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Krebsdiagnose muss nicht das Ende sein

Neue Wege gegen Krebs: Zum Abschluss unserer Serie beantworten erfahrene Onkologen aus Dresden und Chemnitz die Fragen der SZ-Leser.

Voller Hoffnung – moderne und begleitende Krebstherapien bessern die Prognose bei Krebserkrankungen, meist bei guter Lebensqualität.
Voller Hoffnung – moderne und begleitende Krebstherapien bessern die Prognose bei Krebserkrankungen, meist bei guter Lebensqualität. © 123rf/Jean Paul

Die Diagnose Krebs stellt alles andere in den Hintergrund. Viele Fragen tun sich auf: Welche Therapien gibt es? Welche Heilungschancen bestehen? Und wie steht es danach um die Lebensqualität? Sechs Krebsspezialisten beantworteten beim Telefonforum die Fragen der Anrufer: Prof. Pauline Wimberger, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde; Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeralchirurgie; Prof. Christian Thomas, Direktor der Klinik für Urologie; Prof. Esther Troost, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie, und Dr. Ulrich Schuler, Direktor des Palliativzentrums – alle Uniklinikum Dresden sowie Prof. Stefan Hammerschmidt, Chefarzt der Klinik für Lungenheilkunde am Klinikum Chemnitz.

Verdauungsorgane:

Bei mir sind zwei Tumore in der Leber entfernt worden. Nun war ich zur Nachkontrolle – alles ist in Ordnung. Wie sieht jetzt die Nachsorge aus?

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Beide Herde müssen nachkontrolliert werden, da der Krebs wiederkommen kann. Dazu ist es wichtig, die gesamte Leber im Blick zu behalten, damit sich die Tumoren nicht an einer anderen Stelle bilden. Zudem wird das Blut auf bestimmte Tumormarker kontrolliert.

Mein Mann soll nächste Woche operiert werden. Wie ist es mit Corona und den Kapazitäten? Haben Sie denn dann noch Intensivbetten für Patienten?

Wir sind für Krebspatienten voll funktionsfähig. Wenn die Operation zugesagt ist, kann man davon ausgehen, dass die Kapazitäten auch vorhanden sind. Die renommierten Häuser haben alle ein funktionierendes Hygienekonzept, sodass Patienten keine Sorge vor Infektion haben müssen.

Ich hatte Darmkrebs und habe jetzt Metastasen in der Leber. Ist jetzt alles verloren?

Eine Heilung ist durch eine Operation noch möglich, allerdings muss man die Therapieoptionen sehr genau mit Experten verschiedener Disziplinen abstimmen. Bitte stellen Sie sich in einem Krebszentrum vor, das viel Erfahrung damit hat, insbesondere auch in der Leberchirurgie.

Können Adenome im Darm bösartig werden?

Grundsätzlich ja. Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig zur Krebsvorsorge zu gehen, den Darm spiegeln und auffällige Befunde sofort entfernen zu lassen.

Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?

Ja, man kann den Stuhl auf Blut untersuchen, das ein Hinweis auf Darmkrebs sein kann. Aber diese Untersuchung ist nicht so genau wie die Darmspiegelung, bei der man Darmkrebsvorstufen wie Polypen sofort behandeln und entfernen kann. Die andere Alternative ist eine Computertomografie, eine sogenannte virtuelle Dickdarmspiegelung. Diese ist auch nicht so genau, und man hat die Strahlenbelastung.

Lungenkrebs:

Seit Wochen habe ich einen ständigen Reizhusten und muss mich laufend räuspern. Kann das Lungenkrebs sein?

Das gelegentliche Husten und Räuspern gehört zur Reinigungsfunktion der Atemwege und Stimmlippen, das ist normal. Hält Husten aber länger als ein halbes Jahr an, sollten Sie die Ursache dafür suchen lassen. Ihr Hausarzt sollte Sie zunächst abhören. Ein HNO-Arzt könnte ein Asthma ausschließen. Ihr Hausarzt kann Sie dann zu einem Lungenfacharzt überweisen. Dieser wird meist röntgen oder eine CT anfertigen. Der letzte Schritt zur Ursachenfindung wäre eine Gewebeprobeentnahme aus der Lunge. Ist Ihr Arzt nicht kooperativ, können Sie auch einen anderen aufsuchen und eine Zweitmeinung einholen.

Wie werden Lungenmetastasen behandelt?

Sind es nur wenige, die sich zudem nicht stark vermehren, können sie operiert oder bestrahlt werden. Anderenfalls wird eine systemische Therapie eingesetzt, mit der der ganze Körper behandelt wird.

Nachdem ich meinen Lungenkrebs lange besiegt hatte, kam er jetzt wieder. Gibt es noch Hoffnung?

Auf jeden Fall, wir sind gerade mal am Anfang der Behandlungsmethoden. Zunächst sollte das Tumorgewebe molekulardiagnostisch untersucht werden, um seine Eigenschaften zu ermitteln. Viele Mutationen lassen sich heute schon zielgerichtet behandeln. Dann ist auch eine Heilung möglich.

Krebs beim Mann:

Ich bin 75 Jahre alt und gehe jedes Jahr zur Prostata-Vorsorge. Der PSA-Wert hat sich in der Zeit immer mal erhöht und wieder gesenkt. Jetzt bleibt er erhöht bei 5,2. Was soll ich jetzt tun?

