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Gemeinde kämpft gegen Karnevalsverein und verliert

So eine Rückgabe des Amtsschlüssels hat Mittelherwigsdorf noch nicht erlebt. Und es soll sich wiederholen.

© Matthias Weber

Von Holger Gutte

Zum alten Hofstaat hat sich die Mittelherwigsdorfer Gemeindeverwaltung am Faschingsdienstag verwandelt. Um 17.17 Uhr haben sie eine Wette einlösen wollen, von der außer Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein) niemand weiß, was geplant ist. Brav folgen sie in Kostümen – die ihnen die Stadt Zittau lieh – ihrem Chef ins Domizil des Herschdurfer Karnevalsvereins (HKV). Im Besitz des Vereins befindet sich zu dem Zeitpunkt noch die Gemeindekasse und der Amtsschlüssel. Und das seit dem 11.11. Beides will die Gemeindeverwaltung wiederhaben. Aber das geht in Mittelherwigsdorf nicht mehr so einfach. So wie der Karnevalsvereins zum Saisonauftakt eine Aufgabe erfüllen musste, ist jetzt die Gemeindeverwaltung in der Pflicht gewesen. Für alle sichtbar erledigten die Narren ihre Sache mit viel Fantasie. Zum Nikolaustag haben sie den beleuchteten Weihnachtsbaum vor dem Gemeindeamt nach dem Motto der Saison – „Ob Klappfix, Wigwam oder Tipi, wir fahren zelten. Yippieh! – gestaltet.

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Erhält viel Beifall als Nummern-Girl: Steffen Juza vom Bauhof.
Erhält viel Beifall als Nummern-Girl: Steffen Juza vom Bauhof. © Matthias Weber
Immer gut gelaunt: Nancy Kientopp, die Ministerin für Getanztes.
Immer gut gelaunt: Nancy Kientopp, die Ministerin für Getanztes. © Matthias Weber
Bürgermeister Markus Hallmann moderierte den Spaßwettbewerb.
Bürgermeister Markus Hallmann moderierte den Spaßwettbewerb. © Matthias Weber
Statt mitzuschreiben, muss der SZ-Redakteur beim Gaudi mitspielen.
Statt mitzuschreiben, muss der SZ-Redakteur beim Gaudi mitspielen. © Matthias Weber
Papptellerlauf mit Kim Stein und Bauamtsleiter Michael Erbe.
Papptellerlauf mit Kim Stein und Bauamtsleiter Michael Erbe. © Matthias Weber
Kostümiert zogen die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung zum Vereinshaus.
Kostümiert zogen die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung zum Vereinshaus. © Matthias Weber

Und spätestens seit Dienstag steht fest: was in Herschdurf die Narren können, kann der Bürgermeister und sein Team schon lange. Etwa eine Stunde bieten sie ein Programm, das für Stimmung im Saal sorgt. Nummern-Girl Stefanie – alias Bauhofmitarbeiter Steffen Juza – kündigt wie beim Boxkampf alle acht Runden eines Wettstreits zwischen Verwaltung und Karnevalsverein an. Niemand wird verschont. Selbst das Publikum muss einen dreiköpfigen Drachen stellen und auch die SZ kann sich nicht, wie bei der ersten Ratssitzung im Jahr, drücken. Mittelherwigsdorf wird am Faschings-Dienstag zu Mittelherwigsreich. Acht Runden wird heiß und mit den Fans im Rücken gekämpft. Eierlaufen, Papierblätter aufsaugen, Münzenwerfen, Luftballonzerplatzen, Papptellerlauf, Leiterwurf und Spaghettigreifen sind nicht einfach. Am Ende gewinnen die Narren. Der Bürgermeister bekommt trotzdem Schlüssel und Kasse zurück und verspricht dem Verein ein Fass Freibier zum Lumpenball. Mit Präsident Paul Roscher ist er sich einig, das muss Tradition werden. Was werden wohl die nächsten Aufgaben sein? Jedenfalls möchte der HKV am 11.11., wie früher, um 11.11 Uhr, feiern und möglichst mit der Grundschule zum Gemeindeamt ziehen.