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Für einen besseren Klang

Die 1099 Pfeifen der Orgel der Grünlichtenberger Kirche werden saniert oder erneuert. Bis zu seinem 150. Geburtstag soll das Instrument wieder spielen.

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© Dietmar Thomas

Von Cathrin Reichelt

Kriebstein. Die Orgel in der Kirche Grünlichtenberg bietet einen ungewöhnlichen Anblick. Die vordere Reihe der Pfeifen, also des Prospekts, fehlen komplett. Sie wurden ausgebaut und sollen ersetzt werden. „Insgesamt besteht die Orgel aus 1 099 Pfeifen aus Zinn, Zink und Holz“, erklärt Michael Kreskowsky, Vorsitzender der Kirchgemeindevertretung Grünlichtenberg. „Die Kleinste ist wenige Millimeter und die Größte knapp fünf Meter groß.“

Der Grund für die Erneuerung: Im Jahr 1917 wurden nicht nur die bronzenen Kirchenglocken demontiert und für die Herstellung von Waffen und Munition eingeschmolzen, sondern auch die Zinn-Prospekt-Pfeifen. Ersetzt wurden sie 19 Jahre später durch den Rochlitzer Alfred Schmeißer. Der verwendete allerdings bronzierte Zinkpfeifen. „Das war damals die preiswerteste Variante“, so Kreskowsky. Der Nachteil: Die Zinkpfeifen haben einen anderen Klang und die Beschichtung ist über die Jahrzehnte immer mehr abgeblättert. Deshalb sollen diese Pfeifen jetzt durch solche aus Zinn ersetzt und alle anderen saniert werden. Das übernimmt die Orgelbaufirma Rühle aus Moritzburg. Die Firma Höhne und Steude aus Leisnig wird das Gehäuse der Orgel aufarbeiten. „Sie hat bereits den Innenraum der Kirche saniert. Wir wollen diese Handschrift beibehalten“, meint Kreskowsky. Im Moment wirke die Orgel wie ein Fremdkörper. Ihre Farbe ist viel dunkler als die Wände ringsherum.

Bis zu Pfingsten 2017 soll die Orgelsanierung abgeschlossen sein. Im Oktober kommenden Jahres wird das Instrument zu seinem 150. Geburtstag mit einem Konzert von Matthias Eisenberg wieder offiziell eingeweiht. Trotzdem muss die Kirchgemeinde inzwischen nicht auf Orgelmusik verzichten. In dieser Woche wird im Altarraum eine kleine Ersatzorgel mit sieben Registern eingebaut. Die große hat 21.

Rund 85 000 Euro kostet die Runderneuerung der Orgel. Ein Teil kommt als Fördergeld von der Landeskirche und der Denkmalpflege. Den Rest muss die Kirchgemeinde aufbringen. Die sammelt bereits seit Jahrzehnten für die Kirchensanierung. Aber auch Veranstaltungen helfen, den Spendentopf zu füllen. Das Benefizkonzert am Wochenende mit den Notendealern brachte insgesamt reichlich 1 000 Euro ein. Das Besondere: Die Musiker entschlossen sich nicht nur kurzerhand, auf einigen der ausgebauten Orgelpfeifen zu spielen. Diese wurden auch signiert und anschließend versteigert. Die Veranstaltung wurde von Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler (FWK) organisiert. „Das ist ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit von Gemeinde und Kirche“, meint Michael Kreskowsky.

Rund 70 Pfeifen, die nicht wieder eingebaut werden, lagern derzeit noch in der Sakristai. Auch sie können gekauft werden. Die nächste Möglichkeit dazu besteht bereits an diesem Sonntag zum Kirchweihfest. Während diesem wird außerdem eine CD angeboten, die der junge Waldheimer Organist Christoph Günther mit Weihnachts- und anderen Liedern eingespielt hat. Der Erlös kommt ebenfalls der Orgelsanierung zugute. Weiterhin sind im kommenden Jahr ein Vortrag und eine Festschrift geplant, in der Kreskowsky alle Orgeln des Kirchspiels Waldheim Geringswalde vorstellen möchte.

Die Sanierung der Orgel ist der vorletzte Abschnitt der seit 1988 laufenden Sanierung der Grünlichtenberger Kirche. Bisher wurden bereits das Dach des Turms mit Kupfer gedeckt, die Hälfte der Fenster ausgetauscht, die Eingangstür erneuert und der Innenraum restauriert. Dabei wurden der Kohleofen entfernt, die Bänke verkürzt und Sitzheizungen eingebaut sowie die Wände in den hellen Farben gestrichen, die auf historischen Aufnahmen zu sehen sind. An den Seiten entstand Platz, der jetzt für wechselnde Ausstellungen genutzt wird. Nun müssen noch die restlichen Fenster getauscht und die Fassade der Kirche verputzt werden. Wann steht aber noch nicht fest. Denn dafür muss die Kirchgemeinde erst wieder sparen.

Kirchweihfest in Grünlichtenberg: 6. November 14 Uhr mit dem Ephoralchor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Holger Schmidt.