merken
PLUS Freital

Wie soll Schloss Grillenburg aussehen?

Die Stadt Tharandt legt einen Bebauungsplan für das gesamte Areal vor. Es geht ums neue Hotel, um Wege, Zufahrten - und ein Bootshaus.

Still ruht der See: Nichts tut sich mit der Sanierung von Schloss Grillenburg. Aber es gibt jetzt einen Entwurf für die Bebauung der Insel.
Still ruht der See: Nichts tut sich mit der Sanierung von Schloss Grillenburg. Aber es gibt jetzt einen Entwurf für die Bebauung der Insel. © Norbert Millauer

Der Teich des Grillenburger Schlosses ist noch zugefroren. Still ruht der See, sozusagen. Und das bezieht sich weniger auf das Gewässer als vielmehr auf die Gebäude im Hintergrund.

Das Schloss liegt im Dornröschenschlaf. Das war an einem schönen Sommertag vor eineinhalb Jahren ganz anders. Damals, kurz vor der Landtagswahl 2019, herrschte plötzlich hektische Betriebsamkeit im Schloss. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und Innenminister Roland Wöller (beide CDU) gaben sich die Ehre, an ihrer Seite der damalige Rektor der TU Dresden und Vertreter der TU Freiberg.

Anzeige
Wie das Miteinander gelingen kann
Wie das Miteinander gelingen kann

Die TU Dresden engagiert sich für eine Ethik des Zusammenlebens, die sich an Gleichheit, Diversität und Eigenverantwortung orientiert.

Gemeinsam verkündeten sie einen großen Plan: Das historische Ensemble mitten im Tharandter Wald soll Tagungs- und Konferenzzentrum für die Universität in Dresden und die Bergakademie Freiberg werden. Seitdem ist nicht viel Sichtbares passiert.

Jetzt aber legt die Stadt Tharandt einen Entwurf für einen Bebauungsplan vor. Er beinhaltet die Gestaltung der gesamten Schlossinsel, immerhin ein Gelände von 36 Hektar, was etwa der Größe von 50 Fußballfeldern entspricht. Die SZ beleuchtet die Details der Pläne und den Stand der Vorbereitungen.

Was plant der Freistaat?

Für insgesamt 36 Millionen Euro will die TU Dresden inmitten der Grillenburger Teichlandschaft ein Konferenz- und Tagungszentrum einrichten. Dafür wird das Ensemble saniert und mit einem Hotelneubau ergänzt. Veranstaltungen sind vor allem im repräsentativen Jagdschloss geplant. Allein dessen Instandsetzung und Umbau kostet wohl mindestens 6,5 Millionen Euro.

Der letzte Mieter, die Landesstiftung für Natur und Umwelt, verließ 2008 das Denkmal, das sich im Besitz des Freistaates befindet. Seitdem ist das Schloss ungenutzt. Zuletzt wurde lediglich das Dach erneuert, um weitere Schäden am Bauwerk zu verhindern.

Wann aber die Sanierung beginnt, steht noch nicht fest. Der Freistaat muss das Geld erst in den neuen Haushalt für 2021/22 einplanen. Der Plan soll voraussichtlich im Mai fertig sein und vom Landtag verabschiedet werden.

Wie soll der Neubau gestaltet werden?

Der Hotelneubau für Gäste der Universitäten und auch Touristen soll linkerhand hinter dem Schloss und parallel zum Unteren Schlossteich entstehen. Geplant ist eine Investition von etwa zehn Millionen Euro. Erlaubt wird eine Gebäudehöhe von bis zu drei Etagen. Damit wird der Neubau keinesfalls das alte Schloss überragen.

Festgelegt werden soll, dass sich die Gebäudeoptik an das Jagdschloss anpasst. "Die Einordnung, Stellung und äußere Gestaltung des Baukörpers ist zwingend mit der Denkmalschutzbehörde abzustimmen", heißt es im Entwurf des Bebauungsplanes. Dies betreffe neben den baulichen auch die gärtnerischen Anlagen.

Was die Parkanlage betrifft, hat es im Verlaufe der Jahrhunderte zahlreiche Umgestaltungen gegeben. Erhalten blieben nur Fragmente aus unterschiedlichen Epochen. Hier fordert der Bebauungsplan ein Konzept zur Wiederherstellung, Sanierung und Anpassung der Grünanlagen an die neue Bebauung und Nutzung der Schlossinsel. Entscheidend ist vor allem die Fläche innerhalb der historischen Einfassungsmauer.

