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Vom Werbeplakat in die Realität

Freital wirbt großflächig für den Beruf des Erziehers. Anja Lawrenz ist eines von sechs Gesichtern der Kampagne. Was treibt sie an in ihrem Beruf?

Horterzieherin Anja Lawrenz mit den Kindern Lea, Annalena und Lina-Maria auf dem Spielplatz der Glückauf Grundschule Freital.
Horterzieherin Anja Lawrenz mit den Kindern Lea, Annalena und Lina-Maria auf dem Spielplatz der Glückauf Grundschule Freital. © Egbert Kamprath

Nach Freital? Nein, da wollte sie nie hin. "Ich bin eigentlich ein Landei", sagt Anja Lawrenz über sich selber. Doch seit Anfang des Jahres ist die 43-Jährige als Erzieherin im Hort der Glückauf-Grundschule in Freital-Zauckerode angestellt. Im September hat sie eine erste Klasse übernommen und inzwischen, darüber staunt sie am meisten, wohnt sie mitten in Freital. Und nicht nur das: "Ich fühle mich hier wirklich richtig wohl", sagt sie. Das hat etwas mit ihrem Mann zu tun, mit ihren Nachbarn und natürlich auch mit ihrem Arbeitgeber - der Stadt Freital, für den sie jetzt sogar von Werbeplakaten strahlt. Und das kam so.

Die Stadt Freital hat ein Problem. Es fehlen Erzieherinnen und Erzieher für die städtischen Kindertageseinrichtungen von der Krippe bis zum Hort. Im vergangenen Jahr wurde der Personalmangel akut. Man überlegte sich Aktionen und Wege, wie Menschen mit dem entsprechenden Profil nach Freital gelockt werden könnten, oder wie junge Leute davon überzeugt werden könnten, eine Ausbildung zum Erzieher zu beginnen. Und zwar nicht irgendwo, sondern genau hier: in Freital.

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Authentische Werbung mit echten Menschen

Eines der Instrumente, die man ersann, ist eine Werbekampagne, die sowohl im Radio läuft, als auch mit Plakaten an Haltestellen, auf Werbetafeln, Bussen und Fahrzeugen der Stadt. "Die Kampagne lebt davon, dass wir nicht irgendwelche Models zeigen", sagt Matthias Weigel, Pressesprecher der Stadt Freital. "Sondern echte Erzieherinnen und Erzieher, die bei uns angestellt sind."

Unter den sechs Gesichtern, die sich auf Anfrage für diese Kampagne gemeldet haben, ist auch Anja Lawrenz. "Weil hier mein Beruf zur Berufung wurde", ist ihr Spruch dazu, der nun neben einem Foto von ihr stadtweit zu sehen ist.

Das Werbeplakat mit Anja Lawrenz: "Weil hier mein Beruf zur Berufung wurde."
Das Werbeplakat mit Anja Lawrenz: "Weil hier mein Beruf zur Berufung wurde." © Stadt Freital

Dass sie hier ihre Berufung gefunden hat, spürt man im Gespräch mit der Quereinsteigerin. Sie sprüht vor Energie, brennt für ihre Schützlinge, hat ganz offensichtlich Freude an ihrer Arbeit.

Umschulung und Ausbildung zur Erzieherin

Als gelernte Handelsfachfrau hat sie sich 2010 für einen beruflichen Neuanfang entschieden und die Ausbildung zur Erzieherin begonnen. "Ich habe selber zwei Kinder und die Nachbarskinder waren auch immer ganz schnell mit bei mir", sagt sie rückblickend. "Ich habe gemerkt, dass ich wirklich gerne mit Kindern arbeite. Sie sind ehrlich und empathisch." Das gefällt ihr sehr, wie sie sagt. Und: "Sie reden einfach, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist."

Ein bisschen so ist sie auch selber. Frech und fröhlich, um mit den Kindern rumalbern zu können, aber natürlich auch ernst und verantwortungsbewusst, um ihre Rolle als Erwachsene, als Bezugsperson, als Erzieherin, die die Verantwortung trägt, voll und ganz auszufüllen.

Deshalb musste sie auch nicht überredet werden, als die Frage ins Kollegium getragen wurde: Wer könnte sich vorstellen bei einer solchen Werbekampagne mitzumachen? "Jeder hatte die Chance, ich habe mich gemeldet und jetzt bin ich dabei."

Stadt verzeichnet mehr Bewerber

Inzwischen läuft die Kampagne schon seit Juni. Deshalb drängt sich natürlich die Frage an die Stadt auf, ob sich der ganze Aufwand eigentlich lohnt. "Ja, ich denke schon", sagt Matthias Weigel. Auch wenn man natürlich nicht genau zurückverfolgen könne, über welche Wege ein Bewerber zur Stadt Freital gefunden hat, belegen die Zahlen, dass sich dieses Jahr deutlich mehr Menschen gemeldet haben, die sich für den Beruf und eine Stelle in Freital interessieren.

Hatten sich 2019 im gesamten Jahr 78 potenzielle Erzieher beworben, so waren es dieses Jahr mit Stand vom 19. November bereits 92. Und 37 davon sind bisher auch eingestellt worden. Zusammengerechnet ungefähr zehn Vollzeitstellen sind weiterhin unbesetzt. "Die Zahl ändert sich aber ständig", sagt Weigel.

Nicht jeder Bewerber passt. Anja Lawrenz aber ist ein Volltreffer. Fachlich versiert und bei Kindern wie Kollegen beliebt. Über ihre Arbeit sagt sie: "Ich bin hier alles. Vom Clown bis zum Manager."

"Frau Lawrenz, du bist ja berühmt!"

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Als die Kampagne gestartet war und plötzlich die Plakate mit ihr überall in der Stadt hingen, da kamen die Kinder und riefen: "Frau Lawrenz, du bist ja berühmt!" Sie muss herzhaft lachen, als sie davon erzählt. Und nein, sie fühle sich nicht wie ein Promi. Auch wenn sie ob ihrer Omnipräsenz in der Stadt mit einem Augenzwinkern sagt: "Mein Mann fühlt sich schon ein bisschen von mir verfolgt."

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