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Gesichts-Yoga: Ein Grundkurs

Ein neuer Trend aus den USA soll auch die Haut straffen. Doch Dermatologen warnen vor übersteigerten Erwartungen.

Die Finger an die Schläfen und ganz bei sich sein: Gesichtsyoga.
Die Finger an die Schläfen und ganz bei sich sein: Gesichtsyoga. © Christin Klose/dpa

Nach einem langen Arbeitstag steht einem der Stress manchmal ins Gesicht geschrieben. Warum also nicht ein bisschen das Gesicht entspannen? Mit dem Fischkuss zum Beispiel. Und der geht so: Man atmet tief ein, bläst die Wangen auf und schiebt den Unterkiefer vor und zurück, nach rechts und nach links. Das Ganze wiederholt man einige Male. „So lässt sich die Muskulatur im Gesicht lockern“, sagt die Dermatologin Eva Juchems.

Was so aussieht, als ob man Grimassen schneidet, ist eine von vielen Übungen beim Gesichtsyoga, die Bewegung ins Gesicht bringen. Wie so viele hippe Gesundheitsideen stammt sie aus den USA. Sie soll nicht nur Stress abbauen, sondern auch zu einer strafferen Haut verhelfen. „Kräftigere Muskeln unter der Haut und eine Steigerung der Durchblutung können den Teint gesünder erscheinen lassen“, erklärt Klaus Hoffmann, Facharzt für Dermatologie an der Universitätshautklinik Bochum. Auch Verspannungen im Kieferbereich, wie das nächtliche Zähneknirschen, ließen sich durch bestimmte Gesichtsübungen verbessern. Sogar Falten solle man reduzieren können.

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Erwartungen niedrig halten

Allerdings: „Mit übersteigerten Erwartungen sollte man Gesichtsyoga nicht praktizieren“, betont Juchems, die die Abteilung Ästhetische Dermatologie und Lasertherapie der Mainzer Unimedizin leitet. „Es gibt keine wissenschaftlichen Studien dafür, dass Gesichtsyoga effektiv ist.“ Was aber nicht heiße, dass die Bewegungen nichts bringen. „Gerade, wenn es um angespannte Kiefermuskeln geht, können bestimmte Übungen entspannend sein“, so Hoffmann. Bei Schwellungen im Gesicht führen sie oft zu einem Lymphabfluss. Auf die Schnelle lassen sich jedoch keine Ergebnisse erzielen. Drei- bis viermal die Woche je fünf Minuten soll man die Übungen durchführen. Ideal wäre täglich. Viele finden es schlicht albern, ihre Gesichtsmuskeln ebenso zu trainieren wie ihren Bizeps. Für solche Leute ist Gesichtsyoga nichts, denn man müsse schon daran glauben.

Drei Übungen zum Einstieg:

  • 1. Um die Augenpartie zu entspannen, legt man beide Zeigefinger oberhalb der Augenbrauen flach auf die Stirn. Nun wird die Stirnhaut mit geringem Druck leicht nach unten gezogen. In dieser Position die Augen für fünf Sekunden möglichst weit öffnen. Diesen Vorgang insgesamt fünfmal wiederholen.
  • 2. Die Augen möglichst weit aufreißen und wieder fest schließen. Diese Übung fünfmal wiederholen. Dies kann die Fältchen an den Augen positiv beeinflussen.
  • 3. Mit der Zunge über jeden Zahn gehen. Dadurch wird der Mundringmuskel gedehnt, mit dem Ergebnis, dass er geschmeidiger wird.

Wer aktiv etwas zur Straffung von starken Falten im Gesicht tun möchte, sollte sich Dermatologe Hoffmann zufolge aber unbedingt von einem Facharzt beraten lassen und nicht nur die Gesichtsmuskeln trainieren. „Man stelle sich den Kopf als einen Luftballon vor“, erklärt er. Die äußere Hülle sei die Haut, und wenn diese schlaffer werde, entstünden Falten. Gleichzeitig gehen mit zunehmendem Alter Fettgewebe und Muskulatur verloren. Der Luftballon ist damit weniger gefüllt, auch dies führt zu zusätzlichen Falten. Würde man nun einige Muskelgruppen selektiv trainieren, ohne dass der Haut Botox oder etwa Hyaluronsäure beigegeben wird, wäre das Ergebnis womöglich genau das Gegenteil von dem, was man möchte, sagt Hoffmann, der ein Spezialist für Faltenbehandlungen ist.

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Insofern steht der Dermatologe bestimmten Übungen zur Kräftigung der Mundmuskulatur kritisch gegenüber. „Gerade Frauen, die diese Übungen wahrscheinlich häufiger machen werden, können durch eine zu starke Kräftigung bei altersbedingt langsam weniger werdenden Volumen um die Lippen sogenannte Barcode- oder Plissee-Fältchen entwickeln“, sagt er. Darum rät er, sich unbedingt von einem Dermatologen oder einer Kosmetikerin beraten und in Sachen Gesichtsyoga individuell einweisen zu lassen. „Und es bloß nicht mit Trainieren übertreiben.“ (dpa)

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