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Früheres Problemhaus bekommt neue Eigentümer

Die Kränzelstraße 25 in Görlitz galt als Nazi-Treff, steht aber seit Jahren leer. Jetzt hat die Stadt erstmals die Chance zum Verkauf.

© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

Görlitz. Nur ein paar Zeichen an der Fassade der Kränzelstraße 25 erinnern noch an die alte Zeit. Da ist der Schriftzug „Zum Anstoß“ über der Eingangstür, ein kleiner Aufkleber „FSV Görlitz-Schlesien“ an der Tür, zwei Hinweise auf Billard und Dart in den Fenstern. Gardinen aber gibt es nicht mehr. „Das Haus steht schon ein paar Jahre leer“, sagt eine Nachbarin. Seither sei es dort sehr ruhig, nur ein- bis zweimal pro Jahr komme jemand vorbei, um dafür zu sorgen, dass der Garten nicht komplett zuwuchert. Frank Schacher, ein weiterer Anwohner, weiß es konkreter: „Die letzten Nutzer sind vor vier Jahren ausgezogen.“ Er selbst wohnt seit 20 Jahren im direkten Nachbarhaus der Kränzelstraße 25: „Ich habe dort alle Höhen und Tiefen miterlebt.“ Dass es anfangs ein Nazi-Treff war, sei doch ein offenes Geheimnis, sagt Schacher: „Das war manchmal schon sehr anstrengend.“ Er verweist dabei einerseits auf die politische Gesinnung seiner einstigen Nachbarn, andererseits auf Alkoholkonsum und Lärm von nebenan.

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In all den Jahren war immer die Stadt Eigentümerin der Kränzelstraße 25. Jetzt will sie das Gebäude verkaufen, der Beschluss soll am 28. September im Stadtrat fallen. Nach SZ-Informationen soll es an zwei Görlitzer gehen, die in dem Gebäude arbeiten und wohnen wollen. Eine Galerie soll es hier geben, dazu im Parterre eine Bilderrahmenherstellung und einen Raum für Malkurse, im ersten und zweiten Stock einen Atelierraum und ansonsten Wohnräume für die neuen Eigentümer.

Für die Stadt ist es die erste Chance überhaupt, das Haus zu verkaufen. Hintergrund: Sie hatte es Anfang der 1990er Jahre mit Hilfe von Fördermitteln saniert. So entstand das „Haus der Begegnung“, das eigentlich Nazis von der Straße holen sollte, ihnen aber letztlich als stadtbekannter Treffpunkt diente. Es wurde 1992 eröffnet. Und jetzt, nach 25 Jahren, ist die Bindefrist für die Fördermittel abgelaufen. Das heißt also, jetzt kann die Stadt es erstmals verkaufen, ohne dass sie Fördermittel zurückzahlen muss. Und weil das Haus ohnehin leer steht und die Stadt keine neue Verwendung dafür hat, nutzt sie diese Chance.

Bereits im Frühling hat sie das Haus zum Verkauf ausgeschrieben, unter anderem im Amtsblatt. „Teilweise saniert, leerstehend, gute Wohnlage für Dauerwohnen und wohnverträgliches Gewerbe“ heißt es dort, und weiter: „Ferienwohnungen werden als Hauptnutzung des Grundstückes ausgeschlossen.“ Die Grundstücksgröße wird mit 487 Quadratmetern angegeben, das Mindestgebot entsprechend einem Wertgutachten mit 170000 Euro.

Daraufhin schauten sich nach SZ-Informationen mehrere Interessenten Haus und Grundstück an, drei gaben fristgerecht ein Gebot ab, einer davon hat es aber inzwischen zurückgezogen, sodass zwei Gebote übrig sind. Einer der beiden soll es nun erhalten, der Verwaltungsausschuss hat schon zugestimmt, die letzte Entscheidung aber trifft der Stadtrat am 28. September.

Nachbar Frank Schacher freut sich darauf: „Es wäre schön, wenn das Haus wieder genutzt wird.“ Die Wohnlage in der Kränzelstraße sei schön und ruhig: „Und wenn ein weiteres Haus genutzt wird, partizipieren wir alle davon“, so Schacher. Dann würde vielleicht die Fassade gestrichen, der Garten in Ordnung gebracht, das Bild der Kränzelstraße aufgewertet. Ob nun zum Wohnen oder für ein ruhiges Gewerbe, ist ihm dabei egal: „Beides würde mich nicht stören.“ Das sehen auch andere Nachbarn so. Wichtig ist ihnen nur, dass die Nazis und der Lärm nicht zurückkehren.

Wobei diese Zeiten lange zurückliegen, später folgten ruhigere Mieter: 2005 bis Ende 2006 hatte neben anderen Vereinen auch der Stadtsportbund hier ein Büro. 2007 gab es im Haus noch drei Mieter: den Stadtjugendring, den deutsch-polnischen Infotreff Wir°My und den Fußballverein FSV Görlitz-Schlesien. Letzterer betrieb im Erdgeschoss auch einen Jugendclub. Verantwortlich dafür war Torsten Scholz, von allen „Scholle“ genannt. Er betreibt mittlerweile die „Gaststube Baumi´s Eck“ in der Kröl-/Ecke Bahnhofstraße. „Ja“, bestätigt er, „mit dem Fußballverein sind wir vor etwa vier Jahren aus der Kränzelstraße ausgezogen.“ Über die Gründe will er sich nicht äußern. Die Nachbarn kennen die Gründe nicht, sind über den Auszug aber nicht böse. „Beim Fußballverein war oft Party“, sagt eine Frau. Das sei teils recht laut gewesen.