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Wer ist schuld, wenn ein Päckchen weg ist?

Eine teure Pokémon-Karte ist zwischen Freital und Bad Kreuznach verschwunden. Ein Fall für den Richter am Amtsgericht.

Solche Pokémon-Karten sind teilweise begehrte Sammelobjekte und erzielen hohe Preise. Der Verkauf kann aber auch schiefgehen.
Solche Pokémon-Karten sind teilweise begehrte Sammelobjekte und erzielen hohe Preise. Der Verkauf kann aber auch schiefgehen. © Repro: SZ

Von Walter Neuwirth

Die Freude eines Freitalers über den Verkauf einer teuren Pokémon-Karte währte nur kurz. Denn am Ende hatte er weder den Kaufpreis in Höhe von 420 Euro noch die begehrte Sammelkarte in seinem Besitz. War dabei Betrug im Spiel?

Der Reihe nach: Über das Internetportal Ebay-Kleinanzeigen hatte der 31-Jährige die Karte an einen etwa gleichaltrigen Mann aus dem Raum Bad Kreuznach verkauft. Der Käufer zahlte den Kaufpreis über Paypal und der Freitaler verschickte danach die Sammelkarte als versichertes Päckchen. Alles schien wunderbar glatt zu laufen, bis zwei Tage später beim Verkäufer in Freital plötzlich ein Video des Käufers einging, welches die Öffnung eines vermeintlich leeren Päckchens zeigte. Mit anderen Worten: Die teure Pokémon-Karte war verschwunden.

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DHL will den Schaden nicht bezahlen

Ein Nachforschungsauftrag bei DHL erbrachte keinen Erfolg, zudem wurde von dort auch die Schadensübernahme abgelehnt. Trotz Zweifel an der Video-Version des Käufers gab sich der Freitaler erst einmal damit zufrieden, dass der Mann versprach, sich am Schaden zu beteiligen.

Bis zur endgültigen Klärung hatte der Freitaler den Kaufpreis schon wieder an den Käufer zurückerstattet, auch um vom Käufer nicht durch eine negative Bewertung gebrandmarkt zu werden. Seine Zweifel verstärkten sich aber blitzartig, als der Käufer gleich nach Rückzahlung des Kaufpreises plötzlich den Kontakt zu ihm abbrach und nicht mehr erreichbar war. Wieso gab es überhaupt ein Video von der Öffnung des Päckchens?

War der Video-Beweis gefälscht?

Das, was der Verkäufer in der Folge gegenüber den Ermittlungsbehörden mitteilte, reichte für einen Strafbefehl gegen den Mann aus dem Raum Bad Kreuznach. Er sollte wegen Betrugs 900 Euro Strafe zahlen. Doch dagegen hat er Widerspruch eingelegt und so kam es diese Woche zur mündlichen Verhandlung am Amtsgericht Dippoldiswalde.

Dabei erklärte der Freitaler nun glaubhaft, dass das von ihm versandte Päckchen aufgrund der mehrfachen Umwicklung mit Paketklebeband niemals mit einem einzelnen Schnitt einer Schere zu öffnen gewesen sei, wie es auf dem Video dargestellt wurde. Der logische Schluss daraus: Der Käufer ist ein Betrüger, das Päckchen wurde von diesem geöffnet, die Pokémon-Karte entnommen und danach die Öffnung eines angeblich leeren Päckchens für den falschen Video-Beweis inszeniert.

Trotzdem beharrte der Angeklagte auf seiner Version des leeren Päckchens, und seine Ehefrau bestätigte dies als Zeugin, denn schließlich habe sie ja selbst das Video am Küchentisch gedreht, während ihr Mann mit der Schere das Päckchen öffnete. Aufgrund negativer Erfahrungen würde man die Öffnung solcher Pakete ab einem Warenwert von 100 Euro immer per Video dokumentieren, so die gleichlautende Aussage des Ehepaares.

Hälfte des Preises als Wiedergutmachung

Das Gericht ließ sich das Video zeigen, was aber keine Klarheit brachte. Zumindest die theoretische Möglichkeit eines Diebstahls beim Transport durch DHL war nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen, auch wenn dies in der Gesamtbetrachtung als wenig wahrscheinlich erscheinen wollte.

Nach einer Absprache zwischen Richter, Staatsanwalt und Verteidiger wurde eine teilweise Schadenswiedergutmachung vereinbart. So soll der Freitaler die Hälfte des Kaufpreises, 210 Euro, zurückbekommen. Dem Gericht blieb schließlich wohl keine andere Wahl, als die Verfahrenseinstellung zu verfügen, da ein Betrug durch den Käufer nicht mit letzter Sicherheit nachzuweisen war.

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