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Frische Herzen aus Pulsnitzer Backstuben

Für die Mitarbeiter der Pfefferkuchenschauwerkstatt war das Großereignis Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt ein voller Erfolg.

© René Plaul

Von Frank Sühnel

Heiße Pfefferkuchenherzen, frisch aus dem Ofen“, rief Bärbel Prescher gestern in den Durchgang im Pulsnitzer Haus des Gastes. Sie musste nicht lange warten, bis die Kuchen einen Abnehmer gefunden hatten. Denn die Stadt war voll von den Tausenden Besuchern des 11. Pulsnitzer Pfefferkuchenmarktes am vergangenen Wochenende. Acht Pfefferküchler und die Lebkuchenfabrik brachten auf dem Markt wieder ihre Spezialitäten unter die Leute.

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Gebacken wurde auch in der Pfefferkuchenschauwerkstatt. Doch bis die Herzen so weit waren, dass sie von den Gästen des Marktes genossen werden konnten, war einiges zu tun. Der Autor dieses Textes, ist selbst Mitarbeiter der gemeinnützigen Pulsnitzer Kultur- und Tourismus-Gesellschaft und stand von Freitag bis Sonntag in der Pulsnitzer Schaubackstube. Dabei war es die wichtigste Aufgabe, den Pfefferkuchenteig glatt zu kneten und mit dem Nudelholz auszurollen. Es war ein doppelt anstrengendes Unterfangen: Die Arbeit des Knetens, die dazu führte, dass sich die Hände nach ein paar Stunden anfühlten, als ob schwere Gewichte daran hingen. Und mit diesen Fingern wie Ballons war es mühsam, die kleinen Tasten der Computertastatur zu treffen. Wer schon einmal diesen festen Pfefferkuchenteig bearbeiten musste, weiß, wovon die Rede ist. Der Teig, der hier verarbeitet wird, ist von hoher Güte, stammt er doch aus der Backstube eines Pulsnitzer Pfefferküchlers.

Wenn der Teigklumpen schön glatt geknetete war, musste er ausgerollt werden, etwa auf fünf Millimeter Stärke. Anschließend stachen Karin Haupt oder Anita Barchmann mit einer Blechform die Herzen aus und belegten die Backbleche, die in den Ofen kamen. In ihm herrschen rund 200 Grad Celsius, das Gebäck blieb darin, bis es schön aufgegangen und braun war, was etwa zehn Minuten dauerte. Raus damit und Bärbel Prescher konnte schon wieder rufen: „Heiße Herzen“. Die gingen weg wie warme Semmeln. Nicht nur im Haus des Gastes. An den Ständen der Pfefferküchler und der Lebkuchenfabrik rund um den Markt bildeten sich immer wieder Schlangen. Pausenlos griff die Kundschaft nach Tüten voller Pfefferkuchen.

Das Tempo der Pfefferkuchenbäckerei in der Schauwerkstatt bestimmte unterdessen der Ofen. Und der war zum Glück nicht so schnell, was den Händen und Armen Gelegenheit gab, ein wenig auszuruhen. Und die Möglichkeit, den Kopf zu heben und zu sehen, was um einen herum passierte. Da waren die geduldig auf ihre Genüsse wartenden Gäste. Einige wenige kamen gleich in die Backstube hinein, weil Schauen allein nicht genügte, der alte Greifreflex war immer noch vorhanden. Auch Kinder hatten wenig Berührungsängste. Die konnte man aber meist mit einem kleinen Stück Teig vertrösten. Andere Neugierige drückten sich die Nase an den Scheiben platt, war ja eine Schaubäckerei. Schön war es zu sehen, wie die heißen Herzen in den Mündern verschwanden. Eine Dame erzählte, dass sie 35 der kleinen Kuchen gegessen hätte. Unglaublich. Es schmeckt eben. Gegenüber der Bäckerei stand das Zelt, in dem Kinder und Erwachsene Pfefferkuchen verzieren konnten. Herrlich anzuschauen waren die ob ihrer Kuchenkreationen strahlenden, stolzen Gesichter der Kleinen. Neben der Schaupfefferküchlerei, im Museum, redete Sigmar Schubert nahezu ununterbrochen bei seinen humorvollen Führungen durch die Welt des Pfefferkuchens.

Der Markt war für alle Beteiligten wieder ein voller Erfolg. Der Innungsobermeister, der Pfefferküchler Peter Kotzsch, zeigte sich sehr zufrieden, vor allem darüber, dass Freitag wegen des Brückentages und der Ferien schon so viel los war und dass trotz des durchwachsenen Wetters am Wochenende so viele Besucher kamen. Marktorganisator Lutz Tenne war der gleichen Meinung. „Es hat sich alles gut eingespielt, es gab auch weiter keine Schwierigkeiten, sehr schön.“ So konnte auch der Autor wieder in die Backstube zurückkehren, Teig kneten und ausrollen, bis die Hände scherzen. Zum Glück war der Sonntagabend nicht mehr weit und damit auch das Ende des diesjährigen Marktes.