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Pirna

Für die Braunkehlchen ist es zwei vor Zwölf

Die Population des Singvogel geht deutlich zurück. Die Schuldigen sind bereits ausgemacht.

Braunkehlchen auf seiner Sitzwarte.
Braunkehlchen auf seiner Sitzwarte. © Archiv: Vogelschutzwarte Neschwitz

Das Braunkehlchen ist ein kleiner Singvogel, knapp so groß wie die allbekannte Kohlmeise. Es bewohnt Hochstaudenflure und feuchtes Grasland mit erhöhten Ansitzwarten. Das Nest wird am Boden unmittelbar bei einer dominanten Requisite, einem Koppelpfahl, einem großen Grasbüschel oder Ähnlichem, errichtet und die fünf bis sechs blau-grünen Eier 14 Tage lang bebrütet. Nach etwa 15 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Der Zugvogel Braunkehlchen trifft bei uns Mitte April ein und verlässt die sächsischen Brutgebiete Anfang August.

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Ein aus dem Ruder laufendes Finanzsystem verunsichert viele. Wem ist es schon einmal gelungen, Schulden mit Schulden zu bezahlen, ohne insolvent zu gehen?

In Sachsen lebten Ende der 1990er Jahre noch etwa 4 000 Braunkehlchen-Brutpaare, aber schon sieben Jahre später hatte sich deren Bestand fast halbiert. Heute ist die Art großflächig verschwunden. Geringe Restvorkommen in Sachsen zeigen auch schon deutliche Inzuchtdepressionen, unteranderem verkrüppelte Füße. Solche Vögel sind dem langen, anstrengenden Zugweg nach Afrika einfach nicht mehr gewachsen und deshalb kommen immer weniger Braunkehlchen in ihre Brutgebiete zurück. Früher, noch vor etwa 25 Jahren kannte ich gut 40 Brutvorkommen in der Sächsischen Schweiz, mitunter auch mehrere Paare in einem kleinen Gebiet. Allein um Hinterhermsdorf waren mir zehn Brutplätze bekannt. Doch dass ist schon lange vorbei. Im Jahr 2018 konnten in der rechtselbischen Nationalparkregion nur noch drei Braunkehlchen-Reviere gefunden werden. Der Rückgang ist das deutliche Ergebnis einer verfehlten Agrarpolitik und kann wohl auch nicht wieder rückgängig gemacht werden. So wurde unter anderem vor nicht zu langer Zeit ein mir lange Zeit bekanntes Braunkehlchen-Habitat zwischen Lohsdorf und Hohnstein durch die Pflanzung von Erlen vernichtet. Heute weist ein Schild dort auf eine Zusammenarbeit mit der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ hin. Schon verschiedene andere gedankenlos getätigte und genehmigte Aufforstungen haben in der Vergangenheit viele Lebensräume stark gefährdeter Wiesenbrüter vernichtet.

Der Autor ist Vogelexperte im Nationalpark Sächsische Schweiz.