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Gemeinde beschließt höhere Gebühren für Sporthallen-Nutzung

Vereine, vor allem solche mit Angeboten für Kinder und Jugendliche, werden als Ausgleich künftig unterstützt.

Von Sven Görner
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Für die Sporthalle Boxdorf gelten ab 1. August ebenso neue Gebühren wie für die Hallen in Moritzburg und Reichenberg.
Für die Sporthalle Boxdorf gelten ab 1. August ebenso neue Gebühren wie für die Hallen in Moritzburg und Reichenberg. © Arvid Müller

Moritzburg. Die Erhöhungen sind drastisch. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Dort betragen die Gebühren künftig mehr als das Dreifache der bisherigen Stundensätze. Für die Turnhalle in Reichenberg sogar über das Vierfache. 

Das zeigt der Vergleich zwischen den derzeit noch aktuellen Nutzungsentgelten für die drei Sporthallen in Boxdorf, Reichenberg und Moritzburg sowie den in der jüngsten Gemeinderatssitzung neu beschlossenen. In Kraft treten sollen diese allerdings erst ab dem 1. August dieses Jahres. Und das hat einen triftigen Grund.

Hätte die Entscheidung allein bei der Moritzburger Verwaltung und dem Gemeinderat gelegen, wäre wohl alles beim Alten geblieben. Aber der Beschluss, den die Räte am Montagabend in Boxdorf gefasst haben, war längst überfällig. Und eigentlich ist er auch nicht komplett.

 Denn festgelegt wurden lediglich neue Gebühren für die genannten Sporthallen und den Fitnessraum in Boxdorf. Der deutlich schwierigere Teil, die Kalkulation der Gebühren für die Dorfgemeinschaftshäuser und andere öffentliche Einrichtungen, steht dagegen noch aus.

Beauflagt worden war die Gemeinde Moritzburg zur Überarbeitung der Gebühren bereits Ende 2014. Im Ergebnis einer überörtlichen Prüfung der Haushalts- und Wirtschaftführung der Gemeinde in den Jahren 2006 bis 2010 durch das staatliche Rechnungsprüfungsamt Wurzen.

 Doch weil damals an der Einführung der neuen Haushaltsführung Doppik gearbeitet wurde und wichtige Jahresabschlüsse fällig waren, konnte das Rathaus mehrfach eine Terminverlängerung für die geforderten Gebührenkalkulationen beim Kommunalamt des Meißner Landratsamtes erreichen. Letztmals im März vergangenen Jahres. Mit dem eindringlichen Hinweis, nun endlich zu handeln.

Nun also hat der Gemeinderat für die Sporthallen neue Gebühren beschlossen, für deren Kalkulation die Kosten der Jahre 2015 bis 2017 und die zu erwartenden Aufwendungen bis 2023 berücksichtigt wurden. Für ortsansässige Vereine, die für den Trainings- und Wettkampfbetrieb die Hallen regelmäßig nutzen, steigen damit die Kosten. 

Zahlen sie derzeit in Boxdorf noch acht Euro pro Stunde (Kinder- und Jugendgruppen vier Euro) sind es künftig 12,84 Euro, unabhängig vom Alter. Bei mehr als sieben Stunden am Stück wird ein Tagessatz von 141,25 Euro fällig. In Moritzburg steigt die Gebühr von vier bzw. zwei Euro auf 7,20 Euro. 

Der Tagessatz beträgt hier 79,21 Euro. Am deutlichsten schlagen die Mehrkosten in Reichenberg zu Buche. Hier werden mit der neuen Reglung 11,57 Euro fällig, die noch aktuellen Stundensätze liegen bei fünf und 2,50 Euro. Der Tagessatz hier ist 127,22 Euro.

Was beim Vergleich der noch gültigen und der neuen Gebühren auffällt: Für alle Vereine der Gemeinde, die nicht regelmäßig in den Hallen sind, und für alle übrigen Interessenten wird es künftig sogar deutlich billiger. Sie mussten bisher beispielsweise für Boxdorf 35 beziehungsweise sogar 50 Euro zahlen. 

„Wir haben festgestellt, dass es aus diesen beiden Gruppen kaum Nutzer gab. Darum haben wir künftig nur noch ein einheitliches Nutzungsentgelt pro Halle“, sagt Kämmerin Martina Klotsche. Und Bürgermeister Jörg Hänisch ergänzt: „Zudem war die Unterscheidung schwierig. Denn es gibt auch Vereine, die dem Namen nach zwar aus dem Ort zu sein scheinen, deren Mitglieder zum Großteil aber von außerhalb kommen.“

Müssen die Moritzburger Vereinssportler künftig nun also tiefer in die Tasche greifen? Oder werden als Reaktion gar Angebote für Kinder und Jugendliche zurückgefahren? Diese Auswirkungen sollen die neuen Gebühren möglichst nicht haben.

 Darum treten sie auch nicht sofort in Kraft, sondern erst zum 1. August. „Um die Erhöhungen für die gemeinnützigen Vereine abzufedern, soll bis dahin eine Förderrichtlinie beschlossen werden“, sagt Jörg Hänisch. Grundlage dafür soll die der Nachbarstadt Radebeul sein. Im Verwaltungsausschuss in der kommenden Woche soll erstmals darüber beraten werden.

Mit dem größten Moritzburger Verein, dem TSV Reichenberg/Boxdorf, hat der Bürgermeister schon einmal gesprochen. „Aus Sicht des Vorstands wäre es sinnvoll, wenn die Vereinsförderung auf der Basis einer Pauschale erfolgen würde“, ergänzt der Rathauschef.

Über das Antrags- und Vergabeprozedere für die beabsichtigte neue Vereinsförderung wird im Gemeinderat sicher noch diskutiert werden. Einigkeit schien am Montagabend bei den Räten aber in einem Punkt zu bestehen. „Wir müssen Gas geben, damit wir es pünktlich schaffen“, sagte Hubert Rosin.