Gepflanzt werden sollen nur standorttypische Arten. Exotische Gehölze oder Koniferen sind tabu.

Was wird aus dem Jägerhaus?

Auch das Neue Jägerhaus wird in das Konzept der Universitäten eingebunden. Das Gebäude hat eine unrühmliche Vergangenheit in der Nazi-Zeit. Es wurde 1937 bis 1939 auf einer Anhöhe hinter dem Schloss errichtet und wurde unter anderem vom NSDAP-Gauleiter Martin Mutschmann auch privat genutzt. Zu DDR-Zeiten wurde dort ein Kurheim, nach der Wende war es kurzzeitig eine Pension.

So wie das Schlossgebäude soll auch das Jägerhaus als Ort für Tagungen und andere Veranstaltungen dienen. Hier sind ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen.

Das auch als "Mutschmann-Villa" bezeichnete Neue Jägerhaus wird ins Konzept einbezogen und soll ebenfalls als Tagungsort und Gästehaus genutzt werden.
Das auch als "Mutschmann-Villa" bezeichnete Neue Jägerhaus wird ins Konzept einbezogen und soll ebenfalls als Tagungsort und Gästehaus genutzt werden. © Norbert Millauer

Wo entstehen Zufahrten und Parkplätze?

Die Schlossinsel ist über drei Dämme oder Brücken erreichbar. Das soll so bleiben. Als Hauptzufahrt auf das Schlossinsel-Gelände wird die Zufahrt über die Seerenteichstraße, den Förstersteig und weiter über den Übergang zwischen Oberer Teich und Badeteich ausgebaut.

Die beiden anderen Zufahrten von der Freiberger Straße aus und über die historische Bogenbrücke sind zumindest für den Anlieferverkehr zu schmal. Sie sollen jedoch als Rettungsweg hergerichtet werden. Dabei wird die Bogenbrücke mit saniert, zumal dort auch Versorgungsleitungen neu verlegt werden müssen. Die Zufahrten sollen gleichzeitig als Fuß-, Rad- und Wanderwege dienen. Die Schlossinsel bleibt somit öffentlich zugänglich.

Zudem sollen ausreichend viele Pkw-Stellplätze für die Gäste von Schloss und Hotel entstehen. Ausflügler dürfen allerdings nicht auf der Schlossinsel parken, sondern auf dem großen Besucherparkplatz am Ortsrand von Grillenburg. Zudem werden entlang der Frauensteiner Straße Parkplätze angeboten - vor allem für Busse. Diese sollen aus ästhetischen Gründen nicht auf der Schlossinsel abgestellt werden.

Was hat es mit dem Bootshaus auf sich?

Direkt am Teichufer des Oberen Teiches befindet sich das zum Denkmal Jagdschloss Grillenburg gehörende Bootshaus. Darüber hinaus existiert ein Schuppen in Ufernähe, zu dem auch Reste einer gestalteten gärtnerischen Anlage mit Mauern und einer Treppe gehören. Diese Anlagen stammen vermutlich aus der Umgestaltungszeit um 1938. Das Bootshaus soll erhalten, gesichert und später touristisch genutzt werden.

Weiterführende Artikel

So wird Schloss Grillenburg zum Konferenzzentrum

So wird Schloss Grillenburg zum Konferenzzentrum

Die TU Dresden will im Tharandter Wald einen zentralen Ort schaffen. Ein erstes Konzept liegt dazu vor.

Schloss Grillenburg wird Konferenz-Zentrum

Schloss Grillenburg wird Konferenz-Zentrum

Die TU Dresden will das Ensemble künftig nutzen. Neue Impulse gibt es auch für den Tourismus im Tharandter Wald.

Erhalten bleiben alle drei Teiche in ihrer heutigen Form und Funktion. Der Untere Teich wird auch zukünftig weiterhin für den Gondelbetrieb mit Imbissversorgung offen sein. Am Badeteich bleiben der Zugang zum Wasser, die Liegewiesen und Imbiss bestehen. Der Obere Teich dient vor allem dem Hochwasserschutz. Er ist im Vergleich zu den anderen zwei Gewässern mit einigen wertvollen Biotopen besonders naturnah. Das soll auch so bleiben. Sogar Fischotter sollen laut Umweltgutachten hier leben.

Der Entwurf des Bebauungsplans liegt bis 23. März öffentlich aus. Bis dahin können Anregungen und Bedenken formuliert werden. Alle Unterlagen dazu sind unter www.tharandt.de zu finden.

Mehr zum Thema Freital