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Die Verlockung einer dicken Brieftasche

Eine 52-Jährige sieht im Laden ein herrenloses Portemonnaie. Statt es abzugeben, nimmt sie es mit nach Hause. Kurz darauf steht die Polizei vor der Tür.

© dpa

Von Anne Schicht

Die Frau bereut sichtlich. Vor Richterin Daniela Höllrich-Wirth sitzt sie wie ein Häuflein Elend auf der Anklagebank im Amtsgericht Dippoldiswalde. Unter Tränen bringt sie schluchzend hervor: „Ja, die Anklage stimmt. Es tut mir leid. Ich habe nicht darüber nachgedacht.“

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Im November vergangenen Jahres sieht man die 52-Jährige aus Wilsdruff auf den Überwachungskameras einer Drogerie. Zielstrebig kommt sie herein und gibt in der Post-Ecke einen Brief ab. Danach bleibt sie im Laden, schaut sich Produkte an. Und sie behält die Post-Ecke im Blick.

Kurze Zeit später, als die Verkäuferin mit einem anderen Kunden beschäftigt ist, geht sie dahin zurück. Denn dort liegt eine schwarze Brieftasche. Die nimmt sie, verdeckt sie mit einem Lottoschein und verlässt eilig das Geschäft.

Kurz zuvor 1.000 Euro von der Sparkasse geholt

Der Mann, dem die Brieftasche gehört, ist selbst noch im Laden. Kurz vorher war der Firmenbesitzer auf der Sparkasse und hatte 1.000 Euro Bargeld abgehoben. Noch in der Drogerie bemerkt er, dass er seine Brieftasche auf dem Tresen liegen gelassen haben muss. In der Post-Ecke findet er sie aber nicht mehr.

Er fragt nach. Und siehe da: Wer sie mitgenommen hat, ist schnell aufgeklärt. Die Aufzeichnung der Überwachungskamera zeigt die Deutsche und mithilfe ihres abgegebenen Briefes ist auch ihre Adresse schnell ermittelt.

So klingelt nur wenige Stunden später die Polizei an der Haustür der Wilsdrufferin. Die ist sichtlich schockiert und gesteht alles. Erst im Auto habe sie die Brieftasche geöffnet und festgestellt, dass sich in dieser vier Bankkarten und 1.000 Euro Bargeld befinden. Sie sei so erschrocken darüber gewesen, dass sie die Brieftasche im Handschuhfach ihres Autos versteckt habe.

Der Polizei übergibt sie diese ohne Umstände. Zwar bekommt der rechtmäßige Besitzer am gleichen Tag alles wieder, doch für die Wilsdrufferin hat die Sache ein Nachspiel. Sie stand nun wegen Unterschlagung vor Gericht.

Ironie des Schicksals: 1.000 Euro Strafe

Was sie denn gemacht hätte, wenn die Polizei sie nicht so schnell aufgespürt hätte, will die Richterin von der Angeklagten wissen. Leise antwortet die gelernte Altenpflegerin: „Ich wäre selbst zur Polizei gegangen.“ Ob das tatsächlich so gewesen wäre, sei dahingestellt.

Die Richterin hält der Angeklagten ihr leeres Vorstrafenregister zugute. Auch, dass kein bleibender Schaden entstanden ist und sie das Geld nicht ausgegeben hat, rechnet sie ihr an. Andererseits könne die Angeklagte nicht angenommen haben, dass in der Brieftasche nur zwei Euro drin seien, so die Richterin.

Da der Geschädigte sich noch in räumlicher Nähe zur Brieftasche befand, müsse man in diesem Fall nicht nur von Unterschlagung, sondern sogar von Diebstahl sprechen. Im Strafmaß macht das aber keinen Unterschied. Verurteilt wird die Frau schließlich zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 50 Euro, was - und das ist schon fast Ironie des Schicksals - genau 1.000 Euro entspricht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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