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Gefährlich lockere Bäume

Im Lößnitzgrund ist gerade eine große Buche umgestürzt. Die Stadt hat deswegen die privaten Waldbesitzer angeschrieben.

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© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Das kann beinahe jeden Moment und an vielen Stellen im Lößnitzgrund passieren: Ein Baum stürzt um. Vor einigen Tagen erst geschah das am Rieselgrundweg, der von Wahnsdorf hinab in den Lößnitzgrund führt. Anja Osang vom Sachgebiet Stadtgrün im Stadtbauamt: „Kurz bevor der große Baum umstürzte, hatten wir mit Revierförster Ennersch genau an der Stelle noch unseren Kontrollgang.“

Abgeholzte Bäume und Sträucher am Rieselgrundweg in Radebeul.
Abgeholzte Bäume und Sträucher am Rieselgrundweg in Radebeul. © Norbert Millauer

Die Frau, die in der Stadt für die heimischen Bäume zuständig ist, nahm das sofort zum Anlass, die Grundstücksbesitzer anzuschreiben. Weil: Hier gehört der Wald bis zu 15 verschiedenen Eigentümern. Und die sind alle für ihr Stück und das, was dort gefährlich werden könnte, zuständig. „Wenn etwas passiert, haften diese Bürger“, sagt Revierförster Ronald Ennersch.

Am Rieselgrund ist glücklicherweise nichts passiert. Eine gewaltige Buche ist urplötzlich umgestürzt und hat die benachbarten Bäume mit beschädigt. Anja Osang: „Der Besitzer hat auch reagiert und vor dem Karl-May-Fest noch die rundum wackligen Stämme gefällt. Schließlich ist hier reichlich Publikumsverkehr.“

Damit sich auch andere Besitzer von Waldstreifen kümmern, hat die Stadt diese – zum wiederholten Male – aufgefordert, zusätzliche Begehungen durchzuführen und notfalls kritische Bäume zu fällen. Revierförster Ennersch sagt, warum der Wald gerade in diesen Tälern in Radebeul solcher Beachtung bedarf: Mitunter schon einen halben Meter unter der Oberfläche befinden sich Felsplatten. Die Bäume können nicht tief wurzeln. Zugleich wachsen sie aber mit guter natürlicher Bewässerung gehörig in die Höhe und bekommen tonnenschweres Gewicht. Wasser und Hanglage arbeiten zugleich an der Standfestigkeit.

Vom Hang her geschädigt

Typische Anzeichen für einen gefährlich werdenden Baum seien beispielsweise zunehmend freiliegende Wurzeln, die zumeist unterspült wurden. Nicht selten neigen sich die Stämme dann bereits. Ennersch: „Oftmals sind die Schäden von den Wanderwegen gar nicht zu sehen, weil die Bäume vom Hang her geschädigt werden.“ Mit Regengüssen schlägt Geröll gegen die Stämme und verletzt die Rinde an der Hangseite. An solchen Stellen ohne Rinde faulen die Bäume. Ein typisches Zeichen seien wachsende Pilze an der Hangseite, so der Revierförster.

Der Waldexperte rät den Besitzern, zweimal im Jahr durch den Bestand zu gehen. Einmal in der Zeit mit Laub und einmal im Winter ohne Laub. Im Sommer sei gut zu erkennen, ob der Baum auch schon in Teilen der Krone kein Laub mehr trage. Ohne Laub im Winter seien Risse schneller zu erkennen.

Anja Osang vom Stadtgrün kennt ihre rund 7 000 Bäume, die der Stadt gehören, ziemlich genau. Sie selbst und zum Teil beauftragte Fachleute würden jeden Stamm einmal im Jahr anschauen und den Zustand einschätzen. Am oft befahrenen Meiereiweg habe die Stadt begonnen, wacklige Bäume schon vorsorglich zu fällen. An solche Stücke sollen Gehölze angepflanzt werden, die nur niedrig wachsen und damit keine Gefahr mehr für vorbeifahrende Autos oder Wanderer darstellen.

Vor dem Buchensturz am Rieselgrundweg war direkt im Lößnitzgrund ein Baum gefallen. Auch hier ist, glücklicherweise, niemand zu Schaden gekommen. Vor fünf Jahren stürzte kurz nach acht Uhr morgens ein Baum mitten auf die Straße. Wenige Meter vor der Kühlerhaube eines Autos. Deshalb hat die Stadt erneut die Waldbesitzer zur Kontrolle aufgefordert. „Der Lößnitzgrund ist nicht ohne“, so Anja Osang.