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Führt bald ein Weg nach irgendwo?

Für den Übergang vom Bahnhof zum Busbahnhof soll es nun Geld geben. Doch an den hohen Kosten entzündet sich Kritik.

© Andreas Weihs

Von Thomas Möckel

Pirna. Vom Pirnaer Busbahnhof aus schwingt sich eine kleine Treppe mit ein paar Betonstufen auf eine kleine Anhöhe hinauf. Für jene, die weniger gut zu Fuß oder gar auf den Rollstuhl angewiesen sind, führt ein gepflasterter Weg zu demselben Ziel. Allerdings sind Pfad und Treppe verwaist, kaum einer hat sie je betreten, aus den Fugen sprießt Unkraut, ein graues Metalltor versperrt seit Jahren den Weg. Der Pfad führt bislang ins Nirgendwo. Nun aber kommt offenkundig Bewegung in die Angelegenheit. Schon seit Jahren wünscht sich die Stadt an dieser Stelle einen direkten Übergang vom Busbahnhof zum Bahnhof, um Reisenden den Umweg vom Großkarossen-Haltepunkt durch die Bahnbrücke hindurch bis zum Bahnsteig zu ersparen. Passiert ist aber bislang nichts.

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Nun aber kündigt der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) an, dass er sein Infrastrukturprogramm fortführen will. Verankert sind darin mehrere Projekte, unter anderem der Übergang in Pirna. So fördert der VVO, heißt es in einer Mitteilung, die Stadt Pirna beim Bau eines Eisenbahnübergangs mit rund 600 000 Euro. Diese Summe spricht nun doch eher dafür, dass an dieser Stelle ein technisch gesicherter Bahnübergang entsteht, mit Blinklicht und Schranken, damit keiner aus Versehen auf die Gleise läuft. Pirna hatte im Gegensatz dazu stets auf einem unbeschrankten Bahnübergang bestanden, der lediglich 65 000 Euro gekostet hätte. Denn auf dem Gleis, das der Übergang einmal queren soll, herrscht nicht gerade reger Verkehr.

Es ist lediglich das Domizil der Städtebahn, die von dort aus einmal in der Stunde ihre Züge in Richtung Neustadt fahren lässt. Doch schon 2006 lehnte die Deutsche Bahn das städtische Niedrigbudget-Ansinnen aus Sicherheitsgründen ab.

Die Bedenken bestanden nach Auskunft des Rathauses wohl hauptsächlich darin, dass dieses eine Gleis weit hinter den Bahnhof hinausreicht und wieder in ein anderes mündet – und so theoretisch auch mal ein anderer Zug als die üblichen durchfahren könnte. Die Pirnaer sehen das ganze Projekt inzwischen mit gemischten Gefühlen.

Lieber Parkplätze statt Schranken

Obwohl sich viele Einwohner und Reisende den Übergang seit Jahren wünschen, kommt nun zunehmend Kritik auf, sei es am Projekt selbst, sei es an den hohen Kosten. Eva Mirschel fragt beispielsweise auf Facebook, ob der vorhandene Weg zum Bahnhof tatsächlich so beschwerlich sei, dass man ernsthaft einen gesonderten Weg brauche. Deborah Leschke schlägt vor, sich endlich mal um wichtigere Dinge zu kümmern als um so einen aus ihrer Sicht nutzlosen Übergang. Nicole Schaffrath empfiehlt ebenfalls, die Gelder lieber sinnvoller zu nutzen. Und Martin Schild schlägt vor, für die 600 000 Euro lieber Parkplätze für die Anwohner zu bauen.

Das Problem an der Sache: Die Sicherheitsstandards bei solchen gesicherten Übergängen treiben die Kosten immens in die Höhe. Zu welch skurrilen Projekten das gelegentlich führen kann, zeigt ein Fall im Hohnsteiner Ortsteil Ulbersdorf von 2009/10. Auch dort ließ die Bahn einen hochmodernen Bahnübergang an der Strecke Sebnitz–Bad Schandau für 600 000 Euro errichten, obwohl dort nur stündlich ein Zug vorbeikommt, es sich um eine Anliegerstraße handelte und sich hinter dem Übergang lediglich ein einziges Wohnhaus befand. Pirna hätte lieber an der preiswerten Variante festgehalten. „Aber Pirna ist in dieser Sache nicht Herr des Verfahrens“, sagt Stadtsprecher Thomas Gockel.

Trotz der zugesagten Gelder für Pirna bleibt aber dennoch ungewiss, wann der Übergang tatsächlich gebaut wird. Zunächst wurde das Vorhaben schon für dieses Jahr avisiert, daraus wird aber aller Voraussicht nach nichts. Nach Auskunft des Rathauses hat die Bahn zwar die Planung beim Eisenbahnbundesamt eingereicht, noch aber prüft die oberste Bahnbehörde das Vorhaben. Wann das Verfahren abgeschlossen wird, steht noch nicht fest, einen konkreten Termin für einen Baustart gibt es daher noch nicht.

Unklar ist derzeit zudem, ob Pirna einen Eigenanteil beisteuern muss. „Den Unterhalt für den Übergang müssen wir später sicher aufbringen“, sagt Gockel. In Kürze sind noch Gespräche mit dem VVO geplant, um weitere Fördermöglichkeiten zu sondieren, zu genauen Zahlen kann die Stadt derzeit noch nichts sagen. „Denn ehrlich gesagt“, sagt Gockel, „haben wir auch nur über eine Pressemitteilung vom Fördergeld des VVO erfahren.“