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Geldsorgen im Görlitzer Waidhaus

Die Deutsche Stiftung gibt kein Geld mehr fürs Denkmalzentrum im Waidhaus. Der Verein hofft nun auf andere Quellen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Sebastian Beutler und Matthias Klaus

Als Damian Szmit das Stecheisen ansetzt, ist die Welt im Waidhaus noch in Ordnung. Der junge Pole ist einer von acht Tischlern, die im Juli dieses Jahres hier eine Ausbildung erhalten, eine Spezialausbildung. Sie werden im Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege in historischen Handwerkstechniken geschult. Vier bis fünfmal pro Jahr kommen bisher Gäste in das Haus, die in unterschiedlichen Gewerken ausgebildet werden.

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Ob das auch in Zukunft möglich sein wird, steht in den Sternen. Denn die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat beschlossen, die Finanzierung einzustellen.

Bauboom in Deutschland ist das Problem

„Stiftungsrat und Vorstand sehen angesichts der rückläufigen Teilnehmerzahlen keine Möglichkeit, das Handwerkszentrum zu fördern“, sagt Ursula Schirmer, Pressesprecherin der Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Der Rückgang der Teilnehmerzahlen liege nicht an den Mitarbeitern des Fortbildungszentrums vor Ort, vielmehr – so kurios es klingt – am Bauboom in Deutschland. Die Betriebe sind so gut ausgelastet, dass sie keine Mitarbeiter zu mehrmonatigen Weiterbildungen schicken können. Die Regel bei den Teilnehmerzahlen laute: „In guten Bauzeiten sind die Kurse leer, in schlechten voll.“ Nach Angaben von Frau Schirmer nehmen nur noch fünf bis zehn Teilnehmer an den bis zu drei Monate langen Kursen teil. Das sei zu wenig.

Im Moment läuft der Theorie-Teil für einen Restauratorenkurs, bald beginnt ein praktischer Kurs für Maler. Noch im Juni vergangenen Jahres hatte die Stiftung gegenüber der SZ erklärt, die Finanzierung des Fortbildungszentrums stehe – trotz schon damals sinkender Teilnahmezahlen.

Andreas Vogel, Geschäftsführer des Görlitzer Fortbildungszentrums, äußert sich derzeit nur vorsichtig zur Zukunft des Waidhauses. „Erst einmal geht alles weiter seinen geregelten Gang“, schildert er. Die anstehenden Kurse finden wie geplant statt. Alles andere, Kommende, werde beraten. „Ob am Ende tatsächlich das Aus steht – abwarten“, sagt Andreas Vogel. Möglicherweise, schildert er, finden sich ja andere Partner.

Ende im Sommer 2016?

Wenn niemand an der Stelle der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Förderung des Zentrums übernimmt, dann wird es Mitte des nächsten Jahres seine Arbeit einstellen. Das betrifft das Fortbildungszentrum im Waidhaus und die Leitung des Zentrums, die hinter der Peterskirche sitzt. Was mit dem Gästehaus im Karpfengrund geschieht, ist offen. Im Gegensatz zum Waidhaus gehört der Karpfengrund der Stiftung. Übernachtungsmöglichkeiten sollen laut Frau Schirmer auch künftig im Karpfengrund zur Verfügung stehen. Welche darüber hinaus gehende alternative Nutzung, dafür sei es aber im Moment noch zu früh.

Das Waidhaus gehört der Stadt, ist nur vermietet an den Handwerkszentrum-Verein, fällt an die Stadt dann wieder zurück. Das Fortbildungszentrum war im April 1992 gegründet worden – als zweites seiner Art in Deutschland. Völlig unabhängig von der Entwicklung beim Fortbildungszentrum ist hingegen die Jugendbauhütte im Finstertor. „Die Entwicklung dort ist sehr erfreulich. Wir haben steigende Teilnehmerzahlen und sind stolz darauf“, sagt Frau Schirmer. „Es wäre fatal, wenn wir das beenden.“

Das Waidhaus ist der älteste erhaltene Profanbau der Stadt Görlitz. Heute ist das Haus neben der Peterskirche Sitz der Denkmalakademie und des Fortbildungswerkes. Der Name Waidhaus stammt aus der Zeit, als das Gebäude als Lager für die Pflanze Waid genutzt wurde. Das passierte ab etwa 1530. Waid war eine Pflanze mit der Textilien blau gefärbt werden konnten, eine Konkurrenz zum teuren Indigo aus Indien. Die Pflanze wurde rund um Görlitz angebaut.