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Geschichten in Schwarz-Weiß

Günter Kunath leitete lange den Stahlwerks-Fotoclub. Nach der Wende zog er weg. Jetzt kehrt er mit einer Ausstellung zurück.

© Günter Kunath, Repro: SZ

Von Eric Weser

Gröditz. Auszeichnungen für seine Fotos hat er einige bekommen. So eine Würdigung gab es aber noch nie: Erstmals wird dem fotografischen Schaffen von Günter Kunath eine eigene Ausstellung gewidmet. Das mache ihn ergriffen, sagt der 83-Jährige, während um ihn herum die Aufbauarbeiten für die Schau in vollem Gange sind.

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Günter Kunath, Fotograf und langjähriger Fotozirkel-Chef
Günter Kunath, Fotograf und langjähriger Fotozirkel-Chef © privat
© Günter Kunath, Repro: SZ
© Günter Kunath, Repro: SZ
© Günter Kunath, Repro: SZ

Für Günther Kunath, geboren 1935 im Nachbarort Wainsdorf, ist die Gröditzer Ausstellung auch eine Rückkehr in seine alte Heimat. Die hatte er mit der Wende in Richtung Baden-Württemberg verlassen. Dort lebt Kunath – ein drahtiger Senior in Karohemd, Jeans und Turnschuhen – mit seiner Frau seitdem. Den Draht nach Gröditz hat der gelernte Industrieofenmaurer aber nie gekappt. „Ich war nie richtig weg, ich habe nur meinen Wohnsitz verlegt“, sagt Kunath, der vier Jahrzehnte im örtlichen Stahlwerk gearbeitet hat und den Betrieb wie so viele andere im Zuge der Wendeumbrüche verlassen musste. Schweren Herzens, wie er sagt.

Denn mit dem Stahlwerk verbindet Kunath viel. Dort hatte er 1949 seine Lehre begonnen. Er gehörte zur Generation, die den Betrieb nach dem Krieg wieder mit aufgebaut hatte. Während seiner Zeit im Werk konnte Kunath auch seine seit Jugendtagen ausgeprägte Leidenschaft fürs Fotografieren ausleben. In den 1960ern stieß er zum Fotozirkel des Werks, lernte dort die künstlerische Fotografie kennen. Kunath qualifizierte sich, wurde schließlich Leiter des Clubs. In der Runde, zu der auch der 2014 gestorbene Künstler Heinz-Detlef Moosdorf gehörte, wurden die Fotos besprochen.

Viele Aufnahmen machte Kunath für die Betriebszeitung des Stahlwerks, erinnert sich Günter Kunath. „Protokollarische Fotos“, wie er sie nennt. Wirklich Spaß habe das aber nicht gemacht. Die Aufträge seien aber gute Anlässe gewesen, künstlerisch zu arbeiten. „Ich wollte, dass aus jedem Fotoauftrag für die Zeitung auch noch etwas für die Ewigkeit abfällt.“ Günter Kunath ließ sich vom rauen Stahlwerks-Alltag inspirieren. Fotografierte schwitzende Kollegen am Ofen, verrußte Gesichter vor der Werkshalle, konzentrierte Frauen beim Graten von Fittings. „Ich habe die Arbeiter beobachtet, was sie schaffen, wie sie schaffen“, sagt Kunath, der selbst immer Arbeiter war und blieb, wie er sagt. Als solcher musste er auch bei der Ernte helfen, wenn nötig. Auch dorthin nahm er die Kamera mit, machte Aufnahmen von Feldarbeit und -früchten.

Akribisch beobachtet hat Günter Kunath auch das kulturelle Leben in Gröditz: Fasching, Musikunterricht, Tanzveranstaltungen. Und natürlich Fußball. Er sei zwar kein Spieler, aber ein großer Fußballfan, sagt Günter Kunath. So groß, dass er im Frühsommer 1990 in seinem Skoda spontan zur WM nach Italien gefahren sei. Dort sei es ihm gelungen, eine Eintrittskarte für ein Vorrundenspiel im Mailänder Meazza-Stadion zu bekommen. Natürlich hat Kunath auch dort fotografiert. Eins der letzten Fotos für die Werkszeitung.

Den Fotoapparat komplett an den Nagel gehängt hat Günter Kunath nicht. „Aber ich fotografiere nur noch für den Hausgebrauch, nicht mehr künstlerisch“, sagt er. Sein Sohn habe ihm vor ein paar Jahren eine Digitalkamera geschenkt. Nach dem Geschmack des versierten Analog-Fotografen wird aber zu viel mit dem Computer an den Fotos gemacht. Eine graue Wand per Knopfdruck bunt machen? Das kommt für ihn nicht infrage. „Was hat das noch mit Fotografie zu tun?“

Die Ausstellung „Die Kunst der Schwarz-Weiß-Fotografie“ ist an den zwei Wochenenden 26./27. Mai und 2./3. Juni jeweils 14 bis 17 Uhr in der Kulturscheune im Dreiseithof Gröditz, Hauptstraße 17, zu sehen. Günter Kunath will am ersten Wochenende selbst vor Ort sein.