Bei einer Bestätigung der PSA-Erhöhung sollte eine Abklärung auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms erfolgen. Hierfür ist eine Biopsie, also eine Gewebeentnahme, erforderlich. Zur genaueren Lokalisation eines auffälligen Bezirkes der Prostata kann man auch ein MRT durchführen.

Gibt es außer der PSA-Wert-Bestimmung und MRT noch andere Möglichkeiten, um festzustellen, ob mein Tumor gestreut hat? Bei mir wurde krankhaftes Prostatagewebe entfernt, ich bekomme eine Hormontherapie.

Wenn bei der Prostatatumor-Diagnose eine Bildgebung erfolgte und diese keinen Tumornachweis erbracht hat, ist nicht davon auszugehen, dass eine Streuung stattgefunden hat. Bei erneutem PSA-Anstieg unter laufender Hormontherapie sollte eine MRT-Untersuchung erfolgen, um eventuelle Tumorherde zu erkennen.

Krebs bei der Frau:

Meine Frau ist an Eierstockkrebs gestorben. Er war schon sehr weit fortgeschritten, obwohl sie regelmäßig zur Vorsorge ging. Warum ist es nicht möglich, diesen Krebs früher zu erkennen?

Leider kommt es bei Eierstockkrebs erst spät zu Beschwerden, es gibt auch kein Screeningverfahren, sodass trotz regelmäßiger Vorsorge die Erkrankung oft erst dann auffällt, wenn Bauchwasser vorliegt und die Frau eine Zunahme des Bauchumfanges feststellt. Der häufigste Typ dieses Krebses streut typischerweise frühzeitig. Zur Therapie gehört eine radikale Operation, wo alle auffälligen Herde entfernt werden, gefolgt von einer platinhaltigen Chemotherapie. Dieser Krebs tritt oft familiär gehäuft auf. Falls bei Ihrer Frau eine BRCA-Mutation festgestellt wurde, können sich ihre weiblichen Verwandten in Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs testen und beraten lassen.

Mein Brustkrebs wächst hormonabhängig. Deshalb bekam ich nach der OP sogenannte Aromatasehemmer. Jetzt habe ich Schmerzen in Muskeln und Knochen, auch Schluckbeschwerden. Liegt das an der Antihormontherapie?

Nicht wenige Frauen haben unter Aromatasehemmern diese Beschwerden. Diese lassen sich aber gezielt lindern, zum Beispiel mit Ibuprofen. Da Aromatasehemmer eine höhere Wirksamkeit haben als andere Antihormonpräparate wie Tamoxifen, sollte man immer versuchen, die Verträglichkeit zu verbessern, ehe man auf ein anderes Medikament umstellt.

Ich bin 70 Jahre alt, hatte vor zehn Jahren eine Brustkrebs-OP und habe nun Metastasen in der Lunge, die nicht operabel sind. Seitdem ich Medikamente nehme, ist der Tumormarker gesunken. Was tun, wenn er wieder steigt?

Eine Umstellung der Therapie wäre nur dann nötig, wenn in der Bildgebung (CT) eine eindeutige Zunahme der Erkrankung festzustellen ist – nicht nur der Tumormarker, denn die können auch aus anderen Gründen steigen. Nach histologischer Untersuchung, zum Beispiel einer neuen Immunhistochemie, könnte auch eine zielgerichtete Therapie erfolgen, wozu Sie sich am besten an ein Brustkrebszentrum mit viel Erfahrung wenden sollten.

Begleitende Krebstherapie

Nach einer länger zurückliegenden, hoch dosierten Chemotherapie bin ich immer noch sehr erschöpft. Zudem habe ich Morphium wegen Knieschmerzen nehmen müssen, werde jetzt am Knie operiert und hoffe, dass das zumindest besser wird. Was meinen Sie?

Erschöpfung und Fatigue sind nach Krebstherapien weitverbreitet. Starke Schmerzmittel und die Schonung bei Schmerzen können das verstärken. Da kann sich ein Teufelskreis entwickeln, wo durch zur Schonung auch noch eine Art Trainingsmangel hinzukommt. Aus meiner Sicht ist es das Wichtigste, die dosierte Belastung immer wieder und wenn möglich mehrfach täglich zu suchen. Das ist kein Leistungssport, aber Regelmäßigkeit auch bei kleinen Aufgaben, die man sich stellt (Spazieren gehen, Gymnastik) zahlt sich aus.

Wird einem als Angehörigen verschwiegen, wie schwer die Erkrankung des Patienten ist?

Jeder Patient hat Anspruch auf eine Aufklärung über die Schwere der Erkrankung und deren Prognose. Ob weitere Personen informiert werden dürfen oder sollen, ist jedoch seine Entscheidung. Ärzte unterliegen auch Angehörigen gegenüber der Schweigepflicht. Sie werden aber darauf drängen, dass die wichtigsten Bezugspersonen auf dem richtigen Wissensstand sind.

Notiert von Stephanie Wesely.

Die Serie "Neue Wege gegen Krebs":

Neue Krebs-Therapien haben Überlebenszeit und Lebensqualität verbessert. Eine große Serie von Sächsische.de zeigt, was heute möglich ist. Hier geht es zu allen Episoden.

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