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Ist die Mammografie noch zeitgemäß?

Das Screening wird immer weniger genutzt. Denn es hat auch Schwächen. Radiologen setzen sich für Alternativen ein.

Diese Stelle der Mammografieaufnahme ist auffällig und muss abgeklärt werden.
Diese Stelle der Mammografieaufnahme ist auffällig und muss abgeklärt werden. © dpa

Die Brust wird zwischen zwei Platten geklemmt und mit Röntgenstrahlen untersucht. Alle zwei Jahre bekommen Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr eine Einladung zum Mammografie-Screening. Seit 2007 wird diese Früherkennung in Sachsen angeboten und von den Kassen bezahlt. Doch die Teilnahmerate geht zurück. Auch Zweifel an der Sicherheit der Untersuchung mehren sich. Denn – wie andere Früherkennungsuntersuchungen auch – ist sie nicht hundertprozentig.

Schwächen hat die Mammografie aber vor allem bei Frauen mit dichtem Drüsengewebe. Denn je mehr Drüsengewebe und je weniger Fett die Brust enthält, desto dichter und weißer erscheint das Röntgenbild. Da Krebs ebenfalls weiß erscheint, könne die Treffsicherheit der Mammografie auf 30 Prozent zurückgehen, informiert das Deutsche Ärzteblatt. Man spricht hier von falschnegativen Befunden. Bei zwei von 1.000 Mammografieteilnehmerinnen ist das der Fall, so das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. „Doch die Frauenärzte setzen sich dafür ein, dass im Mammografiebefund auch Angaben zur Brustdichte gemacht werden, um eine Ultraschalluntersuchung anschließen zu können“, sagt Dr. Klaus Hamm, Vorsitzender des Landesverbandes der Radiologen in Sachsen.

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Untersuchungen zufolge hätten 50 Prozent der Frauen ein dichtes oder sehr dichtes Drüsengewebe. Die MRT-Untersuchung, die ohne Strahlung auskommt, wird deshalb als Screeningverfahren wieder neu diskutiert. Der Medizinische Dienst der Sozialversicherung bewertet MRT zur Früherkennung von Brustkrebs jedoch als „tendenziell negativ“, da für eine genaue Abklärung Kontrastmittel nötig sei, was Nebenwirkungen, zum Beispiel in den Nieren, haben könnte. MRT ist zudem das teuertse Verfahren.

Revolution in Brustkrebsfrüherkennung

Als bestes Verfahren gilt derzeit die Tomosynthese. „Bei dieser Untersuchung bewegt sich die Röntgenröhre über die Brust. Es werden dreidimensionale Bilder erzeugt, die den Drüsenkörper bildlich in Scheiben schneiden. Das ermöglicht eine überlagerungsfreie Beurteilung“, so Klaus Hamm. Tomosynthese werde in der Abklärungsdiagnostik eingesetzt, Routine in der Früherkennung ist sie nicht.

In einer großen Multicenterstudie, über die das Ärzteblatt berichtet, konnte jetzt aber nachgewiesen werden, dass eine neue Form des MRT deutlich mehr Karzinome entdeckt hat als die Tomosynthese. Zum Einsatz kam ein verkürztes Fasttrack-MRT mit drei Minuten Untersuchungsdauer. Die Befundung dauere nur wenige Sekunden. Inwieweit das Fasttrack-MRT die Brustkrebsfrüherkennung revolutionieren kann, soll in einer deutschen Screeningstudie untersucht werden. Derzeit wird die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geprüft, so das Ärzteblatt. Um Frauen mit dichtem Drüsengewebe möglichst vor falschnegativen Befunden zu bewahren, fordern Radiologen solche oder andere Alternativen.

Ein Problem seien aber auch falschpositive Befunde. Das sind auffällige Stellen, die sich in der Abklärungsdiagnostik nicht als Krebs herausstellen. Die Frauen würden unnötig beunruhigt. Bei 24 von 1.000 Mammografieteilnehmerinnen sei das der Fall. Doch der sächsische Radiologenchef relativiert: „Bereits mit dem Entschluss, wissen zu wollen, ob da etwas ist, beginnt die Angst vor einem positiven Befund, die wir den Frauen aber bei 97 Prozent aller Untersuchungen nehmen können.“

Denn die Mammografie sei sinnvoll und effektiv. Das belegt auch der aktuelle Report der Kooperationsgemeinschaft Mammografie, der Untersuchungsdaten von 2017 analysiert. Demnach wurden bei 18 Prozent der Untersuchten sogenannte in-situ-Karzinome entdeckt. Das sind Vorstufen, die operativ, ohne Chemotherapie entfernt werden können. 36 Prozent der entdeckten Tumore waren kleiner als einen Zentimeter, 44 Prozent kleiner als zwei Zentimeter – also noch nicht tastbar. Bei 81 Prozent waren die Lymphknoten noch nicht befallen. Das verbessert die Heilungsaussichten der Patientinnen.

Immer weniger Frauen nutzen Angebot

Ist das 50. Lebensjahr das richtige für den Beginn des Screenings? In Studien wird das bezweifelt. Ein jährliches Brustkrebsscreening ab dem 40. Lebensjahr hat zum Beispiel in einer Studie aus Großbritannien die Zahl der Brustkrebstodesfälle innerhalb von zehn Jahren um 25 Prozent gesenkt, wie das Fachmagazin Lancet Oncology berichtet. „Ein früherer Screeningbeginn könnte sinnvoll erscheinen, wenn man die altersspezifische Erkrankungsrate der Frauen betrachtet“, sagt Dr. Klaus Hamm.

Laut Sächsischem Krebsregister wurde im 50. Lebensjahr mit 450 Fällen pro 100.000 Frauen die höchste Erkrankungshäufigkeit festgestellt, weil zu diesem Zeitpunkt das Screening beginnt. „Seit Jahren beobachten wir auch einen Anstieg der Erkrankungszahlen in der Altersgruppe 40 bis 49. Das Gleiche gilt für die Zeit nach dem 69. Lebensjahr.“ Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wäre also nicht nur eine Verschiebung nach unten, sondern auch nach oben angezeigt. Der Berufsverband der Frauenärzte macht sich schon lange für eine Erweiterung des Screenings stark, der Medizinische Dienst hält jedoch dagegen. Aus seiner Sicht gebe es dafür keine Notwendigkeit.

„Gegenwärtig haben wir aber eher das Problem, dass immer weniger Frauen das Angebot nutzen“, so Hamm. Analysen der Zentralstelle für Mammografie zufolge gingen vor fünf Jahren noch fast 70 Prozent der Frauen zum Screening. Sachsen war hier deutschlandweit spitze. Heute komme man gerade noch auf 50 Prozent und

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liege damit geringfügig über dem Bundesdurchschnitt. Die AOK Plus, die in Sachsen mehr als die Hälfte der gesetzlich Versicherten betreut, hat Abrechnungsdaten analysiert. Danach nutzten im letzten Jahr 26 Prozent das Früherkennungsangebot. 2016 seienes noch knapp 30 Prozent gewesen. „Beieiner so schicksalhaften Krankheit und den großen Therapieerfolgen ist die Sorglosigkeit nicht zu verstehen“, sagt Klaus Hamm.

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