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Für Liebhaber

Unter dem Thürmer-Museum eröffnet ein Auktionshaus und führt eine große Tradition fort.

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© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. In Meißen zu Hause – Kunden in der ganzen Welt. Mit dieser Geschäftsidee beschreitet der gebürtige Chemnitzer Frank Händel im Erdgeschoss des Thürmer-Pianoforte-Museums ab diesem Wochenende neue Wege. In eleganten braunen Lederschuhen, blauem Hemd und heller Hose öffnet der 36-Jährige die Tür zu seinem frisch eingerichteten Reich. Gerade werden die letzten Leisten knapp unterhalb der Decke montiert. An ihnen sollen künftig Gemälde und Grafiken hängen.

Ein Stück weiter hinten im Raum reiht sich Vitrine an Vitrine. Porzellan-Clowns von Künstler Peter Strang schauen dem Besucher neugierig entgegen. Daneben tickt es leise. Ein komplett goldenes Gehäuse dämpft die Geräusche des Specimatic-Uhrwerks. Das wertvolle Sammlerobjekt wurde in den 1970er Jahren in Glashütte für den Export zusammengesetzt. Die Produktionszahlen liegen im Vergleich zu den Millionengrößen der Specimatic-Fertigung extrem niedrig.

„In einem normalen Antiquitäten-Geschäft müssen solche außergewöhnlichen Stücke oft sehr lange auf Käufer warten“, sagt Frank Händel. Der Grund dafür ist einfach: Es dauert seine Zeit, bis ein Liebhaber darauf aufmerksam wird und dieser muss zudem über das nötige Geld verfügen. Händel, der eigenen Angaben zufolge bereits seit 20 Jahren im Antiquitätenhandel Erfahrungen sammelt, spricht von frustrierenden Folgen für den Einlieferer solcher Objekte. „Die Händler sind meist gezwungen, den Preis zu drücken, weil die Verkaufsaussichten unklar sind und nicht so viel Kapital gebunden werden kann.“

Mit seinem Auktionshaus will er diesen Mangel beheben. Vier bis sechsmal im Jahr – beginnend im Dezember – sollen hier Antiquitäten aller Art unter den Hammer kommen. Dazu wird ein ausführlicher Katalog erstellt, der im Internet einsehbar ist. Käufer aus der ganzen Welt können auf diese Weise mitbieten. Zögern allerdings funktioniert nicht. Schlägt Frank Händel als Auktionator zu, muss das Gebot stehen. Auf diese Weise, sagt er, ließen sich für die Einlieferer der Auktionsstücke deutlich höhere Preise erzielen, als im traditionellen Fachgeschäft.

Meißen hat der Sachverständige für Antiquitäten und Kunst sowie Gutachter für Diamanten, Edelsteine und Schmuck aus einem ganz speziellen Grund als Standort für sein Geschäft gewählt. „Ich halte die Stadt für eine Perle, die viel zu oft in der Schublade bleibt“, sagt er. Mit seinen kleinen Perlen möchte er helfen, der großen Perle zu noch größerer Bekanntheit und vor allem Beliebtheit zu verhelfen.

Frank Händel tritt einen Schritt aus seinem Laden hinaus an die Triebisch. Eine Lounge soll an dieser Stelle zu Kaffee oder Wein einladen. Händel führt damit eine Familientradition fort. Seine Eltern betrieben bis 2012 im Chemnitzer Jugendstilviertel Kaßberg die letzte nach der Bombardierung erhaltene Filiale des berühmten Kaffeehauses Efreuna. Dieses Erbe wolle er unter gleichem Namen fortführen, sagt er. Nachdem er über Jahre die Geschäftsgründung neben Jobs als Diplom-Physiker und Manager vorbereitet habe, werde nun ein Kindheitstraum Wirklichkeit. „In einem Kaffeehaus genießt man die schönen Stunden des Lebens, in einem Auktionshaus genießt und kauft man die schönen Dinge des Lebens“, fasst es Händel zusammen.

Zur Eröffnung gibt es am 2. und 3. September von 10 Uhr bis 18 Uhr sowie am 4. September von 13 Uhr bis 18 Uhr Gelegenheit, das Auktionshaus zu besuchen.

Es finden auch Führungen und Konzerte im Museum statt.