Viele Senioren seien zudem gutgläubig. Dabei sind laut Polizei Frauen statistisch gesehen anfälliger als Männer. "Etwa 71 Prozent der Geschädigten sind Frauen. Rund 67 Prozent aller Opfer sind 80 Jahre und älter", erklärt Kay Meier. 

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 807 Betrugsfälle in Sachsen zur Anzeige gebracht, von denen nur 44 erfolgreich verliefen. Dabei entstand ein Schaden von rund 588.000 Euro. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Dunkelziffer weit höher ist, da oft aus Scham keine Anzeige bei der Polizei erstattet wird.

Die Maschen der Betrüger

Die Täter oder Tätergruppen agieren meistens überregional. Ihre Methoden sind dabei vielfältig und perfide. Der Trickbetrug per Telefon umfasst sowohl den "Enkeltrick", als auch Schockanrufe sowie Anrufe durch angebliche Amtspersonen wie Polizisten. Oft  geben sich die Kriminellen auch als Handwerker aus oder locken mit angeblichen Gewinnen, informiert Meier.

Die Vorgehensweise ähnelt sich jeweils: Die Täter geben sich als Verwandte oder gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Geld. Der angebliche Grund: ein finanzieller Engpass. Bei sogenannten "Schockanrufen" wird ein Notfall, wie etwa ein Unfall, vorgetäuscht. Nicht selten werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe zusätzlich unter Druck gesetzt. Sobald das Opfer bereit ist, die geforderte Summe zu zahlen, kündigen die Betrüger einen Boten an, der das Geld abholt. Sollten die Betroffenen das Geld nicht bar im Haus haben, werden sie oft aufgefordert, schnellstmöglich zur Bank zu gehen und das Geld dort abzuheben, teilt die Polizei mit. Nicht selten wird das Telefonat an einen vermeintlichen Rechtsanwalt, Arzt oder Amtsmitarbeiter "weitergeleitet", der die Betroffenen weiter in Sicherheit wiegen soll.

Betrug vor der eigenen Haustür

Nicht nur per Telefon wird gern betrogen. Das Landeskriminalamt warnt außerdem vor dem sogenannten "Zettel-" oder "Wasserglastrick" an der Haustür. Unbekannte - meist in Zweierteams unterwegs - klingeln bei ihren Opfern und bitten um ein Glas Wasser oder einen Zettel, um für den Nachbarn eine Nachricht zu hinterlassen. Während das Opfer von einem der beiden abgelenkt wird, durchsucht der andere die Wohnung nach Wertgegenständen.

Laut Landeskriminalamt werden amtliche Geldzahlungen in Deutschland niemals telefonisch eingefordert und auch nicht bar ausgezahlt. Darunter fallen unter anderem Schadensersatz- und Geldforderungen sowie Behandlungskosten für Ärzte und Gerichtskosten. In solchen Fällen wird eine schriftliche Rechnung geschickt, welche dann bargeldlos beglichen werden kann.

Was die Polizei im Notfall rät

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich ein Anrufer nicht selbst mit seinem Namen meldet. Fordern Sie Anrufer stets dazu auf, ihren Namen selbst zu sagen.
  • Wenn sich vermeintliche Verwandte oder Bekannte melden, dann erfragen Sie Dinge, die nur richtige Familienangehörige oder Bekannte wissen können.
  • Geben Sie keine Informationen zu finanziellen oder familiären Verhältnissen.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. 
  • Fragen Sie den Anrufer, wo er sich gerade genau befindet, und notieren Sie die Telefonnummer im Display. Wird Ihnen eine Telefonnummer genannt, notieren Sie die Nummer, aber rufen nicht zurück.
  • Wenn der Anrufer Ihnen erzählt, dass ein Gericht oder die Polizei in die angebliche Notlage involviert sind, fragen Sie nach dem Aktenzeichen, welches Gericht es genau ist bzw. welche Polizeidienststelle es betrifft. Sagen Sie dem Anrufer, dass Sie bei diesen Institutionen nach dem Ihnen geschilderten Sachverhalt selbst nachfragen werden. Bei Geldforderungen für einen Verwandten, rufen Sie diese Person unter einer Ihnen bekannten Nummer zurück.
  • Übergeben Sie fremden Personen weder Bargeld noch Wertsachen.
  • Lassen Sie fremde Personen nicht in Ihre Wohnung oder in Ihr Haus.
  • Rufen Sie die Polizei über den Notruf 110 und erstatten Anzeige.

Banken sind auf Erkennung von Betrug geschult

Mitarbeiter der Ostsächsischen Sparkasse Dresden sind beispielsweise sensibilisiert und ausgebildet, um etwaige Betrugsversuche zu erkennen und zu verhindern, teilt das Unternehmen mit. Bei vermeintlichen Anrufen durch Bankmitarbeiter rät die Sparkasse, nach dem Namen des Anrufers zu fragen, aufzulegen und in der entsprechenden Filiale anzurufen, um sich dort zu erkundigen. Betroffene können ihre EC-Karte im Zweifel  sperren lassen. Das ist in der Filiale oder telefonisch über die Nummer 116 116 (aus dem Ausland +49 116 116) möglich.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Pirna