merken
PLUS Freital

„Aber dann kam Corona“

Fußball: Michael Heera wollte nach dem Aufstieg sportlich kürzertreten, steht nun allerdings mit dem SC Freital an der Spitze der 6. Liga.

Führt mit dem SC Freital Sachsens höchste Spielklasse an: Michael Heera (am Ball).
Führt mit dem SC Freital Sachsens höchste Spielklasse an: Michael Heera (am Ball). © Egbert Kamprath

Michael Heera zählt zu den erfahrensten Spielern beim SC Freital, dem nach sieben Spieltagen die Fußball-Landesliga vor Ex-Regionalligist Budissa Bautzen anführenden Klub von der Weißeritz. Sein Highlight hatte der 36-Jährige am 2. Spieltag gegen Eintracht Niesky (1:0). Im ersten Landesliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte wurde Heera in der 73. Minute eingewechselt und traf kurz vor dem Abpfiff „mit einem sensationellen Hackentrick“, so auf der Vereinshomepage zu lesen, zum Siegtor.

Im Gespräch mit Sächsische.de blickt der dreifache Familienvater, in Dresden geboren und als Physiotherapeut tätig, auf seine Laufbahn zurück und macht sich Gedanken, wie es nach dem Corona-Lockdown sportlich weitergehen könnte.

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Herr Heera, der Sportclub ist neu in der Landesliga und als Tabellenführer in die Wettkampfpause gegangen. Sind Sie überrascht?

Vielleicht ein kleines bisschen, aber die Truppe hat großes Potenzial, um im oberen Drittel der Tabelle zu stehen. Nun ist es nach sieben Spieltagen der erste Platz, das ist optimal. Vielleicht liegt es auch an der Breite des Kaders, wodurch das Niveau relativ ausgeglichen ist.

Sie bestritten in Radebeul ihr letztes Landesligaspiel vor sieben Jahren. Hätten Sie gedacht, mit 36 noch einmal in der 6. Liga zu spielen?

Nein, eigentlich nicht. Ich wollte eigentlich „nur“ mit Hainsberg in die Sachsenliga aufsteigen und danach sportlich kürzertreten. Mit drei Kindern und dem Job ist der Fußball nicht immer leicht zu vereinbaren. Aber dann kam Corona. Die Saison wurde abgebrochen, und so ein Ende war nicht zufriedenstellend. Nach langer Überlegungszeit hab ich mich entschlossen, noch ein Jahr dranzuhängen.

Wo haben Sie das Fußball-ABC erlernt?

Begonnen habe ich mit elf Jahren in Laubegast. Danach habe ich für den Heidenauer SV, den Radebeuler BC, Hainsberg und nun beim SC Freital gespielt.

Mussten Sie lange überlegen, ob Sie nach der Fusion mit dem SC in die Sachsenliga gehen?

Ja, es hat schon ein wenig gedauert, bis die Entscheidung durch war, eine Saison in der Landesliga anzuhängen. Wenn es zeitlich und leistungsbedingt nicht gereicht hätte, wäre ich auch ohne nachzudenken in die „Zweite“ gegangen.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Männerspiel erinnern und wollten Sie einst Profi werden?

Nein, ehrlich gesagt, erinnere ich mich nicht an das erste Männerspiel. Das ist einfach zu lange her. Klar, als junger Fußballer träumt man vom Profifußball. Aufgrund von Verletzungen, Ausbildung und beruflichen Verpflichtungen war das Thema recht schnell vorbei.

In Laubegast haben Sie in der Oberliga gespielt, warum 2007 der Wechsel nach Heidenau?

Es gab die eine oder andere Verletzung, die mich zurückgeworfen hat. Und immer nur auf der Bank zu sitzen, um ein paar Minuten zu spielen, hat mir dann auch nicht gereicht. Ich wollte unbedingt mehr Spielzeit und bin deshalb nach Heidenau gewechselt.

Zwei Jahre später ging es nach Radebeul und 2013 nach Hainsberg. Wer hat Sie damals zum HSV geholt?

Den ersten Kontakt gab es 2012/13 schon in der Winterpause über Frank Seifert. Leider hat mich mein damaliger Trainer Jan Seifert in Radebeul nicht gehen lassen und so bin ich erst ein halbes Jahr später zum Hainsberger SV gekommen.

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Landesklasse und Landesliga?

Die Punktspiele in der Sachsenliga sind etwas schneller, dynamischer und werden körperbetonter geführt.

Glauben Sie, dass die Landesliga-Saison komplett beendet werden kann?

Zumindest hoffe ich, dass wir am Ende Auf- und Absteiger haben werden. Allerdings denke ich, dass der Modus erneut geändert werden muss und dadurch einige Saisonpartien wegfallen. Dann schaffen wir es vielleicht, die Serie vernünftig zu Ende zu bringen.

Es gibt beim Verband die Idee, eventuell nur die Hinrunde mit 21 Partien zu spielen. Wäre das gerecht?

Ich glaube, dass das die beste Lösung wäre. Über gerecht oder ungerecht brauchen wir dabei nicht mehr zu reden. Bei der momentanen Situation können wir alle froh sein, wenn der Verband eine Lösung findet, mit der wir sportlich zu einer Entscheidung finden.

Was denken Sie, wann es tatsächlich weitergeht?

Vielleicht in vier Wochen, vielleicht aber auch erst nach der Winterpause? Ich weiß es nicht, hoffe aber, dass es möglichst schnell geht.

Angenommen, der SC Freital schafft den Durchmarsch. Wäre die Oberliga für Sie als 37-Jähriger noch ein Thema?

Nein, nur noch als Zuschauer. Den Aufstieg würde ich gern noch mitnehmen, aber in der fünften Liga könnten sich dann die jungen Spieler beweisen.

Wie halten Sie sich im Lockdown fit?

Ich gehe ein-, zweimal pro Woche und mache in den eigenen vier Wänden 30 bis 45 Minuten etwas Krafttraining mit dem eigenem Körpergewicht. Dazu kommt die Bewegung mit unseren drei Kindern, das sollte reichen.

Hat der Lockdown Auswirkungen auf Familie und Ihren Job?

Nein, aktuell nicht. Zum Glück.

Mehr zum Thema Freital