merken
PLUS Freital

Trockenheit macht Teichwirten zu schaffen

Traditionell beginnt im Herbst die Abfisch-Saison in der Region. Doch die Ausbeute leidet aus mehreren Gründen. Ein Fischfest gibt es trotz Corona.

Abfischen am Dorfteich in Reinhardtsgrimma im letzten Jahr: Andreas Ullrich aus Hausdorf mit dem Fangnetz und Lachsforellen. Gewässerpächter ist hier Jürgen Weidig aus Reinhardtsgrimma.
Abfischen am Dorfteich in Reinhardtsgrimma im letzten Jahr: Andreas Ullrich aus Hausdorf mit dem Fangnetz und Lachsforellen. Gewässerpächter ist hier Jürgen Weidig aus Reinhardtsgrimma. © Daniel Förster

In den Teichen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge beginnt die Karpfensaison. Die Fisch- und Teichwirte sehen der Erntezeit mit eher gemischten Gefühlen entgegen. Das dritte Jahr in Folge macht auch ihnen die Trockenheit zu schaffen. Denn dadurch geht der Grundwasserspiegel zurück. Und in Teichen mit nur wenig Zufluss wird nicht nur das Wasser, sondern auch die Luft für alle Fische knapp.

Rico Voss von der Forellenzucht Tharandt bewirtschaftet unter anderem den Seerenteich im Tharandter Wald. "Wir kämpfen seit drei Jahren mit der Wärme, mit zu wenig Wasser und dem Sauerstoffmangel für die Fische", sagt er. "Auch die trockenen Winter helfen nicht. Wir brauchen Schmelzwasser durch Eis und Schnee." 

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Deshalb hat der Fisch- und Teichwirt mit den Planungen für eine technologische Versorgung der Teiche mit Sauerstoff und Wasser begonnen. Unterstützt werde er dabei vom Landesfischereiverband. "Wir hätten Platz für rund 25 Tonnen Fisch. Jetzt haben wir nur etwa 1,5 Tonnen im Bestand" sagt er. Zusätzlich habe eine Havarie vor drei Wochen einigen Fische das Leben gekostet.

Bereits jetzt belüftet Rico Voss seine Teiche, berichtet er. Im Bruthaus wachsen derzeit etwa 6.000 Fische, er betreibt neun Aufzuchtbecken und zwölf Glasfaserstoffbecken. Trotz der eher schlechten Bedingungen in diesem Jahr können sich Fisch-Fans aber auf das beliebte Abfischen freuen. Am 31. Oktober, als einer der letzten im Landkreis, lädt das Unternehmen zwischen 9 und 15 Uhr zu einem kleinen Fischfest ein, sagt Voss. 

"Wegen Corona wird es dieses Mal keine Sitzplätze geben. Sonst ist aber alles dabei, von Karpfen über Schleie, Forellen, eventuell Zander, Hechte und Barsche." Neben Fischbrötchen und Räucherfisch gäbe es auch Bratwurst, Honig aus dem Tharandter Wald, Schnaps aus Somsdorf - es soll ein buntes Markttreiben werden. "Übrigens ohne Mund-Nasen-Schutz-Verpflichtung", so Rico Voss. "Das hat das Landratsamt nicht in unserem Hygienekonzept vorgegeben, da die Außenfläche auf der das Fest stattfindet, groß genug ist."

Abfischen auch in Reinhardtsgrimma

Jürgen Weidig steckt bereits mitten in den Vorbereitungen für das Abfischen am Dorfteich in Reinhardtsgrimma. "Wir werden am 3. Oktober beginnen und dann an den kommenden drei Samstagen auch öffentlich abfischen, immer zwischen 9 und 15 Uhr." Er legt aber Wert darauf, dass er keinerlei Fest dazu anbietet. "Das haben wir noch nie gemacht und sind in diesem Jahr auch froh, dass wir so eine Tradition während Corona mit all den Vorschriften nicht weiterführen müssen." 

