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Freitaler zeigt Polizisten an

Ein Polizeieinsatz in einer Gartensparte am Collmberg gerät aus Sicht des Betroffenen außer Kontrolle.

Klaus Schultz fühlt sich von einem Polizisten brutal behandelt und hat Anzeige erstattet.
Klaus Schultz fühlt sich von einem Polizisten brutal behandelt und hat Anzeige erstattet. © Karl-Ludwig Oberthür

Ein Fahrweg führt den Berg hinauf, dann geht es links ab und gleich wieder rechts. Klaus Schultz geht voran, langsam, das linker Bein nachziehend. "Das Knie", sagt er entschuldigend. Seit dem Vorfall mit den Polizisten vor ein paar Tagen in seinem Garten sei es noch schlimmer geworden.

Der Garten am Collmberg liegt in der Sonne, Blumenbeete und gepflegter Rasen, dahinter das Wochenendhäuschen. "Hier habe ich gelegen", sagt Schultz und zeigt auf eine Stelle vor der Treppe, die zur Veranda hinaufführt.

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Es war am letzten Septemberwochenende, als in der friedlichen Gartenwelt plötzlich die Freitaler Polizei auftaucht. "Sechs Beamte kamen den Weg runter", berichtet Schultz. Seitdem ist er auf Freitals Ordnungshüter nicht mehr so gut zu sprechen.

Streit mit der Ehefrau

Vorangegangen war dem Einsatz vom 26. September ein Streit zwischen Gärtner Schultz und seiner Ehefrau. Die beiden würden seit über einem Jahr getrennt leben, er auf dem Wochenendgrundstück mit massivem Häuschen, sie im gemeinsamen Mietshaus. "So habe ich meine Ruhe", kommentiert Klaus Schultz.

An jenem Sonntag jedoch taucht die Ehefrau auf dem Wochenendgrundstück auf. Es kommt schnell zu einem Streit, von dem Klaus Schultz beteuert, es seien lediglich Schimpfworte gefallen. "Dabei packte sie Geschirr, Tischdecken und Handtücher ein. Ich ließ sie machen. Irgendwann ging sie."

Kurz darauf stehen die Beamten vor dem Gartentor. Einer, offenbar der Anführer der kleinen Einheit, stellt sich als Oberkommissar W. vor. Er erwähnt eine Anzeige von Frau Schultz wegen des Einsatzes von Pfefferspray.

Dienstausweis nicht vorgezeigt

Klaus Schultz beteuert, dies sei eine Falschanzeige gewesen. "Ich hatte wirklich nichts gemacht", sagt er. Doch das habe die Polizisten nicht interessiert. "Die waren total voreingenommen."

Man kann sich vorstellen, dass Gärtner Schultze ziemlich baff war, als er der Polizei gegenüberstand. "Ich wollte den Dienstausweis sehen", berichtet er über die Situation. Doch das habe Polizist W. ihm verweigert. "Die standen in meinem Garten, da wollte ich schon wissen, mit wem ich es zu tun habe", begründet Schultz.

Also habe er den Polizisten gesagt, er hole jetzt Zettel und Stift von der Veranda und schreibe sich erst einmal die Namen der Polizeibeamten auf. Man kann vermuten, dass Klaus Schultze sich erst einmal sammeln musste. Zeit gewinnen, die Kontrolle behalten.

Auf dem Bauch, Gesicht zum Boden

Und die Polizisten? Es war Sonntag, die Sonne ballerte vom Himmel, sie standen zwischen Blumenbeeten und mussten in einem Ehekrach ermitteln. Kein Wunder also, dass Polizist W. nicht nach Sperenzchen zumute war.

"Er verbot mir, Zettel und Stift zu holen, sonst würde ich gleich im Dreck liegen. Ich sagte mehrmals, dass ich das jetzt doch tun würde, und drehte mich um", berichtet Klaus Schultz. Dann sei alles ganz schnell gegangen, berichtet Klaus Schultz. W. und ein weiterer Polizist hätten plötzlich rechts und links neben ihm gestanden und ihn gepackt.

