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Drohung gegen Freitaler Stadträtin

Ein Kommentar zu einem Eintrag von Lydia Engelmann bei Twitter ist mehr als ein schlechter Witz, sagt die Freitalerin. Involviert sind auch AfD-Stadträte.

Stadträtin Lydia Engelmann wird in sozialen Netzwerken beschimpft und bedroht.
Stadträtin Lydia Engelmann wird in sozialen Netzwerken beschimpft und bedroht. © Egbert Kamprath

Es ist so leicht heutzutage, jemanden zu beschimpfen, zu verunglimpfen oder gar zu bedrohen. Man muss dafür noch nicht einmal vom Sofa aufstehen. Mit dem Handy lässt es sich ganz einfach in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter über die Meinung anderer lustig machen, herziehen oder gar hetzen. Und in manchem Kommentar sind mehr oder weniger versteckt sogar Drohungen gegen Menschen enthalten. 

Nun ist gerade auch aus der jüngeren Freitaler Geschichte deutlich geworden, dass Worten auch Taten folgen. Diese Erfahrung hat nicht zuletzt Michael Richter gemacht, der für die Linke im Stadtrat saß und mit seiner Meinung oft aneckte. Er wurde bedroht, überfallen und sein Auto mit einem illegalen Böller im Innenraum zerstört. Michael Richter ist später aus Freital weggezogen, offiziell aus privaten Gründen.

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So weit will es Lydia Engelmann nicht kommen lassen. Sie wehrt sich gegen Kommentare zu ihrer Person, die zum Teil verletzend, zum Teil bedrohlich sind. Die junge Frau ist Stadträtin in Freital, sitzt für die Grünen auch im Kreistag. Sie ist angehende Lehrerin, wird im Januar ihr Referendariat beenden und dann als verbeamtete Lehrerin in ihren Beruf starten. Sie ist - sowohl was ihren Beruf angeht als auch als Kommunalpolitikerin - selbstverständlich an gesellschaftlichen Entwicklungen interessiert, informiert sich entsprechend und ist auch auf einigen Plattformen im Internet unterwegs, wie beispielsweise bei Twitter.

„Rechts. Deutsch. Radikal.“

Dort äußerte sich Lydia Engelmann nach der Pro-Sieben-Sendung „Rechts. Deutsch. Radikal.“, in der der ehemalige Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion Christian Lüth mit eindeutig rechtsextremen Aussagen gefilmt worden war. Sie lobte den Sender für die Recherchen, kritisierte aber gleichzeitig die Anführung der sogenannten Hufeisentheorie, die von Politologen längst widerlegt sei. 

Diese Theorie stellt Rechts- und Linksextremismus direkt gegenüber und damit gleich. Beides sind zwar Extreme, beide sind gewaltbereit, doch es gibt eben auch wesentliche Unterschiede, die die „Hufeisentheorie“ als nicht haltbar dastehen lassen.

Deshalb kommentierte Engelmann: „Aaaach @prosieben ihr habt heute so gut angefangen und dann werft ihr doch noch das Hufeisen ...“ 

AfD Stadtrat René Seyfried zitierte den Tweet von Grünen-Stadträtin Lydia Engelmann auf seiner Facebook-Seite. Darunter sammelten sich heftige Kommentare bis hin zu einer Drohung.
AfD Stadtrat René Seyfried zitierte den Tweet von Grünen-Stadträtin Lydia Engelmann auf seiner Facebook-Seite. Darunter sammelten sich heftige Kommentare bis hin zu einer Drohung. © SZ/Bildstelle

Das brachte AfD-Stadtrat René Seyfried dazu, die Aussagen von Engelmann auf seine Facebook-Seite zu kopieren und recht unsachlich drunter zu schreiben: „Da sabbelt die Kommunistin der Grünen und Kämpferin der Antifa wieder ihren Müll ab. Als Stadträtin in Freital eigentlich untragbar und schon gar nicht als Lehrerin.“

Das wiederum rief weitere Nutzer auf den Plan. Einer davon nennt sich Ronny Etpert. Er schreibt: „Es wird ja bald wieder Winter und das ist zeitig dunkel und glatt.... ups hingefallen.“ Diesen Kommentar könne sie nicht anders als eine Drohung auffassen, meint Engelmann. "Im Übrigen versucht er zwar seinen Nachnamen hinter einem Alias zu verstecken, aber der lässt sich rückwärts gelesen dann doch leicht entschlüsseln."

Rücksprache mit Anwälten

Auch AfD-Stadträtin Uta-Maria-Frost ließ sich in der Folge hinreißen, auf der Seite von Seyfried in die Kommentare zu Lydia Engelmann zu schreiben: „Stadträtin kann sie ja noch sein, aber wenn ich daran denke, dass eine solche Person als Lehrerin tätig ist, dann wird mir speiübel.“

Lydia Engelmann selbst fühlt sich mit den Kommentaren mindestens unwohl. „Der eine ist aber eindeutig eine Drohung“, sagt sie. Angezeigt habe sie ihn nach Rücksprache mit Anwälten bisher nicht. Sie halte sich diesen Weg aber jederzeit offen, hofft jedoch zunächst einmal, dass das Öffentlichmachen der Situation hilft, wieder zu sachlichen Diskussionen zurückzufinden, die auch in der Wortwahl im gesellschaftlichen und sozial akzeptierten Rahmen bleiben. 

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„Ich finde, es ist ein entscheidender Unterschied, ob ich mich mit der Meinung und den Positionen auseinandersetze, oder ob ich jemanden als Person angreife“, sagt Lydia Engelmann. Außerdem fügt sie an: "Ich will Sachpolitik für Freital betreiben und habe darum weder Lust noch Zeit für persönliche Diffamierungen anderer Stadträtinnen und Stadträte.“

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