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Fußballverückte Kita-Kinder

Die Kneipp-Kita stellt 25 Einlaufkinder zum Dresden-Cup. Das passt ins Konzept.

© Sven Ellger

Von Jochen Mayer und Nina Gottlöber

Eine spanische Flagge brachte Emma aus dem Urlaub mit. Die hängt im Kindergarten neben der Dynamo-Fahne. Wimpelketten schaukeln an der Decke. Die Fußball-EM grüßt noch, obwohl da schon alles entschieden ist. Doch Länderkunde und Fußball bleiben ein Dauerthema in der Kneipp-Kindertagesstätte in Johannstadt.

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„Die Kinder fiebern nicht nur zur EM mit“, erzählt Erzieherin Ina Storch. „Vom deutschen Team kommen sie schnell auf Dynamo zu sprechen – und umgekehrt.“ Über Fahnen erzählen die Steppkes auch vom Urlaub, was sie erlebten, was andere Kulturen und Lebensweisen so für Überraschungen bieten.

Jetzt sind sie aufgeregt, weil es am Sonnabend in das DDV-Stadion geht zu den Profis von Dynamo Dresden, Werder Bremen, dem FC Everton oder Real Betis Sevilla. Zum Spiel Dynamo gegen Bremen marschieren 25 Knirpse in Drewag-Dressen auf den Platz – als Einlaufkinder beim Bundeswehr-Karriere-Cup. „Ihnen ist eigentlich egal, mit welchem Team sie auflaufen. Es wird ein Riesenerlebnis“, weiß Ina Storch. Sie kennt die Gefühlswelt, da die Vorschulgruppen der Kita traditionell eine Stadionführung machen. 2015 standen sie im K-Block, sangen voller Inbrunst das Dynamo-Lied. Der Nebeneffekt: „Viele Eltern fanden wieder zu Dynamo und gehen ins Stadion.“

Die Kinder haben einen Garten im Objekt, viel Grün und Auslauf. Regelmäßig sind sie im nahen Großen Garten, probieren sich am Kletterbaum. Manchmal schauen sie den Dynamos beim Training zu, freuen sich, wenn ein Ball über den Zaun fliegt. Und was sagen die Jüngsten? Die vierjährige Laetitia hat ihre Erfahrungen vom Fußballgucken: „Manchmal schießen sie den Ball ins Tor, manchmal nicht. Und manchmal fallen sie hin. Aber sie tun sich nicht weh, der Rasen ist weich.“ Der dreijährige Emil war schon im Stadion. Am Torjubel beteiligte er sich noch nicht, „weil es zu laut war“. Der Stadionrasen ist bisher weit weg gewesen. Das ändert sich nun.

Kinder jagen immer Bällen nach

Ina Storch kann begeistern, weil sie sich selbst für Dynamo begeistert. Die sportliche Frau setzt auf Fitness, spielt Volleyball, läuft und trainierte mit ihrer Kollegin Heike Riedel mal die Jüngsten bei Dynamo, als es eine Kooperation mit der Kita gab. Das ist Geschichte, seit der Zweitligist auf ein neues Nachwuchskonzept setzt. „Fußball bleibt aber ein Thema, weil die Kinder immer Bällen nachjagen“, sagt die 49-Jährige. „Wir setzen auf die positiven Seiten des Sports, leben die auch vor.“ Dabei ist es gleichgültig, ob die Kinder im Bayern-Dress kommen oder ob sie für Italien sind, weil sich dort im Urlaub eine Freundschaft anbahnte. „Die Kinder sollen und wollen was erleben“, sagt Ina Storch.

So freut sich ein Junge, mit Bremen aufzulaufen. Seine Mutter kommt aus dem Norden. „Schade, dass Eilers nicht spielt“, bedauert Ina Storch, die seit 1985 in der Einrichtung arbeitet, den Wandel erlebte zur ersten Kneipp-Kita Dresdens. Wasser ist dabei ein zentrales Element im Konzept. Es spritzt im Garten, Wassertretbecken und Sauna sorgen für Entspannung. Die Kinder haben keine Berührungsängste.

„Unser Kindergarten fördert die Bewegung“, sagt Anne-Kathrin Kollar, die Leiterin der Einrichtung, deren Träger das Jugend- und Sozialwerk ist. „Unser Konzept schätzen sportbegeisterte, aktive Eltern. Deshalb ist die Nachfrage nach unseren Plätzen auch so groß. Wir suchen die Balance zwischen Spannung und Entspannung.“ Sport gehört dazu – aber auch Mittagsruhe. Jede Gruppe hat einmal in der Woche einen Sportvormittag. „Es geht dabei nicht um Leistung“, sagt die Leiterin, „wir drängen die Kinder in keine Richtung, wollen den natürlichen Bewegungsdrang unterstützen.“ Für die Jüngsten gibt es den Sportraum, die Großen gehen einmal pro Woche in die Turnhalle der Canaletto-Schule.

Anne-Kathrin Kollar erlebt, wie Vorbilder wirken: „Kinder sind geprägt durch Eltern, Geschwister, Freunde. Fußball ist da meist in aller Munde. Die Kinder nehmen das wahr, sie eifern Vorbildern nach, spielen Szenen nach. Am Fußball kommen wir in der Kita nicht vorbei.“ Übertriebenen Ehrgeiz hat sie dabei unter den 150 Kindern in acht Gruppen nicht beobachtet, alles ist spielerisch. Wenn die Vorschule naht, kommt Ehrgeiz von alleine. „Dann geht es darum zu vermitteln“, sagt die aus Meißen stammende Diplom-Heilpädagogin, und zu zeigen, „dass es Regeln gibt, man fair spielen soll. Auch da sind Erwachsene Vorbild.“ Und wenn im Fernsehen Foulspiele zu sehen sind, dann wird oft die Konsequenz mitgeliefert: Gelb oder Rot.

Am Sonnabend können 25 Kinder das alles aus der Nähe erleben. Und sie werden viel zu erzählen haben. Auch im Großen Garten, wenn sie wieder mal Dynamo-Spieler beim Training beobachten, oder wenn sie merken, wie schwierig es ist, den Ball ins Tor zu bekommen.

Tickets:www.etix.com; Tel: 01805 303435 (14 ct/min dt. Festnetz, Mobil max. 42ct/min, Mo–Fr. 10–17 Uhr), an allen bekannten Vorverkaufsstellen.