Im nächsten Moment lag Klaus Schultz tatsächlich auf dem Rasen, das Gesicht zum Boden. "Der W. kniete sich in meine Kniekehlen. Ich brüllte vor Schmerzen und sagte ihm, dass ich ein kaputtes Knie habe, er solle runter. Aber er drückte weiter mit voller Körperkraft auf mich." Die Handschellen klickten.

Erst danach habe er sich aufsetzen können. "Ich war blutverschmiert im Gesicht und dreckig. Mein Knie tut heute noch extrem weh, ich hatte tagelang auch starke Kopfschmerzen, mir geht es seitdem nicht gut", ist Klaus Schultz auch Tage nach dem Polizeieinsatz empört.

Anzeige wegen Körperverletzung im Amt

Seitens der Polizei möchte Pressesprecher Marko Laske den Vorfall nicht bewerten und verweist auf laufende Ermittlungen. Lediglich bestätigt er den Einsatz vom 26. September. "In diesem Zusammenhang liegt auch eine Anzeige seitens eines dort beteiligten 65-Jährigen wegen Körperverletzung im Amt gegen einen Polizeibeamten vor", teilt Laske mit.

Man darf vermuten, dass die Polizisten handeln mussten. Schultz hatte ihre Anweisungen missachtet und sich herumgedreht, um auf die Veranda zu steigen. Was aber wissen die Beamten in dem Moment, was er wirklich vorhat?

Sie müssen sich absichern. Es gab schon Fälle, wo unscheinbare Bürger plötzlich eine Waffe zogen und feuerten. Sie konnten im Falle von Klaus Schultz nicht sicher sein, ob es wirklich nur um Stift und Papier ging.

Pfefferspray beschlagnahmt

Der Rest des Vorfalls ist dann schnell geklärt. Die Beamten machen Fotos vom Haus, den ausgeräumten Schränken im Schlafzimmer, beschlagnahmen das Pfefferspray, welches in der Werkstatt stand. Dann rücken sie ab und lassen einen schockierten Klaus Schultz zurück.

Für ihn ist der Fall aber nicht erledigt. Er hat Anzeige und beim Polizeipräsidenten Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Polizeibeamten W. eingereicht. "Die anderen Polizisten waren ganz nett, aber der Herr W. - so was geht gar nicht", meint der Betroffene.

In Sachsen gibt es eine Unabhängige zentrale Vertrauens- und Beschwerdestelle. 2020 wurden hier 284 Bürgerbeschwerden eingereicht, weitere 19 kamen von Polizeibediensteten selbst. Macht 303 Beschwerden und damit mehr als 2019. Da waren es 276 eingereichte Beschwerden.

Beschwerdestelle registriert mehr Fälle

92 Beschwerden betrafen die Polizeidirektion Dresden. Damit liegt das Gebiet noch vor Leipzig mit 71 Fällen und Chemnitz mit 41 Fällen an einsamer Spitze. Von den eingereichten 303 Beschwerden waren allerdings nur knapp acht Prozent begründet, weitere 28 Prozent waren teilweise begründet.

Die häufigsten Beschwerden bezogen sich auf ein unangemessenes Auftreten und die Wortwahl gegenüber Bürgern. Auch gab es Beschwerden, weil Polizisten die Corona-Schutzverordnungen nicht eingehalten hatten - ein relativ neues Phänomen, das möglicherweise zum Anstieg der Fälle beigetragen hat. Des Weiteren gab es Beschwerden wegen Nichtvorzeigens der Dienstausweise - was auch Auslöser des Falls vom Collmberg war.

Polizist W. ist nicht der Einzige, für den jener Sonntagnachmittag noch ein Nachspiel haben könnte. Auch Klaus Schultz könnte im Nachhinein noch Ärger bekommen: wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte.

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