Jürgen Weidig gehe es um den Fisch. "Bei Fischfesten essen die Leute meist vor Ort, kaufen aber weniger Frischfisch. Das ist bei uns nicht so. Hier kommen Sie um beim Abfischen zuzuschauen und frische Fische zu kaufen." Sechs Mitarbeiter werden an den vier Samstagen helfen. Kaufen können die Gäste vor allem Regenbogenforellen, Lachsforellen und Störe sowie erste Karpfen. Die Karpfen würde es vorrangig dann um die Weihnachts- und Silvesterzeit geben. 

Die Situation rund um die Fischzucht sei auch bei Jürgen Weidig eher schlecht. "Wir haben keine Fische weiter", sagt er und: "Wir können zwar gut verkaufen, aber züchten ist wegen der Trockenheit und Hitze der letzten drei Jahre wirklich schwer geworden." 

Der natürliche Zufluss sei während des Sommers 14 Tage lang trocken gewesen. "Wir mussten die Forellen rausnehmen und setzten erst am Dienstag wieder neue Dänische ein. Viele sagen das ja nicht, aber die dänischen Forellen haben eine sehr gute Qualität." Auch er hofft nun auf die angekündigte längere Regenperiode, damit die neuen Forellen in den Teichen genügend Wasser und Sauerstoff haben.

Fischräuber leeren die Teiche

Gunther Ermisch von der gleichnamigen Forellen- und Lachszucht in Langburkersdorf macht nicht nur die Trockenheit zu schaffen. Mit sinkendem Wasserstand haben Fischräuber wie Kormorane, Reiher, Seeadler und auch Fischotter eine leichte Beute. "Das bringt einige Betriebe, die vor allem kleinere Fische produzieren, an die Grenze der Existenz", sagt Gunther Ermisch. Vor allem der Silberreiher und die Kormorane würden enorme Schäden anrichten. Und der fühlt sich nun mal genau dort wohl, wo vor allem kleine Fische im Niedrigwasser schwimmen.

Als Mitglied im Vorstand des sächsischen Fischereiverbandes kennt er die Sorgen. Und innerhalb des Verbandes mache man sich nun auch beim Umwelt- und Landwirtschaftsminister dafür stark, dass die Schäden die durch tierische Räuber entstanden sind, auch angemessen ausgeglichen werden. Vergleichbar sei das mit den Schäden, die den Schäfern durch Wolfsrisse entstehen. Auch dafür gibt es Ausgleichszahlungen, wenn die Landwirte den Herdenschutz beachtet haben.

In Sachsen gibt es bereits eine Ausgleichszahlung, den sogenannten Härtefallausgleich. Der ist aber durch eine europäische Reglung begrenzt. "Wir wollen keine Almosen. Der Minister kann kein Wasser herbeizaubern, sich aber für einen Ausgleich einsetzen. Wir diskutieren derzeit moderat machbare Lösungen, die schnell auf den Tisch müssen. Sonst überleben das kleinere Betriebe nicht", sagt er.

Auch bei Ermischs steht im Herbst eigentlich wieder das traditionelle Fischerfest an. Ob es aber wirklich am 18. Oktober stattfinden wird, sei wegen der Verordnungen noch unklar.

Die Kreba Fisch GmbH zum Beispiel hat bereits beschlossen, dass sie in diesem Jahr gänzlich auf ein Fischerfest verzichtet. Sie verkündet auf ihrer Internetseite: Aufgrund der aktuellen Wassersituation und der schwierigen Situation aufgrund Corona wird in diesem Jahr kein Fischerfest an der Schwarzen Lache in Kreba stattfinden.

Auch die Kulturlandschaft Moritzburg GmbH hat sich mit ihren Partnern dazu entschieden das Fisch- und Waldfest für das Jahr 2020 abzusagen. „Wir bedauern diese Absage sehr, aber das Fest in bisheriger Form und Größenordnung ist unter den gegebenen Bedingungen nicht realisierbar und auch wirtschaftlich nicht darstellbar“, so Gundula Bleul von der Kulturlandschaft Moritzburg GmbH. Die Durchführung eines kleinen Spezialmarktes im Oktober wird noch geprüft. 

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Freital