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Geschenke erhalten die Freundschaft

Kurios, was sich Partnerstädte so vermachen. Niesky hat sich nun etwas wirklich Nichtalltägliches überlegt.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Wer den abgelegten, aber tadellosen Cashmere-Pulli von Mama oder eine neue Play-Station von der Oma bekommen hat und danach gefragt wird, sagt redensartlich: Habe ich geschonken gekrochen, und meint: Das habe ich geschenkt bekommen. Kleine Geschenke erhalten bekanntlich die Freundschaft. Große tun’s natürlich auch. Niesky hat seinen Partnergemeinden nun – als finalen Akt der Feierlichkeiten zum 275. Stadtgeburtstag im vergangenen Jahr – Tische zukommen lassen. Und die sind wahrlich keine Kleinigkeit. Rund 1,30 Meter hoch, aus massivem Holz und zusammengesetzt aus drei Ebenen, tragen sie als kaum übersehbaren Hinweis auf ihre Herkunft die Initialen des Nieskyer Autokennzeichens N und Y. Nicht als Schrift auf den Tischplatten, wie man vielleicht denken könnte. Viel origineller – die beiden Buchstaben bilden die Tischbeine. Funktional ist das Möbel außerdem. Auf Wohnzimmertischhöhe liegt auf einer ersten Platte ein Memory-Spiel für Kinder mit Motiven aus Niesky und den Partnerstädten aus. Etwas höher ist Platz für Flyer oder um sich Notizen zu machen. Und im verlängerten Arm des Ypsilons befinden sich Bohrlöcher für Stifte. Optisch ist der Tisch ein echter Blickfang, in einem Wartebereich oder wo auch immer.

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Die Bäckerfigur ist ein Gastgeschenk aus Jawor. Die polnische Partnerstadt ist bekannt für ihre Brotbacktradition.
Die Bäckerfigur ist ein Gastgeschenk aus Jawor. Die polnische Partnerstadt ist bekannt für ihre Brotbacktradition. © André Schulze
Bücher, die die Geschichte der jeweiligen Region erzählen, bilden die vielleicht größte Gruppe unter den Gastgeschenken aus den Partnerstädten.
Bücher, die die Geschichte der jeweiligen Region erzählen, bilden die vielleicht größte Gruppe unter den Gastgeschenken aus den Partnerstädten. © André Schulze
Die Granatgläser gab’s zu Nieskys 275. aus Turnov.
Die Granatgläser gab’s zu Nieskys 275. aus Turnov. © André Schulze
Das gelaserte Motiv in diesem Kunstharzblock zeigt die Basilika Notre-Dame de Brebières in Albert.
Das gelaserte Motiv in diesem Kunstharzblock zeigt die Basilika Notre-Dame de Brebières in Albert. © André Schulze
Anlässlich des 1000. Stadtjubiläums verewigte sich die Partnerstadt Holzgerlingen auf dieser messingfarbenen Glocke.
Anlässlich des 1000. Stadtjubiläums verewigte sich die Partnerstadt Holzgerlingen auf dieser messingfarbenen Glocke. © André Schulze
Wappen oder Medaillen, wie dieses Exemplar aus Albert, gehören zu den gängigsten Gastgeschenken.
Wappen oder Medaillen, wie dieses Exemplar aus Albert, gehören zu den gängigsten Gastgeschenken. © André Schulze

Alle Tische stehen tatsächlich in den Rathäusern unserer Partnerstädte, so Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Geschenke gehören zum guten Ton der partnerschaftlichen Beziehungen, bei den gegenseitigen Besuchen und bei besonderen Anlässen. „Wir müssen jedesmal überlegen, was wir mitnehmen“, erzählt Hoffmann. Niesky bringt es auf vier Partnerstädte. Von allen stehen eine ganze Reihe von Gastgeschenken im Schrank. Da sind beispielsweise die Gläser, besetzt mit imitierten Rubinen, ein Geschenk aus dem tschechischen Turnov. Da ist der kleine Bäcker aus Keramik aus der polnischen Brotstadt Jawor. Oder eine messingfarbene Glocke aus Holzgerlingen. Und da sind die Airbus-Modelle aus Albert, in der Nähe von Amiens im Norden Frankreichs. Die mithin größten Arbeitgeber der Stadt sind Maschinenbauunternehmen, die unter anderem den Flugzeughersteller Airbus beliefern.

Die meisten Geschenke stammen noch aus der Zeit von Hoffmanns Amtsvorgänger Wolfgang Rückert. Bis vor zwei Jahren schlummerte die Sammlung in dessen Büro. Dann zog ein Großteil der Sammlung in eine Vitrine vor dem Büro der Unteren Straßenverkehrsbehörde im ersten Obergeschoss des Rathauses. Ein Lieblingsexponat hat Beate Hoffmann nicht. Weil sie viel für praktische Geschenke übrig hat, gefiel ihr die Idee für den NY-Tisch sofort.

Ausgedacht hat ihn sich der Nieskyer Cartoonist Kümmel alias Dirk Hübner. Als er davon hörte, dass es zum 275. Stadtjubiläum ein besonderes Geschenk für die Partnerstädte geben sollte, kam ihm beim Gedanken an bedruckte Tassen mit Niesky-Motiven der Kaffee hoch. Etwas, das nicht einfach im Schrank verstaubt, den Gedanken fand er gut. Mit seinem Faible für das Nieskyer Kennzeichen war der NY-Tisch schnell ausgedacht. In Alexander Fromme von Holzdesign Fromme fand er einen kongenialen Partner für die Umsetzung. Finanziert wurde der Bau der Tische über Fördermittel. Für einen fünften Tisch reichten sie jedoch nicht aus. Deshalb griffen Kümmel und Fromme in die eigene Tasche und finanzierten ein fünftes Exemplar als Geschenk an die Stadt Niesky. Seinen dauerhaften Platz hat der Tisch inzwischen im Wachsmannhaus gefunden. „Ich fand den Gedanken toll, dass Niesky auch einen NY-Tisch hat“, sagt Kümmel. Jaja, geben ist eben seliger als nehmen.