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"Riester-Rente muss weg"

Mehr als 16 Millionen Riester-Verträge sind seit Einführung der Zusatzvorsorge verkauft worden. Die Verbraucherallianz fordert ein neues System.

Zwanzig Jahre nach ihrem Start ist die Riester-Rente so umstritten wie selten zuvor.
Zwanzig Jahre nach ihrem Start ist die Riester-Rente so umstritten wie selten zuvor. © dpa

Berlin. Zwanzig Jahre nach ihrem Start ist die Riester-Rente so umstritten wie selten zuvor. Eine Verbraucherallianz forderte am Dienstag: "Die Riester-Rente muss weg, Deutschland braucht einen Neustart." Die Verbraucherschützer, der Bund der Versicherten und die Bürgerbewegung Finanzwende fordern ein grundsätzlich neues System der privaten Zusatzvorsorge fürs Alter, bei der jeder gesparte Euro effizient eingesetzt werden müsse. Sie kritisieren die Riester-Rente als teuer und ineffizient. Verbände der Versicherungs- und Finanzbranche plädierten dagegen für eine Reform.

"Die Riester-Rente wurde zwanzig Jahre lang reformiert. Mittlerweile ist klar, sie ist nicht reformierbar", argumentierte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Klaus Müller. Unter dem Motto "Stoppt die Riester-Rente - sonst sehen wir alt aus" fordern die drei Organisationen, nach der Bundestagswahl zu Beginn der neuen Legislaturperiode, die Riester-Rente zu beenden. Sie plädieren für die Einführung eines öffentlich organisierten Angebots. Alle bereits laufenden Verträge sollten weiter wie bisher gefördert werden.

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"Es braucht ein einfaches und kostengünstiges Vorsorgeangebot für die Bürger", sagte der Mitbegründer der Bürgerbewegung Finanzwende und frühere Grünen-Politiker, Gerhard Schick. Nach einer Finanzwende-Studie fließt bei einer durchschnittlichen Riester-Versicherung fast jeder vierte eingezahlte Euro in die Kosten. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten kritisierte, die Riester-Rente sei ineffizient, intransparent und handwerklich schlecht umgesetzt worden.

Zinsflaute an Kapitalmärkten

Der Bundestag hatte am 11. Mai 2001 das Altersvermögensgesetz beschlossen und damit den Weg freigemacht für die Riester-Rente als private Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung. Mehr als 16 Millionen Riester-Verträge wurden verkauft, in einen Teil zahlen Vorsorgesparer allerdings nicht mehr ein.

Unter Druck geraten ist das Riester-Modell zudem durch die Zinsflaute an den Kapitalmärkten. Ab dem 1. Januar 2022 dürfen Versicherer nach einer Entscheidung des Bundesfinanzministeriums bei Neuverträgen wegen der Zinsflaute maximal noch eine jährliche Verzinsung von 0,25 Prozent versprechen. Das dürfte in vielen Fällen wegen der Kosten jedoch nicht reichen, um eingezahlte Eigenbeiträge und staatliche Zulagen bei künftigen Verträgen zu 100 Prozent zu garantieren. Verzinst wird nicht die Gesamtsumme, sondern nur der Sparanteil nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten sowie des Beitrags für einen Todesfallschutz.

Verbesserungsbedarf

Der Branchenverband GDV warnte, viele Riester-Anbieter würden sich ab 2022 vom Markt zurückziehen. "Das führt zu einer Defacto-Beerdigung der Riester-Rente." Der Verband schlägt vor, die Garantie des Beitragserhalts von 100 auf 80 Prozent zu senken. Zugleich betonte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen, Riester funktioniere. "Mit aktuell über 16 Millionen abgeschlossenen Verträgen ist Riester die weltweit erfolgreichste freiwillige staatlich geförderte Altersvorsorge." Ein Staatsfonds, wie vom Verbraucherzentrale Bundesverband vorgeschlagen, löse das Problem nicht.

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Der Versicherungsverband sieht aber Verbesserungsbedarf, zum Beispiel über ein vereinfachtes Fördersystem und ein einfaches, digital vertriebenes Standardprodukt. Kritik an fehlender Transparenz bei den Riester-Vertragskosten teilte Asmussen nicht. Diese würden im Vorfeld vom Versicherer offengelegt.

Der Fondsverband BVI sprach sich neben flexiblen Garantien ebenfalls für eine Vereinfachung des Riester-Systems aus. Das ermögliche niedrigere Kosten für alle Riester-Sparer. (dpa)

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