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Gefährliches Geländer

Beim Bau der neuen Brücke über die Lockwitz hat keiner an kleine kletterfreudige Kinder gedacht, sagt ein Stadtrat. Und setzt sich fürs Nachbessern ein.

© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Coswig. Christian Buck kommt fast jeden Tag vorbei an der Lockwitzbrücke, wenn er mit seinem Hund unterwegs ist im Wald zwischen Auerstraße und Wohngebiet Spitzgrund. Was der Stadtrat (CBL) da oft sieht, gefällt ihm nicht.

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Die Brücke Am Bach dagegen, etwas unterhalb, hat ein dichteres Geländer.
Die Brücke Am Bach dagegen, etwas unterhalb, hat ein dichteres Geländer. © Christian Buck

Zwar ist die neue Brücke ganz am Ende der Birkenstraße – bei der Hochwasserschadenssanierung des Baches erst vor Kurzem entstanden – ein ansehnliches, offensichtlich widerstandsfähiges Bauwerk. Im Gegensatz zur früheren flachen Gewässerquerung mit Betonbohlen. Doch die Neuheit hat aus Sicht des Architekten einen gewaltigen Nachteil: das Geländer. Sicher, auch das ist stabil. Und sogar an den Enden angewinkelt. Quasi ein Trichter, der den Nutzer sicher leitet, damit niemand vom Weg abkommt und im Bach landet.

Nur an eines hat offensichtlich keiner gedacht: dass hier tagtäglich viele Kinder unterwegs sind. Und dass das Geländer gerade für die Kleineren zur Unfallquelle werden kann. Was im schlimmsten Fall mit einem Sturz enden könnte. Ins mit spitzen Steinen ausgestattete Bachbett aus 3,10 Meter Höhe – zwei Meter bis zur Brückenoberkante, 1,10 Meter Geländerhöhe.

Schon im Mai hat Christian Buck in der Stadtratssitzung vorgeschlagen, da etwas zu verändern. Hat er doch nicht selten selbst von Berufs wegen mit solchen Problemen zu tun. Die DIN-Vorschrift zur Geländerhöhe für Kleinkinder kennt er auswendig. Der lichte Abstand der Geländerteile in eine Richtung darf nicht mehr als zwölf Zentimeter betragen. Da darf kein Kleinkinderkopf durchpassen. Senkrechte Stäbe oder eine Scheibe im unteren Bereich bis zur Höhe von 70 Zentimetern sollen das Überklettern verhindern.

Zwar gilt das für Gebäude, wo mit unbeaufsichtigten Kleinkindern zu rechnen ist. Doch die sind auch hier, unmittelbar am Wohngebiet Spitzgrund, an der Lockwitz unterwegs, wie Christian Buck regelmäßig feststellt. Schulkinder kommen, die von der Förderschule durch den Wald heimlaufen. Geschwisterkinder, die ihre kleinen Brüder oder Schwestern mitbringen zum Spielen am Bach. Und wenn der Winter es zulässt, kleine Rodler auf dem Rodelberg gleich neben der Brücke. Da könnte das offene Geländer auch gefährlich werden, falls jemand dagegen kracht.

Stadtrat Buck mahnt Veränderung an. Schließlich gibt es ein paar Meter bachabwärts eine weitere Brücke. Mit vorschriftsmäßigem Geländer, wie er sagt. Weil es sich da um einen Schulweg handelt. Das an der Birkenstraße sei ein Wanderweg, wurde ihm mitgeteilt. Der städtische Bereich höre eher auf, im Waldgebiet würden die Vorschriften nicht zählen.

Unabhängig davon müsse ein Schutz her, vorbeugend, sagt Christian Buck, der an einen möglichen Unfall samt Folgen – bis zur möglichen Haftung – gar nicht denken mag. Wie die Sicherung aussieht, ob neues oder ergänztes Geländer, sei zweitrangig. Hauptsache, niemand kann durchfallen oder drüberklettern. Und vandalismussicher müsse es auch sein.

Der Architekt rechnet mit Kosten von 3 000 bis 4 000 Euro. Hat selbst an der Triebisch in Meißen ein entsprechendes Geländer geplant, 15 Meter, netto 2 000 Euro.

Es geht um Kinder, nicht um Vorschriften, betont Christian Buck auch jüngst in der Stadtratssitzung, legt Fotos vom Problemgeländer und von einer besseren Lösung vor. Von OB Frank Neupold (parteilos) kommt Zustimmung zu Bucks Vorschlag. Auch wenn der OB zu bedenken gibt, dass im gesamten Kreisgebiet noch solche alten Geländer vorhanden sind. Um die Finanzierung der Veränderung gegenüber den Aufsichtsbehörden zu sichern, brauche es einen Stadtratsbeschluss und dafür einen machbaren Vorschlag, damit alles rechtzeitig in Ausschuss und Rat geht, so der OB.

Er habe die notwendigen Unterlagen geliefert, sagt Christian Buck. Nun müssen die Stadträte entscheiden,