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Streit ums Geld nach Rattenplage

Weil die Nager aus einem Schacht am Freitaler Raschelberg krochen, wurden Köder ausgelegt. Die Schädlinge sind längst weg, doch wer zahlt die Rechnung?

Die Mieter des Hauses Waldblick 12 wollen nicht allein für die Bekämpfung der Ratten auf dem Genossenschaftsgrundstück zahlen.
Die Mieter des Hauses Waldblick 12 wollen nicht allein für die Bekämpfung der Ratten auf dem Genossenschaftsgrundstück zahlen. © Egbert Kamprath

Es war irgendwann 2018, da huschte eine Ratte um einen Abwasserschacht in der Straße Am Waldblick in Freital. Ein Mieter entdeckte das Tier, griff zum Telefon und informierte die Wohnungsgenossenschaft Raschelberg. Die wiederum beauftragte einen Spezialisten, das Ungeziefer zu bekämpfen. "Es war dann auch Ruhe, Ratten hatten wir keine mehr gesehen", erinnert sich Wolfgang Träber. 

Als im Jahr darauf die Betriebskosten abgerechnet wurden, stand darauf auch ein Anteil für den Kammerjäger. Es war der Anfang eines Konfliktes zwischen Träber, der Wohnungsgenossenschaft und weiteren Mietern des Hauseingangs Nummer 12. 

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Das Haus am Waldblick ist ein Wohnblock mit fünf Eingängen, nummeriert von 12 bis 20. Für die Rattenbekämpfung zahlen sollten aber nur die Mieter von Nummer 12. "Und das, obwohl wir nicht die einzigen sind, die an dem Kanal hängen. Wir werden zur Kasse gebeten, weil unser Hauseingang zufällig dem Kanaldeckel am nächsten liegt", sagt Wolfgang Träber. Gerechterweise müssten auch die Mieter der anderen Eingänge zahlen, meint auch Friedrich Malucha, der ebenfalls Mieter in Nummer 12 ist. 

Tiere leben von Essenresten

Dass Ratten am Waldblick auftauchen, ist keine Seltenheit. Laut Abwasserbetrieb Freital tummeln sich die anpassungsfähigen und schlauen Tiere äußerst gern im Kanalsystem unter großen Wohngebieten. Der Raschelberg und das Plattenbaugebiet Zauckerode gehören zu den bevorzugten Revieren der Nager in Freital. 

Das hat seinen Grund: Immer wieder landen in den Spül- und Toilettenbecken der Mieter Essenreste. Die sichern den Ratten ein auskömmliches Leben in den Abwasserkanälen. Dazu kommt unzureichend entsorgter Müll. Die Gelben Säcke beispielsweise, in denen schlecht geleerte Lebensmittelverpackungen lagern, sind für Ratten eine Fundgrube.

Vor allem aber ist es der Freitaler Untergrund, der den Tieren als Behausung dient. Der Abwasserbetrieb bekämpft die Ratten, sobald es Hinweise zu größeren Populationen gibt. In der Regel werden Köder ausgelegt, nach deren Verzehr in den Körpern ein Gift freigesetzt wird. Doch rattenfrei ist wohl keine Stadt. Denn die Tiere sind clever sowie wahre Überlebenskünstler. Und fruchtbar noch dazu. Ein Rattenpärchen bringt es auf etwa 40 Nachkommen - pro Jahr.

Kein Wunder also, dass 2019 abermals Ratten nahe Nummer 12 gesichtet wurden. Mitte April wurde der Schädlingsbekämpfer informiert. Zwischen dem 25. April und dem 28. Juni war der Experte mehrmals am Waldblick. Er legte Köder aus, inspizierte die Stellen, legte weitere Köder aus. Ende Juni meldete der Mann Vollzug - keine Ratte mehr da. So ist es einer Rechnung an die Wohnungsgenossenschaft zu entnehmen. Die Kosten von 255 Euro wurden abermals auf die acht Mietparteien umgelegt - wie schon im Jahr zuvor. Zu Unrecht, so sieht es Wolfgang Träber.   

Ratten leben in Freitals Unterwelt von Essenresten, die ins Toilettenbecken gekippt werden. Das Bild entstand in einem nachgebauten Abwasserrohr im Dresdner Zoo.
Ratten leben in Freitals Unterwelt von Essenresten, die ins Toilettenbecken gekippt werden. Das Bild entstand in einem nachgebauten Abwasserrohr im Dresdner Zoo. © (c) Christian Juppe

Es geht um 32 Euro

Der Senior hat einst im Bereich von Immobilienbewirtschaftung und Hausverwaltung gearbeitet. Er erinnerte sich an spezielle Vorschriften und Gerichtsurteile zum Thema Ratten. So hatte das Landgericht München bereits 2001 entschieden. Demnach müssen Mieter nur dann für die Rattenbekämpfung zahlen, wenn sie diese verursacht haben. Andernfalls müssen die Vermieter die Kosten übernehmen, erst recht, wenn es sich um einen einmaligen Auftrag handelt. Nur kontinuierliche Schädlingsbekämpfungen, also zum Beispiel als vorbeugende Maßnahmen, können auf die Mieter umgelegt werden.    

Bei der WG Raschelberg sieht man das etwas anders. Das geht aus einem Schreiben der Genossenschaft an Wolfgang Träber vom Juli 2020 hervor, das sich auf den Widerspruch zur Betriebskostenabrechnung bezog. Dort heißt es: "Der Schädlingsbefall und die Schädlingsbekämpfung fanden am Eingang Waldblick 12 statt und sind somit eindeutig zuordenbar." Wolfgang Träber wollte das nicht auf sich beruhen lassen. Es gehe ihm nicht um die 32 Euro, die er für den Kammerjäger zahlen soll. "Es geht mir um die Gerechtigkeit", sagt er. 

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Träber wendete sich an den Aufsichtsrat der WG, bat um Aufklärung und Vermittlung in dem Konflikt. "Auch dort wies man mich zurück." Bei der WG Raschelberg möchte man sich mit Hinweis auf laufende Gespräche vorläufig nicht öffentlich äußern. Am 5. November soll es ein Treffen mit den Mietern geben. "Wir stellen uns der Sache und werden auf genossenschaftlicher Basis miteinander ins Gespräch kommen", sagte Jeanette Effenberg vom Vorstand lediglich. 

Und die Ratten? Sie haben sich wohl vertreiben lassen. Am Waldblick jedenfalls wurde in den vergangenen Monaten keine gesehen.  

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