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Helfen alternative Mittel bei Krebs?

Viele Tipps im Netz, die im Kampf gegen den Krebs unterstützen sollen, sind unseriös. Die integrative Onkologie erforscht ergänzende natürliche Methoden.

Mit gesundem Essen gegen die Krebszellen.
Mit gesundem Essen gegen die Krebszellen. © Illustration: 123rf

Viele Krebskranke möchten ihren Körper mit natürlichen Methoden unterstützen, um Chemo- und Strahlentherapien gut zu überstehen. „Das Angebot im Netz ist riesig und oft unseriös“, sagt Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie am Universitätsklinikum Jena. „Krebs ist ein eingreifendes Geschehen im Körper, das sich nicht allein mit sanften, natürlichen Methoden behandeln lässt.“ Um Krebszellen zu töten, brauche es starke Medikamente. Dennoch könnten komplementärmedizinische Verfahren helfen. Seriös darüber zu informieren, ist Anliegen der Stiftung Perspektiven, die Jutta Hübner ins Leben gerufen hat.

Krebsdiäten:

„Spezielle Krebsdiäten sind nicht zu empfehlen“, so Hübner. Alle Regeln für eine gesunde Ernährung gelten insbesondere für Patienten während und nach der Therapie. Denn der Körper braucht alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralien, um die Krankheit zu bekämpfen. Doch viele Patienten seien mangelernährt, weil der Tumor zu einem erhöhten Energieverbrauch führe und den Patienten oft der Appetit fehle. Sie empfiehlt eine Ernährungsberatung und Hilfe bei der Auswahl geeigneter Nahrungsmittel. Auch hochkalorische Trinknahrung sei eine Option. Sie versorge den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen, schmecke vielen Patienten aber nicht. Deshalb ist eine Anleitung zur Zubereitung ausgewogener, kalorienreicher Mahlzeiten langfristig sinnvoller.

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Dennoch finden spezielle Ernährungsformen immer wieder Anhänger. „Sie schaden sich dadurch nur“, so Jutta Hübner. Zum Beispiel mit einer kohlenhydratarmen oder ketogenen Ernährung. Verfechter erklären, dass sich Tumorzellen von Zucker ernähren. Ein Verzicht könne sie aushungern. „Doch das funktioniert nicht. Der Körper ist immer bestrebt, einen ausgewogenen Blutzuckerspiegel zu halten. Also bedient er sich bei Eiweißen und Fetten, um sie in Kohlenhydrate umzuwandeln. Er zehrt also von den Stoffen, die der Patient für Muskulatur und Wohlbefinden dringend braucht.“ Richtig sei aber, dass Haushaltszucker nur Kalorien liefert. Kohlenhydrate in Form von Vollkornprodukten und Obst sollten nicht gestrichen werden.

Zur Frage des Einflusses dieser Diät auf das Tumorwachstum gebe es ihr zufolge nur Fallberichte, aber keine hochwertigen Studien. Keine Veröffentlichung konnte einen Beweis erbringen, dass die ketogene Kost den Verlauf einer Krebserkrankung positiv beeinflusst. „Im Gegenteil: Im Labor konnte sogar gezeigt werden, dass unter einer ketogenen Nährstofflösung resistente Tumorzellen entstehen“, sagt Professorin Hübner. Auch die sogenannte Budwig-Diät, die durch ein Übermaß an ungesättigten und einem Mangel an gesättigten Fettsäuren gekennzeichnet sei, ist ungeeignet, ebenso wie Fastenkuren, weil der Körper mehr Energie zur Krebsabwehr braucht.

Aprikosenkerne:

Amygdalin, auch als Vitamin B17 bezeichnet, ist ein Inhaltsstoff von Bittermandel und Aprikosenkernen. Sie sollen auch bei fortgeschrittenen Tumoren zur Heilung beitragen. Doch von diesen Versprechungen sind bisher keine bewiesen, so die Stiftung Perspektiven. Im Gegenteil: Amygdalin sei eine giftige Substanz. Sie könne zu einer Blausäurevergiftung führen.

Cannabis:

Als Medikament zugelassen ist Cannabis in Form von Blüten zur Inhalation oder Teezubereitung, als ölige Tropfen oder als Mundspray. Mehrere kleine Studien berichten, dass Cannabis einen positiven Einfluss auf Schmerzen, Übelkeit, Appetitverlust, Gewicht, Stimmung und Schlaf hätte. Das ist umstritten. Möglicherweise könne aber Cannabis zusammen mit Medikamenten gegen Übelkeit, Appetitmangel oder Schmerzen eingenommen werden, wenn diese nicht ausreichend wirken. Auf Cannabisrauch sollte man verzichten, denn er enthalte Gifte ähnlich dem Tabakrauch und sei ein Risikofaktor für Lungenkrebs.

