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Frischer Spargel

Wie Vater Hermann Hummels den Marktwert seines Sohnes Mats sieht und warum der FC Bayern nur eine Option ist.

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Von Thomas Nowag und Marc Plönnes

Mats Hummels quält sich. Bis in den Schlaf hinein verfolge ihn die Entscheidung über seine Zukunft, berichtet der Weltmeister von Borussia Dortmund. Es scheint, als drehten sich seine Gedanken des Nachts vor allem um eine Rückkehr zu Bayern München – laut Bild-Zeitung laufen Verhandlungen mit dem Verein, der ihm vor zehn Jahren keine Chance gab und seinen Vater 2012 unsanft vor die Tür setzte.

Hermann Hummels über die Wechselgedanken seines Sohnes
Hermann Hummels über die Wechselgedanken seines Sohnes © imago/hjs

Hermann Hummels, zugleich Berater des begehrten Sohnes, trägt keinesfalls zur Beruhigung bei. Am Freitag brachte der 56-Jährige im SID-Interview einen potenten Rivalen für den deutschen Rekordmeister ins Spiel:

Hermann Hummels, Sie sind Vater und Berater des Fußball-Weltmeisters Mats Hummels. Medienberichten zufolge verhandeln Sie mit Bayern München über einen Transfer zur kommenden Saison. Stimmt das?

Das werde ich selbstverständlich nicht kommentieren.

Sie haben in den vergangenen Tagen den Namen Bayern München fallen gelassen. Es klang wie eine bewusste Platzierung.

Nein, ich habe den Namen nicht bewusst platziert. Das würde ich nicht einmal tun, wenn wir konkret verhandeln würden.

Warum war der Vereinsname dann zu lesen?

Ich habe gesagt, dass Mats vielleicht noch mal bei einem anderen Topklub spielen möchte. Ich bin dann gefragt worden, ob auch Bayern dazugehört. Ich habe gesagt: Wenn ich sage, Bayern gehört nicht dazu, mache ich mich lächerlich. Ich hätte aber auch Real, Barcelona, Atlético, Juventus, PSG, ManCity oder sonst wen sagen können. Auch Manchester City kann eine sehr interessante Sache sein. Sie sind dieses Jahr nicht so gut, aber die werden nächstes Jahr Meister und bekommen einen der besten Trainer der Welt.

Ihr Sohn scheint sich zu quälen. Was macht die Entscheidung so schwierig?

Es ist superschön für ihn beim BVB. Trotzdem kann man auf die Idee kommen, was anderes zu machen. Er überlegt schwer und grübelt. Weil er 27 ist, weil die Entscheidung endgültig ist. Bei den Überlegungen spielt immer auch das Ausland eine Rolle. Er ist an einem Punkt, an dem er sagt: Boah, das ist eine schwierige Entscheidung. Das Ganze muss reizvoll sein.

Sie haben zuletzt mehrfach Auto-Vergleiche bemüht. Welches Auto ist Mats Hummels?

Jetzt steht eine Entscheidung an, die nicht mehr leicht zu korrigieren ist. Das ist viel komplizierter als bei Autos. Denn habe ich einen Bentley für 300 000 Euro gekauft, kann ich den mit etwas Wertverlust wieder verkaufen. Für einen Fußballer ist das schwieriger.

Aus den Aussagen Ihres Sohnes lässt sich eine Tendenz gegen Borussia Dortmund ablesen. Gibt es diese?

Es gibt keine Tendenz. Es geht nicht um den finalen Zustand, sondern um den Prozess, der ihm zu schaffen macht. Was steht auf der positiven Seite, was auf der anderen? Wenn du, wie jetzt, auf allen Seiten nur Pro-Argumente hast, ist das schwierig. Du machst was für den Rest deiner Fußballkarriere.

Sie kennen den Wert Ihres Sohnes genau. Ist es auch ein Pokerspiel? Mit wie vielen Vereinen wird verhandelt?

Frischen Spargel im Angebot zu haben, ist besser, als verfaulten anzubieten.

Sie sind von Bayern München nach 17 Jahren im Unfrieden geschieden. Wäre das ein Hindernis bei einer Rückkehr?

Es bleibt kein Groll zurück. Das nimmt man nicht mehr persönlich. Es ist letztlich ein Geschäft. Da wird es auch einmal rabaukig, dann ist es wieder gut.

Die Option FC Bayern ist für Mats Hummels zweifellos verlockend. Finanziell ohnehin, der Titel halber sowieso, auch der Familie wegen. Hummels‘ blitzlichtaffine Ehefrau Cathy fände in München weit mehr Laufstege als in Dortmund, sein kleiner Bruder Jonas spielt bei der SpVgg Unterhaching gleich nebenan. „Wenn ich die Entscheidung getroffen habe, werden alle verstehen, warum es so schwierig ist“, sagte Mats Hummels bei Sky. „Das kostet mich seit einigen Wochen jede Nacht bestimmt eine halbe Stunde vor dem Einschlafen, weil mir das ganze Thema sehr nah geht.“

Die Borussia aber gibt im Ringen um ihren Kapitän nicht auf. „Um Mats werde ich kämpfen, wie ich noch nie um einen Spieler gekämpft habe“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Süddeutschen Zeitung. Thomas Tuchel zeigt derweil Verständnis für Hummels. „Das bringt für mich keinen zusätzlichen Stress. Es ist sein gutes Recht, offen darüber zu reden“, sagte der Trainer. . „Mats hat sich recht klar und eindeutig zu seiner Situation geäußert. Es gibt keinen neuen Stand.“

In München hält man sich angesichts der Spekulationen bedeckt . Er sei ein Spieler von Borussia Dortmund und stehe dort bis 2017 unter Vertrag. Dieses gelte es zu respektieren, äußerte Mediendirektor Markus Hörwick am Freitag. Hummels war bei den Bayern ausgebildet worden, wechselte aber 2008 zunächst auf Leihbasis und später ganz nach Dortmund. (sid, mit dpa)