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Geisinger Talent landet  Medaillen-Coup

Mit dem deutschen Team holte Klara-Hermine Fomm in Estland überraschend EM-Bronze. 

Von Stephan Klingbeil
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Zwischen all den Auslandsreisen hatte Clara-Hermine Fomm beim Training in Geising Zeit für den SZ-Fotografen.
Zwischen all den Auslandsreisen hatte Clara-Hermine Fomm beim Training in Geising Zeit für den SZ-Fotografen. © Foto: Egbert Kamprath

Nächster Halt Xining: Klara-Hermine Fomm vom 1. Sächsischen Curlingverein Geising ist am Mittwoch nach China geflogen. Im Gastgeberland der kommenden Olympischen Winterspiele 2022 findet das nächste Turnier der World Curling Tour statt. Vielleicht klappt es ja, und die 19-Jährige aus dem kleinen Altenberger Ortsteil Löwenhain sorgt auch dort mit dem Team um die Füssenerin Daniela Jentsch für eine Überraschung.

Die deutschen Curlerinnen waren erst vor wenigen Tagen aus Schottland zurückgekehrt. Beim dortigen World-Curling-Turnier in Perth hatte das bayrisch-sächsische Quartett den dritten Platz erklommen. Es musste sich nur den späteren Siegerinnen aus der Schweiz geschlagen geben. Damit knüpfte die deutsche Auswahl mit dem Geisinger Talent an ihren Sensationserfolg von der EM im estnischen Talinn an.

Im November gewann das Team dort Bronze und holte damit die erste deutsche EM-Medaille seit 2009. Die Mannschaft von Routinier Jentsch setzte sich im Spiel um Platz drei mit 7:4 gegen Russland durch. Zuvor hatten die Deutschen das Halbfinale knapp verloren – mit 4:6 gegen die Schweiz, die danach im Europameisterschaftsfinale gegen Schweden unterlag.

Darüber hinaus qualifizierten sich die deutschen Frauen durch den Coup – ebenso wie die bei der EM am Ende viertplatzierten Männer – direkt für die Weltmeisterschaften 2019. So umgingen die Deutschen den beschwerlichen, kostspieligen Umweg über das Qualifikationsturnier in Neuseeland. Der wäre wohl finanziell nur sehr schwer zu stemmen gewesen für die Teams in Schwarz-Rot-Gold - und die Konkurrenz umso stärker.

Nun sind die Tickets aber schon sicher. „Dass es auch mit Bronze geklappt hat, war doch schon sehr überraschend“, sagt Klara-Hermine Fomm. „Und dass es die erste Medaille für deutsche Curler nach so vielen Jahren war, wusste ich gar nicht. Das erfuhren wir erst später aus den Medien“, erklärt sie. „Wir hatten Bronze genauso wenig auf dem Schirm wie unser Verband. Wir sind ohne große Erwartungen nach Tallinn gefahren.“ Die ursprünglichen Ziele waren, zunächst im Zehnerfeld der EM nicht die beiden letzten Plätze zu belegen und so den Klassenerhalt in der A-Gruppe zu packen – und dann die WM-Qualifikation unter Dach und Fach zu bringen.

Am Ende erkämpfte sich das Team also auch noch Edelmetall. Die Freude darüber in ihrer Heimat im Osterzgebirge war groß, sagt die Schülerin vom Sportgymnasium in Altenberg. „Es haben mir sehr viele Leute gratuliert, einige hatten live am Bildschirm oder online mitgefiebert mit uns“, so das Talent weiter, das dieses Jahr mit Marlene Grieser, Emira Abbes und Fiona Wunderlich schon Deutscher U 21-Vizemeister geworden war.

„Eine solche Unterstützung zu erfahren, ist ein tolles Gefühl.“ Auch seien nach dem Erfolg mehr Gäste zum Juniorentraining ins Geisinger Grindelstadion gekommen. So ein Edelmetall sorge für mehr Interesse für ihren Sport – auch bei Sponsoren. „Und ohne die ginge bei uns Curlern nicht viel“, sagt die 19-Jährige, die seit dem Sommer zum Team der 36-jährigen Jentsch gehört, wo sie die jüngste Spielerin ist.

„Ich habe aber dort keine Sonderrechte, fühle mich auch nicht wie das Nesthäkchen“, betont die junge Sächsin. „Wir verstehen uns super in dieser neu formierten Mannschaft, harmonieren gut. Es macht Spaß, mit den anderen unterwegs zu sein.“

Und aktuell kommt sie viel in der Welt herum. Die Abitur-Vorbereitung und die Hausaufgaben, die ihr die Lehrer ihrer Leistungssportklasse regelmäßig zukommen lassen, erledige sie im Flieger, im Hotel oder in den Tagen, wenn sie mal zu Hause ist. Nach ihrer WM-Premiere in Dänemark will die Curlerin im kommenden Frühjahr erst mal „Abi machen“, ihre Leistungsfächer sind Sport und Mathematik. Im Sommer werde sie sehen, wie es weitergeht.