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Gesammelt mit Mut

Wie die Technische Universität Dresden in der DDR-Zeit in den Besitz hochrangiger Kunstwerke kam, erzählt eine Ausstellung in der Altana-Galerie.

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© Anja Bohnhof

Von Birgit Grimm

Viertausend Kunstwerke sind im Besitz der Technischen Universität Dresden. Die meisten lagern im Depot unter suboptimalen Bedingungen. Außer der Kunst am Bau ist etwa ein Drittel in Büros, Besprechungszimmern oder Institutsgängen zu sehen – und nun erstmals auch eine feine Auswahl in der Altana-Galerie im Görges-Bau. Dort gehen Wissenschaft, Kunst und Technik schon seit Langem immer wieder neue Beziehungen ein. Doch dass an der TU Dresden bereits seit den 1950er-Jahren Kunst gesammelt und in Auftrag gegeben wird, die sich durchaus mit Museumssammlungen messen kann, dürfte nicht allzu bekannt sein.

Der Campus in der Dresdner Südvorstadt wurde 1945 zerstört. Der Wiederaufbau war ein Prestigeprojekt des jungen Arbeiter- und Bauern-Staates. 1954 wurde der Künstlerische Beirat gebildet, der sich um die Ausgestaltung der neu gebauten Institute an der Helmholtz- und an der Bergstraße kümmerte. Zum Beispiel wurde der Konstruktivist Hermann Glöckner mit einer Arbeit für das Treppenhaus im Recknagel-Bau beauftragt. Er gestaltete vier Säulen mit Farbquadraten und -rechtecken als „Spektralanalyse“. In der Altana-Galerie sieht man die Entwürfe dazu, die sich in der Farbigkeit deutlich vom Original im Physikgebäude abheben.

„Ein bis zwei Prozent der Bausumme wurden in der DDR für baugebundene Kunstwerke eingesetzt, und von dem, was übrig blieb, kaufte man in der TU Gemälde und Arbeiten auf Papier“, erzählt Gwendolin Kremer. In den 50er-Jahren konnte man für 500 Mark der DDR mehr als nur ein Bild kaufen. So kamen für wenig Geld 25 Gouachen von Querner in TU-Besitz und auch dessen großartiges „Bildnis der Eltern“ von 1947. Das befindet sich übrigens seit 1966 als Dauerleihgabe im Albertinum.

Von 1952 bis 1975 leitete der Bildhauer Werner Scheffel den Kunstbesitz. Er erwarb mehr als 1 000 künstlerische Arbeiten, überwiegend qualitätvolle Dresdner Malerei von Theodor Rosenhauer, Hans Jüchser, Otto Dix, Hans-Theo Richter, Josef Hegenbarth, Otto Griebel ... Auf diese Weise unterstützte und förderte Scheffel auch Künstler, die nicht nach den Vorschriften des sozialistischen Realismus arbeiteten. Gwendolin Kremer bearbeitet den Kunstbesitz wissenschaftlich und hat eine erste Publikation über die 50er-Jahre herausgegeben, in der sie auch die baugebundenen Kunstwerke auf dem Campus dokumentiert hat. Sie sagt: „Wir haben keine Propagandabilder, aber jede Menge Landschaften, Blumen und natürlich Porträts von Rektoren und Professoren im Bestand.“ Der Konstruktivist Karl-Heinz Adler ist in der Schau mit zwei Landschaften vertreten. Jürgen Böttcher alias Strawalde malte 1954 Sonnenblumen und auf deren Rückseite eine „Schöne“. Bernhard Kretzschmar, Ernst Hassebrauk, Fritz Skade und Rudolf Nehmer porträtierten von 1954 bis 1962 acht Rektoren und Professoren. Christian Macketanz, Jahrgang 1963, soll die Tradition fortschreiben. Der Malerei-Professor an der Hochschule für Bildende Künste will zehn Jahre lang jedes Semester einen Menschen porträtieren, der an der TU arbeitet. Allerdings wird er nicht nur Rektoren und Professorinnen ins Bild setzen.

Die Diskussion um die Kunst in der DDR wird mit dieser Ausstellung, die mit den Ankäufen bis in die Nachwendezeit fortgesetzt wird, aufs Beste erweitert. Inzwischen gibt es in Dresden ein Netzwerk „Kunst in der DDR“, in dem Institutionen kooperieren, die Bestände aus jenen Jahren besitzen.

Ausstellung „Aufbruch und Neuanfang“ bis 6. Juli in der Altana-Galerie, Görgesbau, Dresden, Helmholtzstraße 9. Geöffnet montags bis freitags, 10 bis 18 Uhr.