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Georgierin schneidert Barockkleid

Nino Nikolashvili lebt seit 2012 in der Stadt und liebt historische Mode. Jetzt hat sie eine ganz besondere Robe fertiggestellt.

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© Anne Hübschmann

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Heike Mochan ist keine Claudia Schiffer. Ihre Körperfülle ist nicht zu übersehen. Doch für die Mode, die die über 50-Jährige aus Goppeln tragen will, hat sie wohl genau die richtigen Maße – die einer herrschaftlichen Lady des Barock. Die Rechtsanwalts-Fachangestellte und ihr Mann Peter, ein Beamter, sind Anwärter im Verein Barock in Dresden geworden. Dazu braucht man außer einer Leidenschaft für die Historie auch die richtige Kleidung.

So wird Heike Mochan am Pfingstsonntag mit Mann Peter und dem Verein Barock in Dresden am Zwinger für Besucher flanieren. Wenn´s nicht regnet.
So wird Heike Mochan am Pfingstsonntag mit Mann Peter und dem Verein Barock in Dresden am Zwinger für Besucher flanieren. Wenn´s nicht regnet. © Anne Hübschmann

Und deshalb sitzen die Goppelner nun bei Nino Nikolashvili. Die gebürtige Georgierin ist eine Zauberin an der Nähmaschine. Dabei hat die 33-Jährige das Schneidern erst als Zweitberuf entdeckt. In ihrer Heimat studierte sie erst Bank- und Finanzwesen. Doch ihre Mama, eine Näherin, brachte ihr schon frühzeitig manches bei. Als Kindermädchen Au-pair kam Nino später nach Deutschland, lernte ihren heutigen Mann Matthias Fischer kennen. 2012 wurde geheiratet, seitdem lebt Nino in Großenhain. Und verdient ihr Geld mit der Anfertigung historischer Kostüme.

Kleider und Hüte für Fotostudio

Die ersten Modelle waren noch fürs Oktoberfest. Dann kam das Hochzeitskleid der Schwägerin hinzu. Für das Studio „Photo historica“ am Taschenbergpalais in Dresden, wo man sich in Mode von 1870 ablichten lassen kann, hat Nino mittlerweile ein Dutzend Kleider gefertigt. Und Hüte mit Blumen. Nino hat ein Händchen für guten Stil. Und die richtige Spürnase, wo man das passende Zubehör im Internet findet.

An just jenem Dresdner Fotostudio kamen Heike und Peter Mochan mit ihrem großen Sohn vorigen Herbst vorbei. „Wir ließen uns auch fotografieren und hatten viel Spaß dabei“, sagen die Barockfreunde und zeigen stolz das entstandene Foto. Weil sie sowieso gern Schlösser und Burgen anschauen, war der Schritt in den Verein der Barockfreunde nur ein kurzer. Doch während sich Peter Mochan sein Kostüm seitdem im Verleih von Heidrun Tennert in Ebersbach ausleiht – die ist mit ihrem Mann auch in dem Verein – wollte seine Heike eine eigene Robe. Dafür ist sie bereit, eine dreistellige Summe zu zahlen.

Nun ist das Kleid fertig – rechtzeitig vor Pfingstsonntag, wenn die Barockfreunde ab 13 Uhr bei schönem Wetter durch den Zwinger und am Kronentor spazieren wollen – zum Beispiel als Fotomotiv für Touristen. Doch die Anprobe hat es in sich. Zuerst setzt sich Heike Mochan schon mal ihr Häubchen auf. Dann folgt das Unterkleid und darauf ein Korsett. In ihren Maßen ist das eine Anfertigung in einem Spezialgeschäft. Nun kommt die Goppelnerin in die Poschen – ein kleines Panier, das die Hüften aufträgt und Eingriffe hat, die früher die nicht gebräuchliche Handtasche ersetzten. Noch ist Heike Mochan ganz in weiß und könnte gut auch Frau Holle spielen.

Jetzt kommt aber ein Rock darüber, der Farbe und Stoff des Kleides hat – Taft, den Nino auf Wunsch der Kundin bestellte. „Anfangs hatte ich keine Vorstellung, dann habe ich mich in einem Buch über historische Kleider schlau gemacht“, sagt Heike Mochan. Denn zeitlich authentisch soll das Kostüm schon sein. Sie organisierte einen Schnitt und besprach ihn mit der Schneiderin. Auch Nino besitzt ein tolles Buch über die Mode vergangener Epochen.

Das Oberkleid glänzt mit Raffinessen. Watteaufalten zeichnen es als sogenannte Robe francaise aus. Als Mantaux fällt das Kleid beim Tanzen bis auf den Boden. Will man aber darin flanieren, bindet man den Stoff mit Schleifen nach oben. Im Sitzen ist dabei der Rücken ganz gerade, freut sich die Kostümträgerin. Sie besorgte sich auf Schloss Delitzsch einen farblich passenden Fächer und setzt noch einen Blumenhut auf. Eine runde Viertelstunde hat das Ankleiden gedauert.

Zum Tag der Parks in Zabeltitz

Eine Stunde dagegen betrug die Anfahrt nach Großenhain. Die Goppelner haben das aber gern in Kauf genommen. „Es gibt kaum Leute, die so ein Kleid schneidern können“, bemerkt Peter Mochan. Heidrun Tennert hatte wohl keine Zeit dafür.

Auch Nino ist zufrieden. Die aparten Knöpfe hat sie extra in Handarbeit hergestellt. Jetzt findet sie ihre Kundin gut aufgeputzt. Heike Mochan und ihr Peter nehmen noch Unterricht in barocken Tänzen und wollen zum Tag der Parks und Gärten am 29. Mai so mit in Zabeltitz auftreten.