Mistel:

Die Schmarotzerpflanze enthält Lektine und Viscotoxine. Lektine sind Verbindungen, die das Immunsystem aktivieren. Viscotoxine sind Zellgifte. Obwohl die Mistel zu den komplementären Tumortherapien mit den meisten Studien gehört, ist sie sehr umstritten. „Wir sind immer mehr von der Mistel weggekommen, da der Nutzen unklar ist und Schäden durch Wechselwirkungen mit onkologischen Medikamenten möglich sind. Durch Aktivierung der Immunzellen reagierten einige Patienten offensichtlich allergisch auf bestimmte Tumormedikamente“, so Hübner. Unbedingt abzuraten sei von Mistel bei Leukämien und Lymphomen. „Die Krebszellen sind bei diesen Tumoren Abwehrzellen, die durch die Mistel aktiviert werden könnten.“

Enzyme:

Zu den am häufigsten verwendeten Enzymen gehörten Trypsin (tierisch), Chymotrypsin (tierisch), Bromelain (pflanzlich, Ananas) und Papain (pflanzlich, Papaya). Die Enzyme hätten eine entzündungs- und gerinnungshemmende Wirkung, so die Stiftung. Positive Effekte gebe es bei Muskel- und Gelenkbeschwerden während einer antihormonellen Therapie. Patienten berichteten von einer Verbesserung der Lebensqualität. Enzympräparate sind aber teuer und müssen selber bezahlt werden. Wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden, die die Blutgerinnung beeinflussen, sollte man auf extra Enzyme verzichten, da sie das Risiko für Blutungen erhöhen könnten.

Grüner Tee:

Er enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe. So gebe es Hinweise, dass Grün-Tee-Extrakt positive Wirkungen bei Vorstufen von Gebärmutterhals- und Darmkrebs hat. Möglicherweise schütze er auch vor der Entstehung von Brustkrebs und Kopf-Hals-Tumoren. Nach Brustkrebs könne Grüner Tee die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall senken. Möglicherweise gelte dies auch für Eierstockkrebs. Für andere Krebsarten gebe es noch keine Untersuchungen. Doch Achtung: Bei dem Tumormittel Bortezomib könnte hoch dosierter Grüner Tee die Wirkung abschwächen.

Vitamin C:

Eine höhere Aufnahme von Vitamin C habe keinen positiven Einfluss. Bei Brustkrebs führte die Einnahme von Antioxidantien, zu denen Vitamin C gehört, während der Chemo- oder Strahlentherapie zu einer Verschlechterung der Prognose. Aus diesem Grund raten Experten der Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie von einer gleichzeitigen Einnahme oder Infusion bei der Therapie ab. Vitamin C-haltige Nahrungsmittel dürften jedoch ohne Einschränkung verzehrt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt im Schnitt 100 Milligramm Vitamin C pro Tag. Derzeit laufen Studien, in denen Vitamin C schrittweise in sehr hoher Dosierung verabreicht wird. „Ob dies nützlich oder sogar gefährlich ist, weil es unter anderem die Nieren schädigen kann, ist aber noch unklar“, so Hübner.

Vitamin D:

Es hat eine positive Wirkung auf die Knochen. Ein krebspräventiver Einfluss von Vitamin D konnte in Studien für Brust-, Harnblasen-, Lungen-, Darmkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Leukämien und Lymphomen festgestellt werden. Erste Untersuchungen zeigen, dass Vitamin D das Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie positiv beeinflusst, weil es die Wirkung der Medikamente auf die Krebszellen verbessern kann. „Wenn man es gut machen will, muss man entsprechend dem Vitamin D-Spiegel im Blut und mit Kontrolle dosieren. Fachgesellschaften empfehlen oft 1.000 Internationale Einheiten pro Tag“, sagt Hübner.

Zink:

Das Spurenelement ist wichtig für das Zellwachstum und das Immunsystem. Welche Rolle Zink bei der Entstehung von Tumoren spielt, ist noch nicht genau geklärt. Die Prostata enthält besonders viel Zink, bei einer sehr hohen Zinkaufnahme kann das Risiko für Prostatakrebs erhöht sein. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut nach Chemo- und Strahlentherapie kann die Einnahme von Zink als Tablette oder als Lutschlablette aber hilfreich sein.

Die Kosten:

Wer im Fall einer Krebsdiagnose alternative Behandlungsmethoden und Medikamente in Betracht zieht, kann sich durch einen zuvor abgeschlossenen Krebsschutzbrief absichern. Im Fall einer Erkrankung wird hier eine einmalige Geldleistung ausgezahlt, die von den Betroffenen frei eingesetzt werden kann. „Eine vollständige Absicherung gegen Krebs gibt es aber nicht“, betonen Verbraucherschützer.

Faktenblätter zu komplementärmedizinischen Verfahren und Webinare www.stiftung-perspektiven.de

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