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"Herzschwäche trifft vor allem die Älteren"

Die Krankheit ist ein weitverbreitetes Problem. Chefarzt Markus Schütz erklärt, wie man die Krankheit erkennt und behandelt.

Chefarzt Dr. Markus Schütz ist Herzspezialist und beantwortet im Expertenchat die Fragen der Patienten.
Chefarzt Dr. Markus Schütz ist Herzspezialist und beantwortet im Expertenchat die Fragen der Patienten. © Egbert Kamprath

Wenn Eltern kleinen Kindern erklären sollen, warum das Herz so wichtig ist, wählen sie gerne den Vergleich mit einer Maschine. Das Herz ist sozusagen der Motor im Inneren eines jeden Menschen. Doch wie Motoren verschleißen, kann auch das Herz im Alter ins Stottern geraten. Herzschwäche ist bei älteren Menschen ein weitverbreitetes Leiden, oft als Folge anderer Erkrankungen. Und dann? Markus Schütz ist Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie an den Helios Weißeritztal-Kliniken am Standort in Dippoldiswalde. Er erläutert im Gespräch, wie Herzschwäche entstehen kann, wie man sie erkennt und behandelt, aber ihr auch vorbeugen kann.

Herr Dr. Schütz, Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen - ist das Organ beim älteren Menschen eine Krisenzone?

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen bilden in Deutschland die häufigste Todesursache. Dafür gibt es mehrere Ursachen, eine davon ist die Herzschwäche. Wir Mediziner bezeichnen diese Erkrankung als Herzinsuffizienz. Damit ist die Unfähigkeit des Herzens gemeint, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Zwischen zwei und drei Millionen Deutsche leiden darunter - manche, ohne es zu wissen.

Wie merkt man denn, dass man eine Herzschwäche hat?

Es ist vor allem eine Krankheit der älteren Bevölkerung. Herzschwäche macht sich über Atemnot, geschwollene Beine und häufige Müdigkeit bemerkbar. Weil das aber auch auf viele andere Krankheiten zutrifft, sollte man bei solchen Symptomen unbedingt einen Arzt aufsuchen und das abklären lassen. Schon mit einer einfachen Blutuntersuchung kann man Herzschwäche übrigens recht einfach und schnell feststellen. Aber natürlich wird jeder Arzt noch weitere Untersuchungen durchführen, um ganz sicher zu gehen. Dazu gehören Röntgen der Lunge, Herzultraschall und Elektrokardiogramm.

Was führt eigentlich zu einer Herzschwäche und welche Veränderungen gehen dabei im Körper vor?

Herzinsuffizienz ist in den meisten Fällen eine Folge anderer Erkrankungen. Mit die häufigsten Ursachen sind Bluthochdruck und Herzinfarkte. Auch Entzündungen des Herzmuskels oder bestimmte Medikamente können zur Herzschwäche führen. Daneben spielen Risikofaktoren für Herzerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Rauchen eine wichtige Rolle. Bei der Herzschwäche unterscheiden wir zwei Arten. Zum einen pumpt das Herz vieler Patienten zu schwach. Es bringt nicht mehr die volle Leistung, beispielsweise nach einem Herzinfarkt. Davon ist etwa die Hälfte aller Herzschwäche-Patienten betroffen. Die andere Hälfte leidet darunter, dass ihr Herz sich nach der Kompression nicht mehr richtig entspannt, weil die Herzwände nicht mehr elastisch genug sind. Dadurch fließt - vereinfacht gesagt - weniger Blut in die Herzkammer, was wiederum zu weniger Leistung führt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es dagegen?

Die Entspannungsstörung lässt sich leider nicht mit Medikamenten behandeln. Dagegen hilft nur körperliche Bewegung und Sport. Dabei lernt das Herz, wieder ökonomischer zu arbeiten. Und die Bewegung hat auch noch eine gute Wirkung auf den Bluthochdruck und andere Vorerkrankungen.

Sport fällt aber vielen sehr schwer. Wie motiviert man sich am besten?

Es geht nicht darum, plötzlich Leistungssportler zu werden. Schon normales Spazierengehen - am Tag eine Stunde - verbessert die Kondition. Ich bin zudem ein großer Fan vom Radfahren, gerne auch mit dem E-Bike. Ich habe viele Patienten, die haben sich ein solches Rad gekauft und plötzlich macht ihnen das Radfahren Spaß, mitunter zum ersten Mal überhaupt im Leben. Aber auch viele andere Sportarten eignen sich bei Herzschwäche: Tanzen, Schwimmen, Wandern, Nordic Walking. Oder man geht regelmäßig ins Fitness-Studio. Nicht so sehr zum Gewichte heben, aber für den Ausdauerbereich. Meine Botschaft ist immer: Es ist nie zu spät. Wer sich nicht alleine motivieren kann, sollte sich eine Sportgruppe suchen. Das ist auch gut für die sozialen Kontakte.

Kann es helfen, bei Herzschwäche mehr auf die Ernährung zu achten?

Unbedingt. Die meisten Menschen essen zu viel Fleisch und zu viel Fertiggerichte. Ich kann nur daran appellieren, mehr Vollkornprodukte, Obst und Gemüse zu essen und möglichst viel selbst frisch zu kochen. Man muss das Essen nicht einschränken, man sollte klug und mit Genuss essen. Das gilt auch fürs Trinken. Ab und zu ein Glas Rotwein kann sogar vor Herzinfarkten schützen. Täglich mehrere Flaschen Bier oder Hochprozentiges sind dagegen problematisch.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es noch? Sie erwähnten vorhin schon die Herzinsuffizienz aufgrund einer schwachen Pumpleistung.

Dagegen gibt es je nach Schweregrad viele Medikamente. In den vergangenen Jahren sind viele neue Präparate auf den Markt gekommen, oft auch Kombimedikamente, die auch gegen eventuelle Vorerkrankungen helfen. Diese können die Pumpschwäche deutlich verbessern. Von der Sache her ist es ja so: Das Herz baut sich strukturell um, wenn es schwach wird. Diesen Prozess können die Medikamente bis zu einem gewissen Grad durchaus rückgängig machen. Das verbessert die Leistungsfähigkeit und sorgt für deutlich mehr Lebensqualität. Und die Wissenschaft hört nicht bei Medikamenten auf.

Was gibt es noch für Methoden?

Herzschrittmacher, Defibrillatoren, Kunstherzen, Herztransplantation - wir haben mittlerweile ganz viele Behandlungsmethoden zur Verfügung, die im Laufe der Jahrzehnte immer mehr verfeinert wurden.

Die Helios-Weißeritztalkliniken veranstalten am 25. November zum Thema "Das schwache Herz - Ursachen, Erkennung und Behandlung" einen Expertenchat. Fragen können telefonisch von 17 bis 19 Uhr unter der Nummer 0351-6467878 oder jederzeit per Mail über die Adresse expertenchat.[email protected] eingereicht werden. Die Antworten sehen Sie unter www.helios-gesundheit.de/kliniken/weisseritztal/unsere-haeuser/veranstaltungen/experten-chat/

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